Preußen 1. Weltkrieg Einzel Schulterstück für einen Leutnant im Lauenburgischen Fuß-Artillerie Regiment Nr. 20
Das Schulterstück eines Leutnants des Lauenburgischen Fuß-Artillerie Regiments Nr. 20 repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der preußischen Militärorganisation während des Ersten Weltkriegs. Diese textile Rangabzeichen bildeten einen wesentlichen Bestandteil der militärischen Uniform und ermöglichten die schnelle Identifikation von Rang und Truppenzugehörigkeit auf dem Schlachtfeld.
Das Lauenburgische Fuß-Artillerie Regiment Nr. 20 hatte seinen Heimatstandort in Lauenburg in Pommern und gehörte zum II. Armee-Korps der preußischen Armee. Die Formation wurde ursprünglich 1860 aufgestellt und trug zunächst die Bezeichnung Pommersches Fuß-Artillerie Regiment Nr. 2, bevor sie 1899 die Nummer 20 erhielt. Während des Ersten Weltkriegs war das Regiment an verschiedenen Frontabschnitten eingesetzt, sowohl an der West- als auch an der Ostfront.
Die Konstruktion des Schulterstücks folgt den preußischen Uniformvorschriften, die bis ins kleinste Detail reglementiert waren. Das Silbergeflecht mit schwarzen Durchzügen kennzeichnet den Offiziersrang, wobei die schwarze Farbe die Waffengattung der Artillerie symbolisiert. Die Farbkombination war seit der Heeresreform des frühen 19. Jahrhunderts für die preußische Artillerie charakteristisch.
Das zentrale dekorative Element bilden die gekreuzten langen Granaten, ein traditionelles Symbol der Fuß-Artillerie, das sich von den brennenden Granaten der Feldartillerie unterschied. Diese Symbolik geht auf das 18. Jahrhundert zurück und wurde in der preußischen Armee konsequent verwendet. Die Regimentsnummer “20” auf dem Schulterstück ermöglichte die eindeutige Identifikation der Einheit.
Die orangene Tuchunterlage ist von besonderer Bedeutung. Orange war die Waffenfarbe des II. Armee-Korps und kennzeichnete alle diesem Korps angehörigen Einheiten. Dieses Farbsystem ermöglichte eine schnelle Zuordnung der Regimenter zu ihren übergeordneten Verbänden und war ein charakteristisches Merkmal der preußischen Militärorganisation.
Der Rang eines Leutnants war der unterste Offiziersrang in der kaiserlichen Armee. Leutnants führten typischerweise Züge und waren die unmittelbaren Vorgesetzten der Unteroffiziere und Mannschaften. Ihre Ernennung erfolgte nach erfolgreicher Offiziersausbildung, die entweder durch den Besuch einer Kriegsschule oder als Fahnenjunker direkt beim Regiment absolviert wurde.
Die Datierung “um 1915” ist aufschlussreich. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Erste Weltkrieg bereits zum Stellungskrieg entwickelt. Die Materialknappheit zwang das Deutsche Reich zunehmend zu Vereinfachungen bei der Uniformausstattung. Dennoch behielten Offiziere länger als die Mannschaften ihre traditionellen Rangabzeichen, da diese zur Aufrechterhaltung der militärischen Hierarchie als unerlässlich galten.
Die Schlaufe auf der Rückseite des Schulterstücks diente zur Befestigung auf der Uniform. Schulterstücke wurden auf die Epauletten aufgeschoben und waren austauschbar, was bei Beförderungen oder Versetzungen praktisch war. Diese modulare Gestaltung entsprach der preußischen Effizienz in militärischen Angelegenheiten.
Der beschädigte Zustand der Tuchunterlage ist typisch für Militaria aus dem Ersten Weltkrieg. Die Materialien waren den extremen Bedingungen des Kriegseinsatzes ausgesetzt: Feuchtigkeit, Schmutz und mechanische Belastungen hinterließen ihre Spuren. Zudem führte die zunehmende Materialknappheit während des Krieges oft zu qualitativ minderwertigen Ersatzstoffen.
Die Fuß-Artillerie unterschied sich von der reitenden und fahrenden Artillerie durch ihre schwereren Geschütze und ihre Rolle bei Belagerungen und in befestigten Stellungen. Im Ersten Weltkrieg spielte die Artillerie eine entscheidende Rolle, da sie für bis zu 70 Prozent aller Gefechtsausfälle verantwortlich war. Das Regiment Nr. 20 war mit schweren Haubitzen und Mörsern ausgerüstet.
Solche Schulterstücke sind heute wichtige Sammlerstücke und historische Dokumente. Sie ermöglichen Einblicke in das komplexe System der preußisch-deutschen Militärorganisation und zeugen von der Bedeutung, die Tradition und Hierarchie im kaiserlichen Heer beigemessen wurde. Jedes Detail, vom Material bis zur Farbe, folgte präzisen Vorschriften und transportierte spezifische Informationen über den Träger und seine militärische Funktion.