Russland Pallasch für Offiziere der Kaiser-Leib-Kürassiere aus der Zeit Zar Alexander I. (1801-1825)

Fertigung von 1803. Zweischneidige 4,1 cm breite Klinge mit Mittelkehle, terzseitig das Herrschermonogramm "A I", darüber die kyrillische Inschrift "лейб-гвардия" (Leibgarde) und "Кирасирский полк" (Kürassier-Regiment), auf der kurzen Fehlschärfe die Jahreszahl "1803", quartseitig der zaristische Doppelkopfadler und kyrillische Inschrift auf der Fehlschärfe. Messingbügelgefäß mit großem fein ziseliertem Doppelkopfadlerkorb mit großer Zarenkrone, drei kurze Terzspangen, quartseitig Daumenring. Die Griffhülse mit original Belederung und intakter Drahtwicklung, der Knauf als Adlerkopf ausgebildet, das Gefäß mehrfach gepunzt. Sehr gut erhalten, Zustand 2. 

Gesamtlänge 106,5 cm.

Ein hochinteressantes Stück von musealer Bedeutung! 

Das Regiment blickt auf eine lange Tradition zurück. Um 1702 gegründet führte es ab 1796 die Bezeichnung "Kaiser-Leib-Kürassiere" und war an allen wichtigen Feldzügen der napoleonischen Kriege beteiligt. Im Regiment diente vor den napoleonischen Kriegen u.a. der Freiherr von Münchhausen.

Eine kurze Geschichte auf deutsch finden Sie hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Russisches_Kürassierregiment_von_1702/2



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Russland Pallasch für Offiziere der Kaiser-Leib-Kürassiere aus der Zeit Zar Alexander I. (1801-1825)

Der Offizierpallasch des Leib-Garde-Kürassier-Regiments aus der Ära Zar Alexander I. (1801-1825) stellt ein herausragendes Beispiel russischer Militärblankwaffen des frühen 19. Jahrhunderts dar. Diese im Jahr 1803 gefertigte Waffe verkörpert nicht nur die technische Meisterschaft russischer Waffenschmiede, sondern auch die politischen und militärischen Ambitionen des Russischen Reiches am Vorabend der napoleonischen Kriege.

Das Leib-Garde-Kürassier-Regiment gehörte zu den prestigeträchtigsten Einheiten der russischen Armee. Seine Wurzeln reichen bis ins Jahr 1702 zurück, als Zar Peter der Große während seiner umfassenden Militärreformen diese Elite-Kavallerieeinheit gründete. Ab 1796 führte das Regiment unter Zar Paul I. die offizielle Bezeichnung “Kaiser-Leib-Kürassiere” und wurde zur Leibgarde des Zaren erhoben. Diese Beförderung zum Garderegiment unterstrich die besondere Bedeutung der Einheit für die Sicherheit des Herrscherhauses und ihre Rolle als militärisches Aushängeschild des Reiches.

Die Gestaltung des Pallasches folgt den unter Alexander I. eingeführten Reglementsbestimmungen für Offiziersblankaffen der Garde-Kavallerie. Die zweischneidige Klinge mit einer Breite von 4,1 Zentimetern und einer Mittelfehle entspricht der typischen Bauweise schwerer Reiterpallasche der Zeit. Die Zweischneidigkeit unterschied diese Waffen von den gebräuchlicheren Säbeln und verlieh ihnen sowohl Hieb- als auch Stoßfähigkeit - essentiell für den Nahkampf gepanzerter Kürassiere.

Besonders bemerkenswert ist die umfangreiche Gravur und Verzierung der Klinge. Das Herrschermonogramm “A I” für Alexander I., die kyrillischen Inschriften “Лейб-гвардия” (Leibgarde) und “Кирасирский полк” (Kürassier-Regiment) sowie der zaristische Doppeladler kennzeichnen die Waffe eindeutig als Offizierseigentum dieses Eliteregiments. Die Jahreszahl 1803 auf der Fehlschärfe datiert die Herstellung präzise in eine Zeit großer militärischer Umbrüche in Europa.

Das Messinggefäß mit seinem fein ziselierten Doppeladlerkorb und der großen Zarenkrone demonstriert die hohe handwerkliche Qualität russischer Kunstschmiede. Der als Adlerkopf gestaltete Knauf und die erhaltene Lederbespannung mit Drahtwicklung am Griff zeigen typische Gestaltungsmerkmale russischer Offiziersblankaffen dieser Epoche. Die mehrfache Punzierung des Gefäßes deutet auf Herstellermarken und möglicherweise Abnahmestempel hin, die die reguläre Fertigung nach militärischen Vorschriften dokumentierten.

Das Regiment spielte eine entscheidende Rolle in den Napoleonischen Kriegen. An allen wichtigen Feldzügen beteiligt, kämpften die Leib-Garde-Kürassiere in der Schlacht von Austerlitz (1805), im Krieg von 1806-1807 gegen Preußen und Frankreich, sowie besonders ruhmreich im Vaterländischen Krieg von 1812. In der Schlacht bei Borodino bildeten die Kürassier-Regimenter der Garde die strategische Reserve und führten mehrere entscheidende Attacken durch. Während des Feldzugs von 1813-1814 waren sie an der Völkerschlacht bei Leipzig und dem Vormarsch auf Paris beteiligt.

Die Offiziere, die solche Pallasche trugen, entstammten überwiegend dem russischen Hochadel. Der Dienst in den Garde-Regimentern galt als besondere Ehre und war oft mit persönlicher Nähe zum Zaren verbunden. Die legendäre Verbindung zum Freiherrn von Münchhausen, der vor den napoleonischen Kriegen im Regiment diente, unterstreicht die internationale Zusammensetzung der russischen Offizierskorps, das auch deutschstämmige Adlige aus den baltischen Provinzen umfasste.

Unter Zar Alexander I., der als “Befreier Europas” und Sieger über Napoleon in die Geschichte einging, erreichte das Regiment seinen Höhepunkt an Ansehen. Der Zar selbst nahm großes Interesse an der Ausrüstung und Ausbildung seiner Gardetruppen. Die prächtigen Uniformen und Waffen sollten nicht nur militärischen Zwecken dienen, sondern auch die Macht und Pracht des Russischen Reiches demonstrieren.

Typologisch steht dieser Pallasch in der Tradition schwerer europäischer Reiterschwerter des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, zeigt aber deutlich russische Eigenheiten in Dekoration und Symbolik. Die Verwendung des Doppeladlers als Reichssymbol, die kyrillischen Inschriften und die spezifische Gestaltung des Gefäßes machen diese Waffen zu unverwechselbaren Zeugnissen russischer Militärgeschichte.

Solche Offiziersblankaffen wurden in begrenzter Stückzahl in staatlichen Manufakturen oder von autorisierten Schwertfegern gefertigt. Die hohe Qualität der Ausführung und die kostbare Verzierung machten sie zu wertvollen Besitztümern, die oft über Generationen in Offiziersfamilien weitergegeben wurden. Heute gehören derartige Stücke zu den begehrtesten Objekten militärhistorischer Sammlungen und vermitteln authentische Einblicke in die Welt der napoleonischen Ära.