Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend ( RAD/wJ ) - Erinnerungsbrosche in Silber, für eine Frau aus dem Bezirk XV Nordmark 1944

Feinzink, rückseitig markiert "ANG", rückseitig eingeritzt "XV 44", an Nadel, Zustand 2.
489169
45,00

Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend ( RAD/wJ ) - Erinnerungsbrosche in Silber, für eine Frau aus dem Bezirk XV Nordmark 1944

Die Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend (RAD/wJ) Erinnerungsbrosche repräsentiert ein bedeutendes Stück der deutschen Sozial- und Organisationsgeschichte der 1930er und 1940er Jahre. Diese besondere Brosche aus dem Jahr 1944, die dem Bezirk XV Nordmark zugeordnet ist, dokumentiert die Teilnahme einer jungen Frau an dieser nationalsozialistischen Arbeitsorganisation während des Zweiten Weltkriegs.

Der Reichsarbeitsdienst für die weibliche Jugend wurde offiziell am 1. September 1939 eingeführt, zeitgleich mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs. Obwohl der männliche Reichsarbeitsdienst bereits seit 1935 existierte und verpflichtend war, erfolgte die systematische Einbeziehung junger Frauen erst später. Die Organisation wurde unter der Leitung des Reichsarbeitsführers Konstantin Hierl aufgebaut und stellte einen wesentlichen Bestandteil der nationalsozialistischen Mobilisierung der Bevölkerung dar.

Der Bezirk XV Nordmark umfasste geografisch hauptsächlich das Gebiet Schleswig-Holstein und Hamburg. Die administrative Struktur des RAD war in verschiedene Arbeitsgaue und Bezirke unterteilt, wobei jeder Bezirk seine eigene Verwaltung und spezifische Zuständigkeiten hatte. Die Nordmark-Region spielte aufgrund ihrer strategischen Lage an der Nord- und Ostsee eine wichtige Rolle in der Kriegswirtschaft.

Die vorliegende Brosche ist aus Feinzink gefertigt, was für die Kriegszeit typisch war. Ab 1940 wurden zunehmend Ersatzmaterialien verwendet, da Edelmetalle für die Rüstungsindustrie benötigt wurden. Die Bezeichnung “in Silber” bezieht sich auf die Farbgebung oder Versilberung, nicht auf das tatsächliche Material. Die rückseitige Markierung "ANG" weist auf den Hersteller hin, wobei solche Herstellermarken bei Auszeichnungen und Abzeichen dieser Zeit üblich waren.

Die eingeritzte Beschriftung "XV 44" auf der Rückseite dokumentiert eindeutig den Bezirk und das Dienstjahr 1944. Diese persönliche Gravur war typisch für Erinnerungsstücke und ermöglichte den Trägerinnen, ihre Dienstzeit zu dokumentieren. Das Jahr 1944 war besonders bedeutsam, da zu diesem Zeitpunkt der Arbeitskräftemangel in Deutschland kritisch war und die Mobilisierung aller verfügbaren Ressourcen höchste Priorität hatte.

Die Aufgaben der jungen Frauen im RAD/wJ waren vielfältig. Sie wurden hauptsächlich in der Landwirtschaft, in Kindergärten, bei der Erntehilfe und in Haushalten kinderreicher Familien eingesetzt. Mit zunehmender Kriegsdauer übernahmen sie auch Aufgaben in der Kriegswirtschaft, bei der Trümmerbeseitigung nach Luftangriffen und in der Versorgung. Die Dienstzeit betrug in der Regel sechs Monate, konnte aber während des Krieges verlängert werden.

Die Organisationsstruktur des RAD/wJ war straff militärisch gegliedert. Die jungen Frauen lebten in Lagern, trugen Uniformen und unterlagen einer strengen Disziplin. Der Tag begann mit Fahnenappell, beinhaltete körperliche Ertüchtigung und weltanschauliche Schulung neben der eigentlichen Arbeitsleistung. Diese Struktur sollte die Mädchen im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie formen und auf ihre zukünftige Rolle als Mütter und Ehefrauen vorbereiten.

Erinnerungsbroschen wie die vorliegende waren keine offiziellen Staatsauszeichnungen, sondern persönliche Andenken, die von den Trägerinnen oder ihren Einheiten erworben wurden. Sie dienten als Erinnerung an die geleistete Dienstzeit und wurden oft nach Abschluss des Arbeitsdienstes als privates Schmuckstück getragen. Die Gestaltung solcher Broschen variierte, enthielt aber typischerweise Symbole des RAD wie das Arbeitsdienst-Emblem mit Spaten.

Im Kontext der Geschichtsforschung sind solche Objekte wichtige materielle Zeugnisse der Alltagsgeschichte. Sie dokumentieren die Einbindung der weiblichen Jugend in das nationalsozialistische System und die totale Mobilisierung der Gesellschaft während des Krieges. Gleichzeitig werfen sie Fragen nach individuellen Erfahrungen, Zwang und Freiwilligkeit sowie nach der Rolle junger Frauen in dieser Zeit auf.

Die Erhaltung in Zustand 2 (sehr gut) ist bemerkenswert für ein Objekt aus dieser turbulenten Zeit, was auf eine sorgfältige Aufbewahrung über die Jahrzehnte hinweist. Dies unterstreicht auch die emotionale oder erinnerungskulturelle Bedeutung, die solche Gegenstände für ihre Besitzerinnen oder deren Familien hatten.