Weimarer Republik Nichttragbare Auszeichnungsmedaille "Ehrenpreis des Reichspräsidenten" in Bronze , 1931

Bronze, auf der Vorderseite Portrait Freiherr vom Stein, Rückseite "Ehrenpreis des Reichspräsidenten Gedenkjahr 1931 Verfassungstag", Durchmesser 75 mm. Zustand 2.
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Weimarer Republik Nichttragbare Auszeichnungsmedaille "Ehrenpreis des Reichspräsidenten" in Bronze , 1931

Die Ehrenpreis-Medaille des Reichspräsidenten von 1931 stellt ein bedeutendes Zeugnis der Weimarer Republik dar, das im Kontext der verfassungspolitischen Erinnerungskultur dieser turbulenten Epoche deutscher Geschichte verstanden werden muss. Diese nicht-tragbare Auszeichnung in Bronze wurde anlässlich des Verfassungstages 1931 gestiftet und verkörpert die Bemühungen der demokratischen Kräfte, die Weimarer Verfassung trotz zunehmender politischer Polarisierung zu würdigen.

Mit einem Durchmesser von 75 Millimetern gehört diese Medaille zu den größeren Prägungen ihrer Zeit. Die Vorderseite zeigt das Porträt des Freiherrn vom Stein (1757-1831), einer der bedeutendsten Reformer der preußischen Geschichte. Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein spielte eine zentrale Rolle bei der Modernisierung Preußens nach der Niederlage gegen Napoleon. Seine Städteordnung von 1808 und die Bauernbefreiung legten Grundsteine für die spätere Entwicklung demokratischer Strukturen in Deutschland. Die Wahl vom Steins als Motiv im Jahr 1931 war symbolträchtig: Sie verband die demokratischen Ideale der Weimarer Republik mit der preußischen Reformtradition.

Die Rückseite trägt die Inschrift “Ehrenpreis des Reichspräsidenten Gedenkjahr 1931 Verfassungstag”. Der Verfassungstag wurde am 11. August begangen und erinnerte an die Unterzeichnung der Weimarer Reichsverfassung vom 11. August 1919 durch Reichspräsident Friedrich Ebert. Im Jahr 1931 amtierte Paul von Hindenburg als Reichspräsident, der 1925 gewählt worden war. Hindenburg, selbst ein Monarchist, stand der Republik ambivalent gegenüber, repräsentierte aber als gewähltes Staatsoberhaupt die verfassungsmäßige Ordnung.

Das Jahr 1931 markierte eine Zeit extremer wirtschaftlicher und politischer Krisen. Die Weltwirtschaftskrise hatte Deutschland mit voller Wucht getroffen, die Arbeitslosigkeit erreichte Rekordwerte, und die politischen Extreme gewannen massiv an Zustimmung. In diesem Kontext waren solche staatlichen Auszeichnungen Teil der Bemühungen, die demokratische Legitimität zu stärken und republikanische Werte zu fördern. Der Verfassungstag wurde mit offiziellen Feiern begangen, bei denen Verdienste um die Republik gewürdigt wurden.

Als nicht-tragbare Medaille unterschied sich diese Auszeichnung von den üblichen Orden und Ehrenzeichen. Sie war nicht für das Tragen an der Uniform oder am Zivilanzug bestimmt, sondern als Erinnerungs- und Ehrenstück konzipiert, das aufbewahrt und ausgestellt werden sollte. Solche Medaillen wurden typischerweise in repräsentativen Etuis überreicht und dienten als dauerhafte Erinnerung an besondere Verdienste oder Ereignisse.

Die Ausführung in Bronze war für Ehrenpreise dieser Art üblich. Bronze ermöglichte detaillierte Prägungen und war gleichzeitig wirtschaftlicher als Edelmetalle. Die künstlerische Gestaltung solcher Medaillen folgte den Traditionen der deutschen Medailleurkunst, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert eine Blütezeit erlebte. Die Staatliche Münze Berlin und andere Prägeanstalten beschäftigten herausragende Künstler, die für die ästhetische Qualität staatlicher Auszeichnungen sorgten.

Die Verbindung von Stein-Porträt und Verfassungstag 1931 verweist auf ein spezifisches historisches Jubiläum: 1931 jährte sich der Todestag Steins zum 100. Mal. Diese doppelte Gedenkfunktion – Verfassungstag und Stein-Jubiläum – machte die Medaille zu einem mehrschichtigen Erinnerungsobjekt. Sie verband die demokratischen Reformen des frühen 19. Jahrhunderts mit der ersten deutschen Republik und versuchte, historische Kontinuitätslinien aufzuzeigen.

Solche Auszeichnungen wurden an Persönlichkeiten verliehen, die sich um das Gemeinwesen, die Wissenschaft, Kultur oder andere Bereiche des öffentlichen Lebens verdient gemacht hatten. Die genauen Verleihungskriterien und die Anzahl der vergebenen Exemplare sind heute oft schwer zu rekonstruieren, da viele Archivbestände der Weimarer Republik im Zweiten Weltkrieg verloren gingen.

Nach 1933 verloren solche republikanischen Auszeichnungen ihre offizielle Bedeutung. Das NS-Regime etablierte ein eigenes System von Orden und Ehrenzeichen. Viele Träger republikanischer Auszeichnungen gerieten in Gefahr, und die Objekte selbst wurden oft versteckt oder vernichtet. Dies macht erhaltene Exemplare heute zu wertvollen historischen Quellen.

Für Sammler und Historiker bieten solche Medaillen wichtige Einblicke in die Selbstdarstellung und Erinnerungskultur der Weimarer Republik. Sie dokumentieren die Versuche, eine demokratische Tradition zu etablieren und republikanisches Bewusstsein zu fördern – Bemühungen, die letztlich am Widerstand antidemokratischer Kräfte scheiterten.