NSKK - tragbare Teilnehmerplakette - " Orientierungsfahrt-Motor-Brigade Bayer. Ostmark 12.5.1935 "

Buntmetall vergoldet und teilweise emailliert, Hersteller : C.Poellath Schrobenhausen, Zustand 2.

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350,00

NSKK-Teilnehmerplakette – Orientierungsfahrt der Motor-Brigade Bayerische Ostmark, 12. Mai 1935

Die vorliegende tragbare Teilnehmerplakette dokumentiert eine Orientierungsfahrt, die am 12. Mai 1935 von der Motor-Brigade Bayerische Ostmark des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) durchgeführt wurde. Als materielles Zeugnis der motorsportlichen Aktivitäten einer paramilitärischen Organisation des NS-Regimes bietet dieses Stück einen aufschlussreichen Einblick in die systematische Verbindung von Motorsport, vormilitärischer Ausbildung und ideologischer Mobilisierung im Dritten Reich.

Das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps (NSKK)

Das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps (NSKK) war eine paramilitärische Organisation der NSDAP, die offiziell von Mai 1931 bis 1945 bestand. Es ging aus dem bereits seit April 1930 existierenden Nationalsozialistischen Automobil-Korps hervor. Ursprünglich als Unterorganisation der SA gegründet, entwickelte sich das NSKK nach der nationalsozialistischen Machtergreifung zu einer eigenständigen Formation. Unter dem Korpsführer Adolf Hühnlein, der das Korps von 1931 bis zu seinem Tod 1942 kommandierte, wuchs das NSKK auf über 500.000 Mitglieder an.

Die Hauptaufgaben des NSKK umfassten die kraftfahrzeugtechnische Ausbildung, die ideologische Schulung und die Förderung des Motorsports. Konkret diente die Organisation als Ausbildungseinrichtung, die ihre Mitglieder vornehmlich in der Bedienung und Wartung leistungsfähiger Motorräder und Automobile unterwies. In der Mitte der 1930er Jahre fungierte das NSKK zudem als Pannenhilfsdienst.

Die Orientierungsfahrt als Ausbildungs- und Wettkampfform

Gelände- und Orientierungsfahrten bildeten zentrale Bestandteile der NSKK-Ausbildung und erfüllten mehrere Zwecke gleichzeitig: Sie vermittelten praktische Fahrzeugfertigkeiten unter schwierigen Bedingungen, schulten die Geländenavigation abseits befestigter Straßen und förderten den Korpsgeist unter den Mitgliedern. Die Teilnehmer mussten vorgeschriebene Strecken absolvieren, Kontrollpunkte erreichen und ihre Fahr- sowie Navigationsfähigkeiten unter Beweis stellen.

Eine Orientierungsfahrt war eine Motorsportveranstaltung, bei der der sportliche Aspekt im Lösen von Orientierungsaufgaben lag – vornehmlich durch den Beifahrer. Die Teilnehmer befuhren eine vorgeschriebene Strecke auf öffentlichen Straßen, die typischerweise 75 Kilometer umfasste, wobei vorgegebene Fahrzeiten einzuhalten waren – in der Regel drei Stunden bei Durchschnittsgeschwindigkeiten zwischen 25 und 35 km/h. Diese scheinbar zivilen Sport- und Ausbildungsveranstaltungen dienten der systematischen Vorbereitung der deutschen Gesellschaft auf den Krieg.

Die Motor-Brigade Bayerische Ostmark

Die Motor-Brigade Bayerische Ostmark war eine regionale Gliederung des NSKK. Gemäß dem Organisationsbuch der NSDAP von 1936 war die Abzeichenfarbe der Motor-Brigade Bayerische Ostmark hellblau – eine Farbe, die sie mit der Motor-Brigade Hochland teilte. Die vorliegende Plakette dokumentiert eine am 12. Mai 1935 von dieser Brigade durchgeführte Orientierungsfahrt, an der Mitglieder der Einheiten der Motor-Brigade teilnahmen.

Materielle Beschaffenheit und Herstellung

Die Plakette besteht aus vergoldetem Buntmetall und ist teilweise emailliert. Die Vorderseite trägt die Inschrift „Orientierungsfahrt-Motor-Brigade Bayer. Ostmark 12.5.1935“. Hergestellt wurde sie von der Firma C. Poellath in Schrobenhausen, einem der führenden Hersteller von Orden, Dekorationen und Abzeichen im Deutschen Reich. Das Unternehmen, bekannt für seine hohe Handwerkskunst, blickt als Familienunternehmen auf eine Tradition zurück, die bis ins Jahr 1778 reicht. Der Herstellervermerk findet sich auf der Rückseite der Plakette.

Plaketten als Auszeichnungs- und Erinnerungsstücke

Plaketten dieser Art wurden an Mitglieder der Motor-Brigade-Einheiten ausgegeben, die an Orientierungsfahrten teilgenommen hatten. Bei solchen Veranstaltungen wurden sowohl eine versilberte Hauptplakette als auch eine kupferfarbene Gedenkplakette ausgegeben. Nicht tragbare Plaketten unterschieden sich von tragbaren Abzeichen dadurch, dass sie nicht zum Tragen an Uniformen vorgesehen waren, sondern als Erinnerungsstücke und Wandschmuck dienten, die an Veranstaltungsteilnehmer ausgegeben oder auch käuflich erworben werden konnten. Das vorliegende Exemplar ist jedoch ausdrücklich als „tragbar“ gekennzeichnet, was auf eine zum Tragen bestimmte Variante hinweist.

Historische Einordnung und Nachgeschichte

Das NSKK wurde im Mai 1945 aufgelöst und bei den Nürnberger Prozessen als „verurteilte Organisation“ eingestuft, wenngleich nicht als kriminelle Organisation. Diese Einstufung beruhte teilweise auf den Ursprüngen des NSKK in der SA und seinen rassischen Mitgliedschaftsvoraussetzungen. Nach 1945 wurde das NSKK vom Alliierten Kontrollrat als kriminelle Organisation klassifiziert und aufgelöst.

Überbleibsel wie Teilnehmerplaketten sind heute wichtige historische Quellen für die Erforschung der Mobilisierung und vormilitärischen Ausbildung im Nationalsozialismus. Sie dokumentieren die systematische Vorbereitung der deutschen Gesellschaft auf den Krieg durch vermeintlich zivile Sport- und Ausbildungsveranstaltungen. Die vorliegende Plakette aus dem Jahr 1935 steht exemplarisch für die Frühphase dieser Mobilisierungsstrategie und veranschaulicht, wie das NS-Regime den Motorsport als Instrument der ideologischen und militärischen Durchdringung der Gesellschaft nutzte.