Luftwaffe Fliegerbluse für Mannschaften – Ein Depotfund aus dem Zweiten Weltkrieg
Die hier vorgestellte Fliegerbluse für Mannschaften der Luftwaffe stellt ein bemerkenswertes Relikt aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs dar. Als Depotfund, der seit 1945 unberührt geblieben ist, bietet dieses Stück einen seltenen Einblick in die Uniformierung der deutschen Luftstreitkräfte und deren Entwicklungsgeschichte.
Die Gründung der Luftwaffe und das Uniformproblem
Die Reichsluftwaffe wurde am 26. Februar 1935 offiziell als dritter Teilstreitkraft der deutschen Wehrmacht gegründet. Am 9. März 1935 wurde die Bildung der neuen Reichsluftwaffe der ausländischen Presse bekannt gegeben, und am 16. März wurde die Wehrpflicht für alle drei Teilstreitkräfte wieder eingeführt. Am 21. Mai 1935 wurde die Bezeichnung offiziell in “Luftwaffe” geändert.
Die neu gegründete Luftwaffe stand vor dem Problem der Uniformierung. Man wünschte sich eine Uniform, die sich deutlich von denjenigen der beiden anderen Wehrmachtteile – dem Heer und der Kriegsmarine – unterschied. Zugleich sollte eine klare Differenzierung zwischen militärischen und zivilen Fliegern in der Bekleidung erkennbar sein.
Entstehung und Entwicklung der Fliegerbluse
Die Fliegerbluse der Luftwaffe wurde ursprünglich Anfang 1935 eingeführt und basierte auf der Fliegerbluse, die zuvor vom Personal des Deutschen Luftsport-Verbandes (DLV) getragen wurde. Sie entwickelte sich aus dem Modell von 1935 und war von den Feldblusen abgeleitet, die deutsche Truppen im Ersten Weltkrieg getragen hatten. Diese “Fliegerbluse” war die alltägliche Standarduniform für Luftwaffenangehörige.
Die Fliegerbluse war eine blaugraue, einreihige Jacke ohne äußere Knöpfe, die für das Tragen im beengten Raum eines Flugzeugs konzipiert war. Sie war hüftlang und in der charakteristischen Farbe Fliegerblau gehalten. Alle drei Modelle der Luftwaffe-Fliegerbluse waren mit einer verdeckten Knopfleiste versehen, sodass keine Knöpfe sichtbar waren.
Im Laufe des Krieges durchlief die Fliegerbluse mehrere Modifikationen. Das erste Modell wurde mit den neuen Spezifikationen der Luftwaffenuniformen im Jahr 1935 eingeführt. Es besaß keine äußeren Taschen, und die Jacke hatte verdeckte Frontverschlüsse mit Knöpfen. Ursprünglich waren die Fliegerbluse für Mannschaften und Unteroffiziere ohne äußere Taschen gefertigt, bis die Vorschriften vom 6. Mai 1940 das zweite Muster der Fliegerbluse mit äußeren Hüfttaschen einführten. Das zweite Modell wurde im Dezember 1940 eingeführt und zeichnete sich in erster Linie durch zwei äußere Taschen mit Klappen aus. Die Fliegerbluse blieb während des gesamten Krieges im Dienst, wobei kleinere Modifikationen vorgenommen wurden.
Verwendung und Trageberechtigte
Die Fliegerbluse wurde an sämtliches Luftwaffenpersonal ausgegeben, einschließlich Fallschirmjäger, Flugzeugbesatzungen, Bodenpersonal, Flak-Bedienungen und Nachrichtenpersonal. Die meisten Mannschaftsdienstgrade trugen Wollhosen und eine kurze Jacke mit zwei inneren Untertaschen – die Fliegerbluse – sowie einen dressierteren Viertaschenrock, den sogenannten Tuchrock.
Die verschiedenen Truppengattungen innerhalb der Luftwaffe erhielten eine spezifische, identifizierende Waffenfarbe. Für Personal der Fliegereinheiten wurde Goldgelb gewählt, das in der Regel als Kragenpaspelierung für Mannschaften und Unteroffiziere angezeigt wurde (diese Kragenpaspelierung wurde im März 1940 abgeschafft), auf den Kragenspiegeln und als Paspelierung auf den Schulterklappen der Fliegerbluse.
Das vorliegende Exemplar
Bei dem hier beschriebenen Stück handelt es sich um eine Fliegerbluse in der typischen Mannschaftsausführung in Blaugrau. Der Brustadler ist in maschinengestickter Ausführung gefertigt und original vernäht. Schlaufen für Schulterklappen sind vorhanden. Das Innere ist mit Seidenfutter ausgestattet, ein Papieretikett ist vorhanden, und es befindet sich ein Stempel mit RB-Nummer im Inneren. Das RB-Nr.-System wurde ab 1943 eingeführt und ersetzte den Herstellernamen und die Adresse (oder das Firmenlogo) auf Regierungsauftragsguniformen, Mützen, Feldausrüstung und Messern. Die Maße betragen eine Ärmellänge von ca. 60 cm, eine Rückenlänge von 63 cm und einen Brustumfang von 84 cm.
Das Stück ist als ungetragen beschrieben, weist jedoch Mottenspuren auf der Oberfläche auf. Der Zustand wird mit 2-3 angegeben.
Der Depotfund
Mannschaftsdienstgrade erhielten ihre Uniformen aus staatlichen Beständen, wobei es ihnen auch gestattet war, privat geschneiderte Uniformen zu erwerben – wenngleich der Preis hierfür abschreckend gewesen sein dürfte. Diese Fliegerbluse stammt aus einem Depotfund und ist seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs unberührt geblieben. Viele solcher Gegenstände verblieben nach dem Krieg in Lagerdepots und gelangten in den folgenden Jahrzehnten auf den Sammlermarkt. Derartige Depotfunde sind für Sammler von besonderem Interesse, da sie einen weitgehend originalen Erhaltungszustand aufweisen und authentische Einblicke in die Materialkultur der Luftwaffe bieten.