Wehrmacht Heer (WH) Säbel für Offiziere - Robert Klaas
Eine sehr seltene Variante.
Gesamtlänge 970 mm.
Der Offizierssäbel der Wehrmacht Heer repräsentiert ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte der deutschen Militaria des Zweiten Weltkriegs. Diese Waffe diente nicht nur als Funktionsgegenstand, sondern vor allem als Rangabzeichen und Symbol militärischer Tradition im nationalsozialistischen Deutschland.
Nach der Machtergreifung 1933 und der systematischen Aufrüstung begann die Wehrmacht mit der Standardisierung ihrer Uniformen und Ausrüstungsgegenstände. Der Heeres-Offizierssäbel wurde durch die Heeresverordnungsblätter (HVBl) geregelt und war für Offiziere aller Waffengattungen des Heeres vorgeschrieben. Die Tragevorschriften wurden in der Anzugsordnung für das Heer detailliert festgelegt und umfassten genaue Spezifikationen zu Material, Abmessungen und Verzierungen.
Die Firma Robert Klaas aus Solingen gehörte zu den traditionsreichen Messerschmieden, die während der NS-Zeit Blankwaffen für die Wehrmacht produzierten. Solingen, seit Jahrhunderten als Zentrum der deutschen Klingenherstellung bekannt, beherbergte zahlreiche Manufakturen, die militärische Aufträge ausführten. Robert Klaas war eine dieser angesehenen Firmen, deren Produkte für ihre handwerkliche Qualität geschätzt wurden.
Der typische Wehrmacht-Offizierssäbel wies eine vernickelte Klinge von etwa 80-85 cm Länge auf, was zusammen mit dem Griff eine Gesamtlänge von etwa 95-100 cm ergab. Die Vernickelung diente dem Korrosionsschutz und verlieh der Waffe einen repräsentativen Glanz. Auf der Klinge befand sich üblicherweise die Herstellersignatur, häufig mit dem Zusatz “Solingen”, der die Herkunft aus der berühmten Klingenstadt dokumentierte.
Das Messinggefäß mit floralem Dekor entsprach der traditionellen Gestaltung deutscher Offizierssäbel und knüpfte an militärische Traditionen des Kaiserreichs an. Die Vergoldung des Gefäßes war ein Zeichen des Ranges und der zeremoniellen Bedeutung dieser Waffe. Besonders charakteristisch war der Wehrmacht-Adler mit hängenden Flügeln auf dem Parierlappen (Stichblatt), der das offizielle Hoheitszeichen der Wehrmacht darstellte und ab 1935 eingeführt wurde. Dieser Adler unterschied sich deutlich vom Parteiabzeichen der NSDAP und war spezifisch für die Wehrmacht konzipiert.
Der schwarze Kunststoffgriff war typisch für die Produktionsweise der 1930er und 1940er Jahre. Während frühere Säbel oft Griffe aus Bein, Horn oder Holz aufwiesen, ermöglichten moderne Kunststoffe wie Bakelit oder ähnliche Materialien eine kostengünstigere und haltbarere Herstellung. Die Drahtwicklung, meist aus Messingdraht, diente sowohl dekorativen als auch praktischen Zwecken, indem sie einen sicheren Griff gewährleistete. Ungewöhnliche Wicklungsmuster, wie die erwähnte schräge Variante, konnten auf verschiedene Herstellungsperioden oder spezielle Aufträge hinweisen.
Die Trageweise des Offizierssäbels war streng reglementiert. Er gehörte zum großen Dienstanzug und wurde bei Paraden, zeremoniellen Anlässen und zu bestimmten Ausgehanlässen getragen. Im Feldgebrauch spielte der Säbel kaum noch eine Rolle, da er längst von modernen Feuerwaffen verdrängt worden war. Seine Bedeutung lag primär im repräsentativen und traditionellen Bereich.
Die Scheide bestand üblicherweise aus Stahlblech mit schwarzem Lacküberzug und war mit Beschlägen aus Messing oder vergoldetem Messing versehen. Zwei Tragebügel ermöglichten die Befestigung am Koppel. Nachlackierungen waren in der Nachkriegszeit häufig, da die ursprüngliche Lackierung durch Gebrauch und Lagerung oft beschädigt wurde.
Nach 1945 wurden Wehrmacht-Blankwaffen von den Alliierten beschlagnahmt oder von Soldaten als Souvenirs mitgenommen. Viele Stücke wurden vernichtet, andere gelangten in Privatsammlungen. Die Sammlung und der Handel mit solchen Objekten unterliegen in Deutschland strengen gesetzlichen Regelungen, insbesondere hinsichtlich der Darstellung von NS-Symbolen gemäß §86a StGB. Ausnahmen gelten für historische Forschung, wissenschaftliche Zwecke und Sammlungen im Sinne der staatsbürgerlichen Aufklärung.
Aus historischer Perspektive sind solche Objekte wichtige Zeitzeugnisse für die Uniformierungs- und Ausrüstungsgeschichte der Wehrmacht. Sie dokumentieren Handwerkskunst, militärische Tradition und die Ästhetik einer dunklen Epoche deutscher Geschichte. Ihr Studium ermöglicht Einblicke in Produktionsmethoden, Materialbeschaffung während der Kriegswirtschaft und die symbolische Selbstdarstellung des NS-Regimes.