Preußen 1. Weltkrieg Tschako für einen Unteroffizier im Garde-Jäger- oder Garde-Schützen-Bataillon
Dieser preußische Tschako Modell 1915 repräsentiert die letzte Generation der ledernen Kopfbedeckungen für Unteroffiziere der elitären preußischen Gardetruppen, bevor der Stahlhelm die traditionelle Uniform verdrängte. Als Kammerstück aus dem Jahr 1915 für Garnisons- und Paradezwecke gefertigt, verkörpert er die Kontinuität militärischer Traditionen auch in den dunkelsten Stunden des Ersten Weltkriegs.
Das Stück wurde für einen Unteroffizier entweder des Garde-Jäger-Bataillons mit Standort Potsdam oder des Garde-Schützen-Bataillons in Berlin-Lichterfelde hergestellt. Beide Einheiten trugen identische Gardesterne mit denselben Inschriften, weshalb eine definitive Zuordnung allein anhand der Beschreibung nicht möglich ist. Der charakteristische Gardestern mit hochgewölbtem Zentrum trägt die Devise “suum cuique” (Jedem das Seine), das Motto des Schwarzen Adlerordens, sowie die Umschrift “Mit Gott für König und Vaterland 1860”. Das preußische Feldzeichen in Unteroffiziers-Ausführung und die Reichskokarde komplettieren die Ausstattung.
Der Tschako war die kennzeichnende Kopfbedeckung aller leichten Infanterietruppen der kaiserlichen Armee, darunter Jäger- und Schützeneinheiten, aber auch Maschinengewehrtruppen, Telegrafentruppen, Fliegertruppen und Marineinfanterie. Das Garde-Jäger-Bataillon führte seine Tradition auf das 1744 von Friedrich II. gegründete Korps Jäger zu Fuß zurück, das nach der Schlacht bei Leipzig 1813 zur Garde erhoben wurde. Das Garde-Schützen-Bataillon entstand am 19. Mai 1814 aus dem Neuenburger Bataillon des Marschalls Berthier. Beide Einheiten rekrutierten traditionell “gelernte Jäger” – ausgebildete Forstlehrlinge mit entsprechenden Qualifikationen, die verpflichtet waren, in diesen Eliteeinheiten zu dienen. Der berühmteste Angehörige des Garde-Jäger-Bataillons war Otto von Bismarck, der 1838 als Einjährig-Freiwilliger in Potsdam diente, bevor er zu einer anderen Einheit versetzt wurde.
Bei Kriegsausbruch 1914 gehörte das Garde-Jäger-Bataillon zur 1. Garde-Infanterie-Division, während das Garde-Schützen-Bataillon der 2. Garde-Infanterie-Division zugeordnet war. Beide Einheiten erlebten schwere Kämpfe an West- und Ostfront und erlitten erhebliche Verluste. Das Modell 1915 war der letzte Tschako-Typ, der vor der Einführung des Stahlhelms ausgegeben wurde und ersetzte die früheren Muster M1895 und M1897. Gemäß den Vorschriften von 1915 wurden alle Beschläge als kriegswirtschaftliche Maßnahme von Messing, Silber oder Tombak zu feldgrauem oxidierten Stahl geändert. Im Feldeinsatz wurden Stofftarnüberzüge über den Tschakos getragen.
Nach der Auflösung beider Bataillone 1918-1919 wurden Kriegerdenkmäler für die Gefallenen am Bassinplatz in Potsdam errichtet – das Garde-Jäger-Denkmal wurde am 24. Juni 1923 eingeweiht, ein ähnliches für die Garde-Schützen folgte. Die neu gebildete preußische Schutzpolizei (grüne Polizei) erhielt nach 1918 Tschakos nach Gardemuster, die bis in die 1960er Jahre im Einsatz blieben. Die Tradition der Garde-Schützen wurde vom 9. (Preußischen) Infanterie-Regiment der Reichswehr (1921) fortgeführt, später vom Infanterie-Regiment 9 der Wehrmacht und schließlich vom Jägerbataillon 521 der Bundeswehr in Northeim bis zu dessen Auflösung. Die Traditionsstube wurde danach in die Julius-Leber-Kaserne in Berlin verlegt. Die Bataillonsfahnen werden im Deutschen Historischen Museum in Berlin aufbewahrt.