Österreich 1. Weltkrieg Fliegertruppe Flugzeug Bord-Einbauuhr der K.u.K. Luftfahrttruppen

um 1917/18. Vernickeltes Stahlgehäuse, Durchmesser 50 mm, Stahlgehäuse mit Glasdeckel. Das Zifferblatt aus Porzellan mit Bezeichnung "Öster. Ungar. Albatros Fugwerke - Franz Watzl. Wien", 12 Stunden Einteilung ohne Sekundenzeiger. Die Uhr ist eingesetzt in eine vernickelte Einsteckhalterung für das Flugzeug, oben der Handaufzug, unter der Uhr mit Bezeichnung "K.u.K. Luftfahrtruppen No. 5326". Unten seitlich 2 Stege zum einstecken in die Halterung im Cockpit des Flugzeugs. Gesamthöhe (mit Stegen) ca. 10 cm. Die Uhr Zeigt deutliche Alters- und Gebrauchsspuren, das Zifferblatt mit kleinem Emailleschaden auf der "1", Die Uhr ist funktionstüchtig, läuft an, sollte aber von einem Uhrmachermeister einmal überholt werden. Zustand 2-. 
Extrem selten, das 1. Mal seit über 30 Jahren bei uns im Angebot.
417169
1.500,00

Österreich 1. Weltkrieg Fliegertruppe Flugzeug Bord-Einbauuhr der K.u.K. Luftfahrttruppen

Die vorliegende Flugzeug-Borduhr der k.u.k. Luftfahrtruppen repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der österreichisch-ungarischen Militärluftfahrt während des Ersten Weltkriegs. Diese um 1917/18 hergestellte Uhr verkörpert die technische Entwicklung und die wachsende Bedeutung der Fliegertruppe in den letzten Kriegsjahren der Donaumonarchie.

Die k.u.k. Luftfahrtruppen entwickelten sich ab 1912 aus bescheidenen Anfängen zu einer beachtlichen Streitmacht. Zu Kriegsbeginn 1914 verfügte Österreich-Ungarn über lediglich 48 einsatzbereite Flugzeuge, doch bis Kriegsende waren es mehrere tausend. Die Notwendigkeit zuverlässiger Navigationsinstrumente und Zeitmesser wurde mit zunehmender taktischer Bedeutung der Luftaufklärung und des Luftkampfes immer dringlicher.

Das Zifferblatt trägt die Bezeichnung "Öster. Ungar. Albatros Flugwerke - Franz Watzl. Wien", was auf die österreichische Niederlassung der deutschen Albatros-Werke hinweist. Die Österreichisch-Ungarischen Albatros Flugzeugwerke wurden während des Krieges in Wien etabliert, um Lizenzbauten deutscher Albatros-Flugzeuge für die k.u.k. Armee zu fertigen. Franz Watzl war als Ingenieur und Unternehmer in der österreichischen Luftfahrtindustrie tätig und spielte eine wichtige Rolle bei der Produktion von Flugzeugen und Ausrüstung.

Die technischen Spezifikationen dieser Borduhr entsprechen den damaligen militärischen Anforderungen: Das vernickelte Stahlgehäuse mit 50 mm Durchmesser bot ausreichenden Schutz gegen die rauen Bedingungen im offenen Cockpit. Das Porzellan-Zifferblatt mit 12-Stunden-Einteilung ohne Sekundenzeiger war für schnelles Ablesen optimiert - eine wesentliche Eigenschaft bei Aufklärungsflügen, bei denen präzise Zeitangaben für die Koordination mit Bodeneinheiten entscheidend waren.

Die Konstruktion mit der vernickelten Einsteckhalterung und den seitlichen Stegen zum Einstecken in die Cockpit-Halterung zeigt die praktische Herangehensweise der k.u.k. Militärtechniker. Der oben angebrachte Handaufzug ermöglichte die Bedienung auch mit Flughandschuhen. Die Nummerierung "K.u.K. Luftfahrtruppen No. 5326" deutet auf ein systematisches Inventarisierungssystem hin, wie es für militärische Ausrüstung üblich war.

Die Jahre 1917/18, in denen diese Uhr hergestellt wurde, waren eine Zeit intensiver Luftkampfaktivitäten an allen Fronten der Donaumonarchie. An der italienischen Front, über den Karpaten und auf dem Balkan waren die k.u.k. Fliegertruppen im Einsatz. Berühmte österreichisch-ungarische Fliegerasse wie Godwin Brumowski (mit 35 bestätigten Abschüssen der erfolgreichste Pilot der Monarchie) und Julius Arigi errangen in dieser Zeit ihre größten Erfolge.

Die Albatros-Flugzeuge, für deren Cockpits solche Uhren produziert wurden, waren von zentraler Bedeutung für die k.u.k. Luftstreitkräfte. Modelle wie die Albatros D.III und später die Oeffag-Albatros D.III (eine verbesserte österreichische Version) bildeten das Rückgrat der Jagdstaffeln. Diese Flugzeuge benötigten zuverlässige Instrumente für Navigation und taktische Operationen.

Die Zeitmessung im Luftkampf hatte mehrere kritische Funktionen: Koordination von Patrouillenflügen, Berechnung des Treibstoffverbrauchs, Planung der Rückkehr zur Basis und Synchronisation von Angriffsoperationen. Eine funktionierende Borduhr konnte unter Umständen Leben retten, wenn Piloten bei schlechter Sicht oder nach Kampfhandlungen den Weg zurück zu ihren Flugplätzen finden mussten.

Die Seltenheit solcher Instrumente heute erklärt sich durch mehrere Faktoren: Die relativ geringe Produktionszahl, die hohen Verlustraten durch Abstürze und Abschüsse, sowie die Auflösung der k.u.k. Armee nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie im November 1918. Viele militärische Ausrüstungsgegenstände wurden nach Kriegsende verschrottet, verkauft oder gingen in den Wirren der Nachkriegszeit verloren.

Diese Borduhr ist somit nicht nur ein technisches Instrument, sondern auch ein stummes Zeugnis der letzten Jahre einer untergegangenen Großmacht und ihrer Bemühungen, in einem modernen, industrialisierten Krieg zu bestehen. Sie repräsentiert die Ingenieurskunst und militärische Organisation einer Epoche, die mit dem Ende des Ersten Weltkriegs unwiderruflich zu Ende ging.

r