Lineol - Heer Soldat liegend Handgranate werfend
Lineol Spielzeugsoldat: Der liegende Handgranatenwerfende Soldat
Die Lineol-Figur eines liegenden Heersoldaten beim Handgranatenwurf repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Spielzeuggeschichte des frühen bis mittleren 20. Jahrhunderts. Diese 7,5 cm große Figur ist ein typisches Beispiel für die militärischen Spielzeugfiguren, die zwischen den 1930er und 1940er Jahren produziert wurden und sowohl die zeitgenössische Militärtaktik als auch die gesellschaftliche Rolle des Militarismus in dieser Ära widerspiegeln.
Die Firma Lineol
Die Firma Lineol wurde 1906 von Oskar Wiederholt in Brandenburg an der Havel gegründet. Der Name “Lineol” war eine Kunstschöpfung, die sich von “Linie” ableitete und auf die präzise Linienführung der Figuren anspielte. Lineol entwickelte sich zu einem der bedeutendsten deutschen Hersteller von Massefiguren, die aus einem Verbundstoff auf Kaseinbasis hergestellt wurden. Diese Komposition ermöglichte detaillierte Formgebung und war haltbarer als viele andere Materialien jener Zeit.
In den 1930er Jahren verlegte das Unternehmen seinen Produktionsschwerpunkt zunehmend auf militärische Figuren, die der damaligen Wehrmacht nachempfunden waren. Die Figuren wurden in verschiedenen Maßstäben produziert, wobei die 7,5 cm Größe zu den Standardformaten gehörte. Diese Größe ermöglichte sowohl detaillierte Darstellung als auch praktisches Spielen.
Historischer Kontext: Die Handgranate in der Kriegsführung
Die Darstellung eines liegenden Soldaten beim Handgranatenwurf reflektiert eine authentische Kampftaktik, die besonders im Ersten Weltkrieg entwickelt und im Zweiten Weltkrieg perfektioniert wurde. Die Handgranate hatte sich seit 1914-1918 als unverzichtbare Infanteriewaffe etabliert. Die deutsche Wehrmacht setzte hauptsächlich die Stielhandgranate M24 und später die M39 ein, die charakteristisch für deutsche Truppen waren.
Die liegende Position beim Granatenwurf war eine taktische Notwendigkeit: Sie bot Deckung vor feindlichem Feuer, ermöglichte präzisere Würfe und war typisch für Grabenkämpfe, Häuserkämpfe und Stellungskrieg. Soldatenhandbücher der Wehrmacht beschrieben detailliert verschiedene Wurftechniken aus unterschiedlichen Positionen.
Spielzeug und Ideologie
Die Produktion militärischer Spielzeuge in der NS-Zeit war kein Zufall. Das Regime förderte die Militarisierung der Gesellschaft von Kindesbeinen an. Spielzeugfiguren wie diese Lineol-Produkte dienten nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der subtilen ideologischen Beeinflussung. Kinder sollten mit militärischen Konzepten, Uniformen und Kampfszenarien vertraut gemacht werden.
Dennoch wäre es vereinfachend, diese Figuren ausschließlich als Propagandainstrumente zu betrachten. Militärspielzeug hatte in Europa eine lange Tradition, die weit ins 19. Jahrhundert zurückreichte. Zinnsoldaten und später Massefiguren waren in vielen Ländern beliebt.
Herstellung und Material
Lineol-Figuren wurden in einem aufwendigen Verfahren hergestellt. Die Masse bestand hauptsächlich aus Kasein (einem Milchprotein), Kreide, Kaolin und anderen Bindemitteln. Diese Mischung wurde in Metallformen gegossen, die detaillierte Abdrücke ermöglichten. Nach dem Trocknen wurden die Figuren handbemalt, wobei unterschiedliche Qualitätsstufen existierten.
Die Bemalung erfolgte mit spezifischen Farben, die den tatsächlichen Uniformen der Wehrmacht entsprachen: Feldgrau für die Uniform, verschiedene Hauttöne, und akkurate Details bei Ausrüstungsgegenständen. Die Qualität der Bemalung variierte je nach Produktionszeitpunkt – Kriegsproduktionen zeigten oft vereinfachte Details aufgrund von Materialknappheit.
Sammleraspekt und Zustandsbewertung
Der angegebene Zustand 2 in der Sammlerhierarchie (auf einer Skala von 1 bis 6, wobei 1 mint condition ist) deutet auf eine sehr gut erhaltene Figur hin. Bei Lineol-Figuren bedeutet dies typischerweise: originale Bemalung weitgehend intakt, möglicherweise minimale Gebrauchsspuren, keine größeren Beschädigungen oder Reparaturen. Die Masse kann im Laufe der Jahrzehnte zu Rissen neigen, weshalb gut erhaltene Exemplare besonders geschätzt werden.
Heute sind Lineol-Figuren begehrte Sammlerobjekte, die sowohl aus historischem Interesse als auch aus nostalgischen Gründen gesucht werden. Sie dokumentieren ein spezifisches Kapitel deutscher Industrie- und Sozialgeschichte. Sammler schätzen die handwerkliche Qualität und die historische Authentizität der Uniformdarstellungen.
Nachkriegszeit und Vermächtnis
Nach 1945 stellte Lineol die Produktion militärischer Figuren zunächst ein und konzentrierte sich auf zivile Themen. Das Unternehmen produzierte bis in die 1980er Jahre, konnte aber nicht mehr an die frühere Bedeutung anknüpfen. Die militärischen Figuren aus der Vorkriegs- und Kriegszeit bleiben jedoch als Zeitdokumente von Bedeutung – sie erzählen von einer Epoche, in der Militarismus tief in die Alltagskultur eingewoben war.