Parteikreistag 1935 Königsberg Pr.

, Blechabzeichen an Nadel, Zustand 2.
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150,00

Parteikreistag 1935 Königsberg Pr.

Parteikreistag 1935 Königsberg Pr. - Historischer Kontext

Das vorliegende Blechabzeichen zum Parteikreistag 1935 in Königsberg repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis der nationalsozialistischen Parteiorganisation in der Frühphase des Dritten Reiches. Diese Art von Abzeichen gehört zur umfangreichen Kategorie der NSDAP-Veranstaltungsabzeichen, die zwischen 1933 und 1945 in großer Vielfalt produziert wurden.

Die NSDAP-Parteikreistage waren wichtige regionale Veranstaltungen innerhalb der hierarchischen Struktur der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. Nach der Machtübernahme 1933 intensivierte die NSDAP ihre Organisationsstruktur erheblich. Das Reich wurde in Gaue unterteilt, die wiederum in Kreise gegliedert waren. Die Parteikreistage dienten der Demonstration von Macht, der Mobilisierung der Mitglieder und der Festigung der ideologischen Ausrichtung auf lokaler Ebene.

Königsberg in Ostpreußen, die historische Hauptstadt der Provinz, spielte eine besondere Rolle in der NS-Propaganda. Die Stadt, heute Kaliningrad in Russland, war ein bedeutendes kulturelles und politisches Zentrum. Der Gau Ostpreußen unter Gauleiter Erich Koch (1928-1945 im Amt) galt als einer der straffsten organisierten Parteibezirke. Koch, bekannt für seinen radikalen Kurs, nutzte Massenveranstaltungen wie Parteikreistage zur Festigung seiner Macht.

Das Jahr 1935 markiert eine Phase der Konsolidierung der NS-Herrschaft. Nach den Ereignissen des sogenannten “Röhm-Putsches” 1934 und dem Tod Hindenburgs im selben Jahr hatte Hitler seine Machtposition gefestigt. 1935 wurden die Nürnberger Gesetze erlassen, die Wehrpflicht wiedereingeführt, und die Saar kehrte nach der Volksabstimmung ins Reich zurück. In diesem Kontext dienten Parteikreistage der Mobilisierung und Indoktrination der Bevölkerung.

Herstellung und Gestaltung

Veranstaltungsabzeichen der NSDAP wurden typischerweise aus gestanztem Blech gefertigt, häufig mit Email- oder Lacküberzug. Die Produktion erfolgte durch spezialisierte Hersteller, die oft auch andere Parteiinsignien und militärische Auszeichnungen fertigten. Firmen wie Christian Lauer (Nürnberg), Ferdinand Hoffstätter (Bonn) oder Richard Sieper & Söhne (Lüdenscheid) gehörten zu den bekannten Produzenten.

Die Abzeichen wurden mit einer Nadel auf der Rückseite versehen und an der Zivilkleidung getragen. Sie dienten als Teilnahmenachweis und Loyalitätsbekundung. Oft wurden sie nur für die Dauer der Veranstaltung ausgegeben oder verkauft, was ihre regionale und zeitliche Spezifität erklärt.

Funktion und Bedeutung

Diese Abzeichen erfüllten mehrere Funktionen: Sie waren Identifikationszeichen für Teilnehmer, Propagandamittel zur Demonstration der Massenbasis der Partei und Sammlerobjekte, die die emotionale Bindung an die Bewegung stärken sollten. Das Tragen solcher Abzeichen war Ausdruck der Zugehörigkeit zur “Volksgemeinschaft” und demonstrierte öffentliche Loyalität zum Regime.

Für Parteikreistage wurden aufwendige Programme organisiert: Aufmärsche, Reden lokaler und regionaler Funktionäre, kulturelle Darbietungen und sportliche Wettkämpfe. Die Veranstaltungen folgten einem ritualisierten Schema, das Elemente religiöser Liturgie mit militärischem Zeremoniell verband.

Historische Einordnung

Aus heutiger Perspektive sind solche Abzeichen wichtige Quellen für die Geschichtswissenschaft. Sie dokumentieren die flächendeckende Organisation der NSDAP, ihre Propagandamethoden und die Durchdringung des Alltags mit politischen Symbolen. Gleichzeitig sind sie Zeugnisse eines verbrecherischen Systems, das in den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg führte.

Der rechtliche Umgang mit solchen Objekten ist in Deutschland durch das Strafgesetzbuch (§ 86a) geregelt, das die Verwendung verfassungswidriger Symbole verbietet, aber Ausnahmen für Kunst, Wissenschaft, Forschung und Lehre vorsieht. Sammler und Händler müssen entsprechende Sorgfaltspflichten beachten.

Das vorliegende Abzeichen im Zustand 2 (nach numismatischer Bewertungsskala) weist auf eine gute Erhaltung mit geringen Gebrauchsspuren hin, was bei über 85 Jahre alten Objekten bemerkenswert ist und den historischen Wert als Studienobjekt unterstreicht.