Wehrmacht Feldbluse M 36, für einen Stabsgefreiten der Pioniere und Steuermann 

Kammerstück. Der dunkelgrüne Kragen wurde um 1940 durch ein feldgrauem Kragen ersetzt, Brustadler in Bevo-gewebter Ausführung, per Hand vernäht. Einheitskragenspiegel ohne Tuchunterlage, per Hand vernäht. Ohne Schulterklappen. Am linken Oberarm mit Rangabzeichen und Abzeichen für einen Pionier-Steuermann. Innen mit Größenangaben und Kammerstempel der III./J.R.50. 9.Komp, sowie "B 36". Maße: Brustumfang ca. 86 cm, Armlänge-Außen: ca. 62 cm, Gesamtlänge: ca. 70 cm. Brustadler ist original jedoch neu vernäht, Kragenspiegel sind original jedoch nicht ganz paarig. Loch am linken Unterarm sowie Schadstelle an der linken Hüfttasche, Feldbluse an einer Infanterie Einheit ausgegeben, später durch einen Pionier übernommen. Stark getragenes Stück, Zustand 3
484969
2.100,00

Wehrmacht Feldbluse M 36, für einen Stabsgefreiten der Pioniere und Steuermann 

Die Wehrmacht Feldbluse M 36 repräsentiert ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte der deutschen Militäruniform des Zweiten Weltkriegs. Dieses spezielle Exemplar, das einem Stabsgefreiten der Pioniere mit der zusätzlichen Qualifikation als Steuermann gehörte, zeigt die typischen Merkmale und Modifikationen dieser Uniformperiode.

Die Feldbluse Modell 1936 wurde durch die Heeresbekleidungsvorschrift vom 20. August 1935 eingeführt und stellte eine Weiterentwicklung der Reichswehrjacke dar. Sie war aus feldgrauem Tuchmaterial gefertigt und zeichnete sich durch ihren dunkelgrünen Kragen aus, der später durch einen feldgrauen ersetzt wurde. Diese Änderung erfolgte um 1940 im Rahmen einer Standardisierung und Materialeinsparung, was bei diesem Exemplar deutlich erkennbar ist.

Der Brustadler in Bevo-gewebter Ausführung war das nationale Hoheitszeichen der Wehrmacht. Die Firma Bandfabrik Ewald Vorsteher (BeVo) aus Wuppertal entwickelte ein spezielles Webverfahren, das die Herstellung von detaillierten Abzeichen in großen Stückzahlen ermöglichte. Diese Adler wurden maschinell gewebt und dann per Hand auf die Uniform genäht, wie bei diesem Stück dokumentiert.

Die Einheitskragenspiegel ohne Tuchunterlage kennzeichnen eine spätere Produktionsphase, in der Materialien eingespart werden mussten. Die schwarzen Kragenspiegel der Pioniere waren ein wesentliches Erkennungsmerkmal dieser technischen Truppengattung, die für Brückenbau, Minenräumung und Befestigungsarbeiten zuständig war.

Besonders bemerkenswert ist die Kombination der Abzeichen am linken Oberarm. Das Rangabzeichen eines Stabsgefreiten zeigte einen Winkel mit darüberliegendem Stern und war ein mittlerer Unteroffiziersdienstgrad ohne Portepee. Die zusätzliche Qualifikation als Pionier-Steuermann war eine spezialisierte Funktion innerhalb der Pioniereinheiten, die technische Kenntnisse in der Navigation und Bootsführung erforderte, insbesondere beim Übersetzen von Truppen und Material über Wasserläufe.

Der innere Kammerstempel der III./J.R.50, 9. Kompanie liefert wichtige Informationen zur ursprünglichen Ausgabe. Das Jäger-Regiment 50 gehörte zur 28. Jäger-Division, die 1938 aufgestellt wurde. Die Kennzeichnung “B 36” bezieht sich auf die Bekleidungskammer und das Uniformmodell. Die Tatsache, dass diese Feldbluse ursprünglich an eine Infanterieeinheit ausgegeben und später von einem Pionier übernommen wurde, war während des Krieges nicht ungewöhnlich, da Uniformen häufig wiederverwendet wurden.

Die Maße der Feldbluse mit einem Brustumfang von etwa 86 cm, einer Ärmellänge von 62 cm und einer Gesamtlänge von 70 cm entsprechen einer kleineren bis mittleren Größe. Diese Dimensionen waren typisch für die damalige Konfektionierung, die in standardisierten Größen erfolgte.

Die deutlichen Gebrauchsspuren, einschließlich des Lochs am linken Unterarm und der Schadstelle an der linken Hüfttasche, zeugen von intensivem Einsatz unter Feldbedingungen. Pioniere arbeiteten oft unter schwierigen und gefährlichen Bedingungen, was den erheblichen Verschleiß dieser Uniform erklärt.

Die Tatsache, dass der dunkelgrüne Kragen durch einen feldgrauen ersetzt wurde, dokumentiert die kriegsbedingte Entwicklung der Uniformvorschriften. Ab 1940 wurde zunehmend auf farbliche Unterscheidungen verzichtet, um die Produktion zu vereinfachen und Material zu sparen. Die spätere Wiedervernähung des originalen Brustadlers deutet auf Reparaturarbeiten hin, die sowohl in Schneidereien als auch von den Soldaten selbst durchgeführt wurden.

Die fehlenden Schulterklappen sind bemerkenswert, da diese normalerweise die Waffengattung und bei Mannschaften und Unteroffizieren die Kompaniezugehörigkeit durch Nummern oder Buchstaben kennzeichneten. Ihr Fehlen könnte auf spätere Entfernung oder auf eine unvollständige Erhaltung hinweisen.

Dieses Uniformstück ist ein authentisches Zeugnis der Materialgeschichte des Zweiten Weltkriegs und illustriert die praktischen Aspekte militärischer Bekleidung, von der ursprünglichen Ausgabe über Modifikationen bis hin zur Wiederverwendung durch verschiedene Träger und Einheiten. Es dokumentiert sowohl die regulären Herstellungsstandards als auch die kriegsbedingten Anpassungen und den harten Einsatz unter Feldbedingungen.