RAD weiblich Ärmelschild "XV" für Führerinnen im Bezirk Nordmark 

Bevo-gewebte Ausführung. Getragen, Zustand 2.
354569
95,00

RAD weiblich Ärmelschild "XV" für Führerinnen im Bezirk Nordmark 

Das Ärmelschild des Reichsarbeitsdienstes (RAD) für weibliche Führerinnen im Bezirk XV Nordmark stellt ein faszinierendes Zeugnis der Organisation und Struktur des nationalsozialistischen Arbeitsdienstes während der Jahre 1934 bis 1945 dar. Diese in Bevo-Webtechnik hergestellten Abzeichen waren integraler Bestandteil der Uniformierung und dienten der Identifikation von Rang und Zugehörigkeit innerhalb der komplexen Hierarchie des RAD.

Der Reichsarbeitsdienst wurde am 26. Juni 1935 durch das “Gesetz für den Reichsarbeitsdienst” als Pflichtdienst für alle jungen Deutschen eingeführt, wobei die Dienstpflicht für Frauen ab 1939 schrittweise ausgeweitet wurde. Die weibliche Abteilung des RAD, anfangs als RAD der weiblichen Jugend (RADwJ) bezeichnet, hatte ihre eigene Organisationsstruktur und Uniformordnung. Die jungen Frauen leisteten typischerweise sechs Monate Dienst, hauptsächlich in der Landwirtschaft, Hauswirtschaft und später auch in kriegswichtigen Bereichen.

Die Bezirkseinteilung des RAD erfolgte nach geografischen Gesichtspunkten, wobei das gesamte Deutsche Reich in römisch nummerierte Bezirke unterteilt wurde. Der Bezirk XV Nordmark umfasste die nördlichen Gebiete des Reiches, insbesondere Schleswig-Holstein und angrenzende Regionen. Der Begriff “Nordmark” war eine nationalsozialistische Bezeichnung für diese historisch bedeutsame Grenzregion. Jeder Bezirk wurde von einem Bezirksführer beziehungsweise einer Bezirksführerin geleitet und war weiter in Gruppen und Abteilungen untergliedert.

Die Bevo-Webtechnik, benannt nach der Barmer Textilmaschinenfabrik Bevo (Barmer Bandweberei Vohwinkel), war ein spezielles Jacquard-Webverfahren, das hochwertige, detaillierte textile Abzeichen ermöglichte. Diese Technik wurde während des Dritten Reiches standardmäßig für die Herstellung von Uniformabzeichen verwendet, da sie eine präzise und dauerhafte Darstellung von Symbolen, Schrift und Mustern ermöglichte. Die Bevo-Abzeichen waren direkt gewebt und nicht bestickt, was sie besonders haltbar und formstabil machte.

Die Ärmelabzeichen des RAD folgten strikten Vorschriften, die in den Anzugsordnungen und Dienstvorschriften festgelegt waren. Für Führerinnen im weiblichen RAD waren spezielle Kennzeichnungen vorgesehen, die ihre Funktion und ihren Dienstgrad anzeigten. Die römische Ziffer “XV” auf dem Schild identifizierte eindeutig die Zugehörigkeit zum Bezirk Nordmark. Diese Bezirksabzeichen wurden am Oberarm der Uniform getragen und waren für alle Angehörigen des jeweiligen Bezirks verpflichtend.

Die Uniformierung des weiblichen RAD war funktional gestaltet und bestand aus einem marineblauen Rock, einer braunen Jacke, weißer Bluse und dem charakteristischen RAD-Kopftuch. Die verschiedenen Ärmelabzeichen, Schulterklappen und Rangabzeichen ermöglichten eine sofortige Identifikation von Rang und Funktion innerhalb der Organisation. Führerinnen trugen zusätzliche Kennzeichnungen, die ihre Verantwortungsbereiche und hierarchische Stellung verdeutlichten.

Die historische Einordnung solcher Abzeichen erfordert ein differenziertes Verständnis der Rolle des RAD im nationalsozialistischen System. Während offiziell als “Ehrendienst am deutschen Volk” dargestellt, diente der RAD der ideologischen Indoktrination der Jugend, der Arbeitsbeschaffung und später zunehmend der Unterstützung der Kriegswirtschaft. Die weiblichen RAD-Angehörigen wurden in der NS-Ideologie instrumentalisiert und für kriegswichtige Aufgaben mobilisiert.

Die Erhaltung solcher historischer Uniformteile und Abzeichen ist aus wissenschaftlicher Sicht bedeutsam, da sie als materielle Quellen wichtige Einblicke in die Organisation, Struktur und alltägliche Praxis des Reichsarbeitsdienstes bieten. Sie dokumentieren die systematische Erfassung und Organisation der deutschen Jugend im Nationalsozialismus und sind damit wichtige Zeugnisse einer dunklen Epoche deutscher Geschichte, die der kritischen historischen Aufarbeitung und Bildung dienen.