Luftwaffe - Urkundengruppe eines Unteroffizier späteren Feldwebels

Verleihungsurkunde zur Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938, für den Fotograf Weber,
( Zivilist ) ausgestellt am 18. Oktober 1939, Stempel: Aufklärungsgruppe des Oberbefehlshaber der Luftwaffe.
Verleihungsurkunde zur Medaille zur Erinnerung an die Heimkehr des Memellandes, gerichtet an den Unteroffizier/Fotograf Weber, ausgestellt am 1. August 1939, Din A4, mit Blindprägesiegel, Erteilungsurkunde für die Genehmigung zur Annahme des Königlich Ungarischen Silbernen Verdienstkreuzes, .gerichtet an den Photographen von der Hansa Luftbild GmbH, ausgestellt am 13. Februar 1940, in Din A4, mit Blindprägesiegel.
Bestallungsurkunde zum Feldwebel, ausgestellt am 1. Mai 1940, in Din A4.
Alle Urkunden sind gelocht. 
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Luftwaffe - Urkundengruppe eines Unteroffizier späteren Feldwebels

Diese Urkundengruppe dokumentiert die bemerkenswerte Karriere eines Fotografen namens Weber, der während der kritischen Expansionsphase des Deutschen Reiches von 1938 bis 1940 vom zivilen Spezialisten zum militärischen Unteroffizier und schließlich zum Feldwebel aufstieg. Die vier Dokumente bieten einen faszinierenden Einblick in die Militarisierung ziviler Luftfahrtexperten während der deutschen Aufrüstung und die Rolle der Luftbildaufklärung in der unmittelbaren Vorkriegszeit.

Weber arbeitete für die Hansa Luftbild GmbH, die 1923 gegründete führende deutsche Luftbildfirma. Das Unternehmen führte militärische Aufklärungsarbeiten vor und während des Zweiten Weltkriegs durch und wurde 1934 durch ein Dekret des NS-Regimes zur Zentralisierung der Luftbildfotografie zwangsweise mit Konkurrenten zusammengeführt. Webers Integration in die militärische Struktur spiegelt die systematische Eingliederung ziviler Fachkräfte in die Wehrmacht während dieser Periode wider.

Das erste Dokument ist eine Verleihungsurkunde zur Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938, ausgestellt am 18. Oktober 1939. Diese Medaille, auch bekannt als Sudetenland-Medaille, wurde von Adolf Hitler am 18. Oktober 1938 nach dem Münchner Abkommen und der Besetzung des Sudetenlandes gestiftet. Bemerkenswert ist, dass Weber zu diesem Zeitpunkt noch als Zivilist bezeichnet wurde, obwohl das Dokument den Stempel der Aufklärungsgruppe des Oberbefehlshaber der Luftwaffe trägt. Diese spezialisierte Höhenaufklärungseinheit unterstand direkt dem Oberkommando der Luftwaffe. Insgesamt wurden 1.162.617 dieser Medaillen und 134.563 Spangen verliehen, wobei die letzten Verleihungen am 31. Dezember 1940 erfolgten.

Die zweite Urkunde dokumentiert die Verleihung der Medaille zur Erinnerung an die Heimkehr des Memellandes, ausgestellt am 1. August 1939. Diese am 1. Mai 1939 gestiftete Medaille ehrte die Teilnahme an der Annexion des Memelgebiets von Litauen am 22. März 1939. Zu diesem Zeitpunkt war Weber bereits zum Unteroffizier ernannt worden. Von dieser deutlich selteneren Auszeichnung wurden insgesamt nur 31.322 Medaillen verliehen, wobei alle Verleihungen bis zum 31. Dezember 1940 abgeschlossen waren. Das Dokument im DIN-A4-Format trägt ein Blindprägesiegel.

Das dritte Dokument ist eine Erteilungsurkunde für die Genehmigung zur Annahme des Königlich Ungarischen Silbernen Verdienstkreuzes, ausgestellt am 13. Februar 1940. Der Ungarische Verdienstorden, zu dem diese Auszeichnung gehörte, wurde am 14. Juni 1922 von Regent Miklós Horthy gegründet und 1935 reorganisiert. Deutsche Militär- und Zivilangehörige benötigten eine staatliche Genehmigung zur Annahme ausländischer Auszeichnungen. Dieses Dokument bezeichnet Weber als Photographen der Hansa Luftbild GmbH und trägt ebenfalls ein Blindprägesiegel im DIN-A4-Format. Die Verleihung reflektiert die sich intensivierende deutsch-ungarische militärische Zusammenarbeit Ende der 1930er Jahre.

Das vierte Dokument ist die Bestallungsurkunde zum Feldwebel, ausgestellt am 1. Mai 1940 im DIN-A4-Format. Diese Beförderung zum höheren Unteroffiziersrang markiert den Höhepunkt von Webers dokumentierter militärischer Laufbahn innerhalb von weniger als zwei Jahren.

Alle Dokumente sind gelocht, was darauf hinweist, dass sie in einer Personalakte oder einem Dokumentenhalter abgelegt wurden. Solche Urkundengruppen wurden während der gesamten Dienstzeit eines Soldaten geführt und für Personalverwaltung, Beförderungsüberlegungen und Anspruchsüberprüfung verwendet.

Heute sind beide NS-Besatzungsmedaillen (Sudetenland und Memelland) in Deutschland als verfassungswidrige Propagandamaterialien klassifiziert. Ihre öffentliche zur Schaustellung, Herstellung oder Verbreitung ist nach § 86a StGB verboten. Die Medaillen wurden 1957 durch das Bundesgesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen nicht zum Tragen zugelassen. Die Hansa Luftbild GmbH überlebte den Zweiten Weltkrieg und existiert heute als Hansa Luftbild AG weiter, ein auf Geoinformationsdienstleistungen spezialisiertes Unternehmen mit Sitz in Münster. Ihre Kriegsarchive werden vom Landesarchiv Nordrhein-Westfalen verwahrt.