Das vorliegende Werk "Die Leibhusaren - Ihre Geschichte" aus dem Jahr 1910 stellt ein bedeutendes Beispiel der militärhistorischen Literatur des Kaiserreichs dar, die sich speziell an Unteroffiziere und Mannschaften richtete. Diese zweite Auflage, verlegt bei Ernst Siegfried Mittler und Sohn in Berlin, dokumentiert die traditionsreiche Geschichte einer der prestigeträchtigsten Kavallerieeinheiten der preußischen Armee.
Die Leibhusaren bildeten eine Elite-Kavallerieeinheit im preußischen Heer, deren Ursprünge bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. Als Leibregimenter standen sie in besonders enger Verbindung zum Herrscherhaus und genossen entsprechendes Ansehen. Der Verlag Mittler und Sohn hatte sich seit seiner Gründung 1789 als führender Militärverlag des Deutschen Reiches etabliert und veröffentlichte neben Reglementen und Dienstvorschriften auch populäre Darstellungen der Geschichte einzelner Truppenteile.
Die Publikation erschien zu einem Zeitpunkt, als das Deutsche Kaiserreich auf dem Höhepunkt seiner militärischen Macht stand. Die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg waren geprägt von intensiver militärischer Ausbildung und einer starken Betonung der Regimentstraditionen. Werke wie dieses dienten mehreren Zwecken: Sie sollten den Korpsgeist stärken, historisches Bewusstsein vermitteln und potenzielle Rekruten für den Dienst bei den prestigeträchtigen Husarenregimentern begeistern.
Die Gestaltung als Halbleineneinband im Kleinformat mit 139 Seiten war typisch für soldatische Gebrauchsliteratur jener Zeit. Das handliche Format ermöglichte es, das Buch in der Kaserne oder auf Manövern mitzuführen. Die Ausstattung mit 10 Bildern und 13 Textzeichnungen entsprach dem damaligen Standard militärhistorischer Populärliteratur, die durch Illustrationen von Uniformen, Waffen und bedeutenden Schlachtenszenen das Interesse der Leserschaft wecken sollte.
Der Besitzstempel von 1937 gibt Aufschluss über die weitere Verwendung des Buches in der Zeit des Nationalsozialismus. Trotz der Auflösung der Husarenregimenter nach dem Ersten Weltkrieg und dem Vertrag von Versailles behielten solche traditionsreichen Werke ihren Wert. Die Wehrmacht knüpfte bewusst an die Traditionen der kaiserlichen Armee an, und historische Regimentsgeschichten wurden weiterhin geschätzt und gesammelt.
Die Bezeichnung "erzählt von einem alten Leibhusaren" im Untertitel weist auf eine in der Militärliteratur jener Zeit beliebte narrative Strategie hin. Durch die persönliche Perspektive eines Veteranen sollte eine unmittelbare, authentische Verbindung zur Regimentsgeschichte hergestellt werden. Dies verlieh der Darstellung Glaubwürdigkeit und emotionale Nähe, die über eine rein sachliche Chronik hinausging.
Die Husaren als leichte Kavallerie hatten ihre Blütezeit in den Kriegen des 18. und 19. Jahrhunderts. Ihre charakteristischen Uniformen mit Pelzmützen (Pelz), Schnürverschlüssen (Brandenburgern) und Flügelhusarenröcken (Dolman und Pelz) machten sie zu den farbenprächtigsten Einheiten der Armee. In den Einigungskriegen 1864, 1866 und 1870/71 spielten sie bedeutende Rollen bei Aufklärung, Verfolgung und Flankensicherung.
Der Verlag Mittler und Sohn prägte über mehr als ein Jahrhundert die deutsche Militärliteratur. Neben offiziellen Publikationen veröffentlichte das Haus zahlreiche Regimentsgeschichten, die heute wichtige Quellen für die Militärgeschichtsforschung darstellen. Die professionelle Aufmachung und die Qualität der Publikationen machten Mittler zum bevorzugten Verlag für militärische Fachliteratur.
Für die Sozialgeschichte des Militärs sind solche Werke von besonderem Interesse, da sie Einblick in die Selbstwahrnehmung und Traditionsbildung militärischer Einheiten geben. Sie zeigen, wie Geschichte instrumentalisiert wurde, um Identität zu stiften und militärische Werte zu vermitteln. Die Adressierung an "Unteroffiziere und Mannschaften und solche, die es werden wollen" unterstreicht die Bedeutung, die der Traditionspflege für die Rekrutierung und Motivation beigemessen wurde.
Heute sind solche Publikationen wertvolle zeitgeschichtliche Dokumente. Sie ermöglichen es Forschern, die Mentalitätsgeschichte der wilhelminischen Armee zu rekonstruieren und die Bedeutung von Tradition und Korpsgeist im preußisch-deutschen Militarismus zu verstehen. Für Sammler militärhistorischer Literatur stellen gut erhaltene Exemplare gesuchte Objekte dar, die Einblick in eine untergegangene militärische Welt bieten.