Allgemeine-SS große nichttragbare Teilnehmerplakette "2. SS-Reichszielfahrt zur Ostsee Kiel 1934"

Große versilberte Plakette, bunt emailliert. Darstellung der Kieler Förde und dem Marine-Ehrenmal in Laboe, im Hintergrund großes Hakenkreuz. Maße 70 x 95 mm, seitlich mit 4 Löchern zum Befestigen am Kraftfahrzeug. Unbeschädigt, Zustand 2.
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650,00

Allgemeine-SS große nichttragbare Teilnehmerplakette "2. SS-Reichszielfahrt zur Ostsee Kiel 1934"

Die 2. SS-Reichszielfahrt zur Ostsee nach Kiel im Jahr 1934 war eine bedeutende propagandistische Veranstaltung der Allgemeinen-SS in der Frühphase des nationalsozialistischen Regimes. Diese groÃe nichttragbare Teilnehmerplakette dokumentiert die Teilnahme an einer motorisierten Sternfahrt, die gleichzeitig sportlichen, kameradschaftlichen und vor allem ideologischen Zwecken diente.

Nach der Machtübernahme 1933 organisierte die SS zahlreiche Veranstaltungen, um ihre Präsenz im öffentlichen Raum zu demonstrieren und die Mitglieder ideologisch zu schulen. Die Reichszielfahrten waren motorisierte Orientierungsfahrten, bei denen SS-Angehörige aus verschiedenen Teilen des Deutschen Reiches zu einem gemeinsamen Zielort fuhren. Die Wahl Kiels als Zielort im Jahr 1934 war symbolisch bedeutsam: Die Stadt an der Ostsee war traditionell ein wichtiger Marinestandort und repräsentierte deutsche Seemacht.

Das Marine-Ehrenmal in Laboe, das auf der Plakette prominent dargestellt ist, wurde zwischen 1927 und 1936 errichtet und sollte ursprünglich den gefallenen Marinesoldaten des Ersten Weltkrieges gedenken. Der 85 Meter hohe Turm war ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Kieler Förde. Die Nationalsozialisten instrumentalisierten solche Denkmäler für ihre Propagandazwecke und nutzten sie als Kulisse für ihre Veranstaltungen.

Die Plakette selbst ist mit 70 x 95 mm von beachtlicher GröÃe und war eindeutig nicht zum Tragen an der Uniform bestimmt. Die vier seitlichen Befestigungslöcher zeigen, dass sie am Kraftfahrzeug des Teilnehmers angebracht werden sollte. Dies entsprach der damaligen Praxis, bei der Teilnehmer von Automobilveranstaltungen ihre Fahrzeuge mit Plaketten schmückten, die ihre Teilnahme an verschiedenen Fahrten dokumentierten. In den 1930er Jahren war der Besitz eines Kraftfahrzeugs noch ein Statussymbol, und die SS legte groÃen Wert auf motorisierte Einheiten.

Die Versilberung und bunte Emaillierung der Plakette zeigen die aufwendige Herstellung solcher Erinnerungsstücke. Die Emaille-Technik, bei der Glasfluss auf Metall aufgeschmolzen wird, war traditionell für hochwertige Abzeichen und Orden reserviert. Die farbige Darstellung der Kieler Förde mit dem Hakenkreuz im Hintergrund verdeutlicht die propagandistische Funktion: Die Verbindung von Landschaft, militärischer Tradition und nationalsozialistischer Symbolik.

Die Allgemeine-SS, gegründet 1925 als Schutzstaffel der NSDAP, entwickelte sich unter Heinrich Himmler ab 1929 zu einer elitären Organisation innerhalb der Partei. Im Jahr 1934, dem Jahr dieser Zielfahrt, durchlief die SS bedeutende Veränderungen. Nach dem sogenannten Röhm-Putsch im Juni 1934 wurde die SS von der SA unabhängig und entwickelte sich zur wichtigsten Machtbasis Himmlers. Veranstaltungen wie diese Reichszielfahrt dienten der Festigung des Zusammenhalts und der Demonstration von Stärke.

Solche Fahrten waren nach militärischen Prinzipien organisiert: Die Teilnehmer mussten bestimmte Kontrollpunkte anfahren, navigatorische Aufgaben lösen und Disziplin beweisen. Sie dienten gleichzeitig der Ausbildung in Orientierung und Fahrpraxis, Fähigkeiten, die im Falle einer militärischen Mobilisierung von Bedeutung waren. Die Weimarer Republik hatte Deutschland durch den Versailler Vertrag strenge militärische Beschränkungen auferlegt, und solche “sportlichen” Veranstaltungen wurden genutzt, um paramilitärische Fähigkeiten zu trainieren.

Die Herstellung solcher Plaketten erfolgte in spezialisierten Betrieben, die auf Orden, Ehrenzeichen und Abzeichen spezialisiert waren. Bekannte Hersteller wie Deschler & Sohn aus München oder andere Münchner und Berliner Firmen fertigten solche Stücke an. Oft sind diese Plaketten mit Herstellermarken versehen, obwohl nicht alle Exemplare gekennzeichnet wurden.

Aus heutiger Sicht sind solche Objekte wichtige Zeitdokumente, die die Propagandapraxis und Organisationskultur der SS dokumentieren. Sie zeigen, wie die Nationalsozialisten alltägliche Aktivitäten wie Automobilfahrten ideologisch aufluden und zur Festigung ihrer Herrschaft nutzten. Die Verbindung von Motorsport, Kameradschaft und politischer Indoktrination war charakteristisch für die NS-Organisationen der 1930er Jahre.