Reichstreubund ehemaliger Berufssoldaten (RTB) – Ehrennadel für 10-jährige Mitgliedschaft
Die hier vorgestellte Ehrennadel für 10-jährige Mitgliedschaft im Reichstreubund ehemaliger Berufssoldaten (RTB) gehört zu jener Kategorie von Organisationsabzeichen, die das komplexe Vereinswesen des Dritten Reiches widerspiegeln. Als Auszeichnung für ein ganzes Jahrzehnt treuer Mitgliedschaft in einer Veteranenorganisation, die sich ausschließlich an ehemalige Berufssoldaten mit mindestens zehn Dienstjahren richtete, dokumentiert dieses Stück sowohl die militärische Traditionskultur als auch die nationalsozialistische Gleichschaltung des Verbandswesens.
Die Organisation: Der Reichstreubund ehemaliger Berufssoldaten
Der Reichstreubund ehemaliger Berufssoldaten (RTB) war eine Veteranenorganisation der Zeit des Dritten Reiches, die sich grundlegend von anderen Soldatenverbänden unterschied. Die Mitgliedschaft war ausschließlich ehemaligen Berufssoldaten vorbehalten – also Männern, die mindestens zehn Jahre aktiven Militärdienst geleistet hatten. Damit grenzte sich der RTB bewusst von Organisationen ab, die auch ehemalige Wehrpflichtige aufnahmen. Diese Exklusivität verlieh dem Bund einen besonderen Charakter als Interessenvertretung und Kameradschaftsverband langjähriger Militärangehöriger.
Publikationen der Organisation sind aus den Jahren 1934 bis 1939 belegt, was auf eine aktive Tätigkeit während dieser Kernphase des nationalsozialistischen Regimes hindeutet. Der RTB operierte im breiteren Kontext der nationalsozialistischen Konsolidierung von Veteranenorganisationen – ein Prozess, der beispielsweise auch den Stahlhelm betraf, der 1934–1935 in die SA eingegliedert wurde. Im Vergleich zu diesen größeren Verbänden ist über den RTB deutlich weniger detaillierte historische Information überliefert.
Die Symbolik der Organisation verband bewusst Elemente der kaiserlich-deutschen Militärtradition – darunter das Eiserne Kreuz, Eichenlaub und die Trikolore – mit der Bildsprache des Nationalsozialismus, insbesondere dem Hakenkreuz. Diese Verschmelzung war charakteristisch für die Art und Weise, in der das NS-Regime bestehende militärische Traditionen für seine Zwecke vereinnahmte.
Physische Beschreibung und Herstellung
Die vorliegende Ehrennadel wird als “groß” beschrieben und ist mit einer langen Nadel versehen. Sie besteht aus versilberter Bronze mit roten und schwarzen Emaille-Einlagen und weist eine mehrteilige Konstruktion auf. Die Maße vergleichbarer Exemplare aus der Fertigung desselben Herstellers betragen etwa 24 mm × 24 mm, während die leicht geriffelte Nadel eine Länge von rund 50 mm aufweist. Das Gestaltungsmotiv zeigt einen Eichenkranz mit gekreuzten Schwertern und Eisernem Kreuz unter Einbeziehung nationalsozialistischer Symbolik.
Der Hersteller ist auf der Rückseite mit “J.C. Gante” aus Berlin gekennzeichnet, ergänzt durch den Zusatz “GES.GESCHT.” – eine Abkürzung für “Gesetzlich Geschützt”, was bedeutet, dass das Design rechtlich geschützt beziehungsweise eingetragen war. J.C. Gante war einer von mehreren Herstellern, die Abzeichen für den RTB produzierten.
Verleihungskriterien und Varianten
Die Ehrennadel wurde Mitgliedern des RTB nach zehn Jahren ununterbrochener Mitgliedschaft verliehen. Es existierten verschiedene Varianten innerhalb des Abzeichensystems der Organisation: Das reguläre Mitgliedsabzeichen war klein und maß etwa 12 mm. Daneben gab es die hier vorliegende Ehrennadel für 10-jährige Mitgliedschaft in großer Ausführung sowie eine Ehrennadel für 25-jährige Mitgliedschaft in Silber. Eine besondere Variante stellte das Ehrenzeichen der Marineangehörigen für 10-jährige Mitgliedschaft dar, das speziell für ehemalige Angehörige der Marine gestaltet war. Die verschiedenen Ausführungen wurden in unterschiedlichen Größen gefertigt, darunter kleine Versionen von 12 mm bzw. 25 mm und die größeren Ehrennadeln.
Historische Einordnung
Der RTB ist im Kontext der umfassenden Gleichschaltung des deutschen Vereinswesens nach 1933 zu betrachten. Das nationalsozialistische Regime strebte danach, sämtliche gesellschaftlichen Organisationen unter seine Kontrolle zu bringen oder in parteinahe Strukturen zu integrieren. Veteranenverbände spielten dabei eine besondere Rolle, da sie einerseits über erhebliches soziales Prestige verfügten und andererseits als Träger militärischer Traditionen ideologisch nutzbar waren.
Die Verbindung von kaiserlich-preußischen Militärsymbolen mit nationalsozialistischer Bildsprache in den Abzeichen des RTB illustriert diesen Prozess anschaulich. Das Eiserne Kreuz und die Eichenblätter verwiesen auf eine ruhmreiche militärische Vergangenheit, während das Hakenkreuz die Zugehörigkeit zum “neuen Deutschland” signalisierte. Für die ehemaligen Berufssoldaten, die den RTB bildeten, mögen diese Symbole unterschiedliche Bedeutungsebenen gehabt haben – von aufrichtiger Traditionspflege bis hin zur politischen Anpassung.
Nachgeschichte und Sammlungswert
Wie alle nationalsozialistischen Organisationen wurde auch der Reichstreubund ehemaliger Berufssoldaten mit dem Ende des Dritten Reiches 1945 aufgelöst. Die Abzeichen der Organisation sind heute Sammlerstücke im Bereich der historischen Militaria und werden in einschlägigen Fachkatalogen geführt – die Ehrennadel für 10-jährige Mitgliedschaft etwa unter der Hüsken-Katalognummer 9868b, die 25-jährige Variante unter 9868c.
In Deutschland unterliegen Darstellung und Handel solcher Objekte den Bestimmungen der §§ 86, 86a StGB, die den Umgang mit Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen regeln. Für Zwecke der historischen Bildung, Forschung und des Sammelns sind sie jedoch weiterhin zugänglich.
Die Ehrennadel des RTB für 10-jährige Mitgliedschaft ist somit ein aussagekräftiges Dokument einer spezifischen Facette der nationalsozialistischen Organisationslandschaft – einer Veteranenvereinigung, die sich durch ihre strenge Beschränkung auf ehemalige Berufssoldaten von der Masse der Kriegervereine abhob und deren Geschichte dennoch weitgehend im Schatten der größeren Verbände geblieben ist.