Foto eines Soldaten der 2.Badischen-Feldartillerie ( Raststatt)

10 x 6 cm, rückseite beschriftet, koloriert, Zustand 2.
182470
8,00

Foto eines Soldaten der 2.Badischen-Feldartillerie ( Raststatt)

Das vorliegende kolorierte Soldatenfoto aus der Zeit des Deutschen Kaiserreichs dokumentiert einen Angehörigen der 2. Badischen Feldartillerie-Regiments mit Garnisonsstandort Rastatt. Solche Portraitaufnahmen waren zwischen 1870 und 1918 äußerst beliebt und stellen heute wichtige historische Quellen für die Militärgeschichte des Großherzogtums Baden und des Deutschen Reiches dar.

Die 2. Badische Feldartillerie wurde im Zuge der Heeresreform nach dem Deutschen Krieg von 1866 aufgestellt. Das Regiment trug offiziell die Bezeichnung 2. Badisches Feldartillerie-Regiment Nr. 30 in der Nummerierung der deutschen Armee. Die Kasernierung in Rastatt, einer bedeutenden badischen Festungsstadt am Oberrhein, unterstrich die strategische Bedeutung dieser Einheit im südwestdeutschen Raum. Rastatt war seit dem 18. Jahrhundert ein wichtiger Militärstandort und beherbergte mehrere Artillerieeinheiten.

Die Feldartillerie bildete im Deutschen Kaiserreich die wichtigste mobile Artilleriewaffe. Anders als die Fußartillerie, die für den Festungskrieg bestimmt war, oder die schwere Artillerie, begleitete die Feldartillerie die Infanterie und Kavallerie auf dem Gefechtsfeld. Die badischen Feldartillerie-Regimenter waren mit Feldkanonen und Feldhaubitzen ausgerüstet, typischerweise mit Kalibern von 7,7 cm bis 10,5 cm. Nach 1896 erfolgte die Umrüstung auf moderne Schnellfeuergeschütze.

Soldatenfotos wie das beschriebene entstanden üblicherweise in professionellen Atelierfotografien, die in jeder Garnisonsstadt anzutreffen waren. Die Fotografen spezialisierten sich auf militärische Portraitaufnahmen und boten verschiedene Dienstleistungen an: von einfachen Visitkartenfotos bis zu aufwendig kolorierten Kabinettstücken. Die Kolorierung erfolgte durch Handarbeit, wobei die Uniformfarben, Abzeichen und Auszeichnungen sorgfältig nachgearbeitet wurden. Dies verlangte fundierte Kenntnisse der militärischen Bekleidungsvorschriften.

Die badische Armee behielt bis 1918 ihre Eigenständigkeit innerhalb des deutschen Kontingentsheeres. Die badischen Uniformen unterschieden sich in Details von den preußischen Vorbildern. Artilleristen trugen traditionell dunkelblaue Waffenröcke mit schwarzen Aufschlägen und roten Vorstößen. Die Kopfbedeckung bestand je nach Epoche aus Tschako, Pickelhaube oder später dem praktischen Schirmmütze. Charakteristisch für die Artillerie waren die gekreuzten Kanonenrohre als Kragenabzeichen und die spezifischen Epauletten oder Achselklappen mit der Regimentsnummer.

Die Rückseite des Fotos trägt eine handschriftliche Beschriftung, was für solche Erinnerungsstücke typisch war. Soldaten ließen diese Aufnahmen anfertigen, um sie an Familie, Freunde oder Kameraden zu versenden. Oft enthielten die Rückseitenbeschriftungen Namen, Dienstgrad, Einheit, Datum und persönliche Widmungen. Diese Informationen machen solche Fotografien zu wertvollen genealogischen und lokalhistorischen Quellen.

Die Dienstzeit in der kaiserlichen Armee betrug für gemeine Soldaten in der Regel zwei bis drei Jahre aktiven Dienst, gefolgt von mehreren Jahren in der Reserve und Landwehr. Artilleristen benötigten eine längere Ausbildung als Infanteristen, da sie den Umgang mit technisch komplexen Geschützen, Munition und ballistischen Berechnungen erlernen mussten. Die Ausbildung umfasste Exerzieren, Schießübungen, Pferdedienst und die Wartung des Materials.

Das 2. Badische Feldartillerie-Regiment nahm an verschiedenen militärischen Operationen teil. Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 kämpften badische Artillerieeinheiten in mehreren Schlachten. Während des Ersten Weltkriegs 1914-1918 war das Regiment an verschiedenen Fronten eingesetzt, zunächst im Westen, später teilweise auch im Osten. Die Feldartillerie spielte in diesem industrialisierten Massenkrieg eine verheerend wichtige Rolle und verursachte die Mehrzahl der Verluste.

Solche kolorierten Soldatenfotos sind heute gesuchte Sammlerobjekte und wichtige Dokumente der Militaria-Forschung. Sie ermöglichen die Rekonstruktion von Uniformdetails, Ausrüstungsgegenständen und sozialen Aspekten des Militärdienstes. Die professionelle Aufmachung dieser Portraits spiegelt auch das damalige gesellschaftliche Prestige des Militärs im Kaiserreich wider, wo der Soldatenstand hohes Ansehen genoss.

Der Erhaltungszustand “Zustand 2” deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit möglicherweise geringen Gebrauchsspuren hin. Das Format von 10 x 6 cm entspricht dem verbreiteten Kabinettformat der Zeit, das sich zwischen dem kleineren Visitkartenformat und größeren Portraitaufnahmen etabliert hatte.

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