WHW - 4. WHW 6. Reichsstrassensammlung 20./21.3.1937

" Trachten aus Deutschen Gauen ", 6 Porzellanabzeichen, mit und ohne Nadel, Zustand 2.
413969
30,00

WHW - 4. WHW 6. Reichsstrassensammlung 20./21.3.1937

Winterhilfswerk (WHW) Abzeichen - 6. Reichsstraßensammlung 1937

Die vorliegenden Porzellanabzeichen stammen aus der 6. Reichsstraßensammlung des Winterhilfswerks des Deutschen Volkes (WHW), die am 20. und 21. März 1937 stattfand. Diese Serie trägt das Thema “Trachten aus Deutschen Gauen” und repräsentiert eine der zahlreichen Sammlungsaktionen, die das NS-Regime zwischen 1933 und 1945 organisierte.

Das Winterhilfswerk wurde offiziell am 13. September 1933 gegründet und war nominell eine Wohltätigkeitsorganisation, die bedürftigen Deutschen während der Wintermonate helfen sollte. In der Praxis diente es als wichtiges Propagandainstrument des nationalsozialistischen Regimes und als Mittel zur Kontrolle der Bevölkerung. Die Organisation stand unter der Schirmherrschaft von Joseph Goebbels und dem Reichspropagandaministerium.

Die Reichsstraßensammlungen waren groß angelegte Spendenaktionen, die mehrmals jährlich durchgeführt wurden. Dabei wurden Abzeichen, Plaketten und andere kleine Gegenstände gegen Spenden ausgegeben. Diese Sammlungen fanden typischerweise an Wochenenden statt und waren durch massive organisatorische Anstrengungen gekennzeichnet. Mitglieder der NSDAP, ihrer Gliederungen und andere Organisationen wurden mobilisiert, um auf Straßen und öffentlichen Plätzen Spenden zu sammeln.

Die 4. WHW-Saison 1936/37 war besonders umfangreich organisiert. Das Thema “Trachten aus Deutschen Gauen” spiegelte die nationalsozialistische Ideologie wider, die regionale Volkstraditionen instrumentalisierte, um ein Gefühl der völkischen Einheit zu fördern. Die Darstellung traditioneller Trachten aus verschiedenen deutschen Regionen sollte die vermeintliche kulturelle Vielfalt innerhalb der “deutschen Volksgemeinschaft” demonstrieren.

Porzellanabzeichen gehörten zu den hochwertigeren Sammelobjekten des WHW. Sie wurden von verschiedenen deutschen Porzellanmanufakturen hergestellt, darunter bekannte Firmen wie Rosenthal, Hutschenreuther und Allach. Die Produktion dieser Abzeichen erfolgte unter staatlicher Aufsicht, und die Hersteller mussten bestimmte Qualitätsstandards einhalten. Jedes Abzeichen war in der Regel auf der Rückseite mit dem Herstellerkennzeichen, der WHW-Markierung und oft auch mit der Jahresangabe versehen.

Die Sammlung umfasste typischerweise mehrere verschiedene Motive innerhalb eines Themas. Bei der Serie “Trachten aus Deutschen Gauen” wurden verschiedene regionale Trachten dargestellt, etwa aus Bayern, dem Schwarzwald, Hessen, Schlesien und anderen Gebieten. Jedes Abzeichen zeigte detailliert gestaltete Figuren in traditioneller Kleidung, bemalt in den charakteristischen Farben der jeweiligen Region.

Die Teilnahme an den WHW-Sammlungen war offiziell freiwillig, wurde aber durch erheblichen sozialen Druck durchgesetzt. Wer nicht spendete oder kein Abzeichen trug, machte sich verdächtig und riskierte berufliche oder soziale Konsequenzen. Die Sammlungen generierten erhebliche Einnahmen - in der Saison 1936/37 wurden reichsweit über 400 Millionen Reichsmark gesammelt.

Die Verwendung der gesammelten Gelder ist historisch umstritten. Offiziell dienten sie der Unterstützung bedürftiger “Volksgenossen” durch Lebensmittel, Kleidung und Brennmaterial. Tatsächlich flossen erhebliche Teile in die Aufrüstung und andere staatliche Projekte. Das WHW war auch ein Instrument zur sozialen Kontrolle und zur Förderung der nationalsozialistischen Ideologie der “Volksgemeinschaft”.

Heute sind WHW-Abzeichen Sammlerobjekte, die aus historischer und kulturgeschichtlicher Perspektive von Interesse sind. Sie dokumentieren die Alltagspropaganda des NS-Regimes und die Mechanismen sozialer Kontrolle. Die Porzellanabzeichen sind besonders begehrt, da sie aufgrund ihrer Zerbrechlichkeit in geringerer Zahl erhalten geblieben sind als Metallabzeichen. Der Zustand “2” bezeichnet eine gut erhaltene Qualität mit möglicherweise leichten Gebrauchsspuren.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit WHW-Abzeichen ermöglicht Einblicke in die Propagandastrategien des NS-Regimes, die Mobilisierung der Gesellschaft und die Instrumentalisierung regionaler Traditionen für ideologische Zwecke. Sie sind materielle Zeugnisse einer Zeit, in der selbst Wohltätigkeit politisiert und für totalitäre Zwecke missbraucht wurde.