Die Einheitsfeldmütze der Schutzmannschaften repräsentiert ein düsteres Kapitel der deutschen Besatzungspolitik im Zweiten Weltkrieg. Diese feldgraue Kopfbedeckung mit ihrem charakteristischen Bevo-gewebten Mützenemblem, den gekörnten Knöpfen und der umlaufenden Silberkordel war das Erkennungszeichen einer Organisation, die tief in die Verbrechen des NS-Regimes in Osteuropa verstrickt war.
Die Schutzmannschaft, kurz Schuma genannt, wurde im Sommer 1941 nach dem Überfall auf die Sowjetunion als Hilfspolizeieinheit etabliert. Reichsführer-SS Heinrich Himmler erkannte schnell das Potential, einheimische Kräfte aus den besetzten Gebieten für die deutsche Besatzungspolitik zu instrumentalisieren. Ende Juli 1941 ordnete er den systematischen Ausbau dieser Einheiten an, die in die Kommandostruktur der SS und Ordnungspolizei eingegliedert wurden.
Die Rekrutierung der Schutzmannschaften erfolgte in den unter deutscher Zivilverwaltung stehenden Gebieten Osteuropas, insbesondere in den baltischen Staaten (Estland, Lettland, Litauen), Weißrussland, der Ukraine und den ehemals polnischen Gebieten im Westen der Sowjetunion. Die Motivation der Freiwilligen war vielfältig: Antikommunismus, Nationalismus, wirtschaftliche Not, Antisemitismus oder schlicht das Überleben in einer Zeit extremer Gewalt spielten eine Rolle. Besonders in den baltischen Staaten, die erst 1940 von der Sowjetunion annektiert worden waren, fanden die deutschen Besatzer zahlreiche Kollaborateure.
Bis Ende 1942 wuchs die Stärke der Schutzmannschaften auf etwa 300.000 Mann an. Sie waren in verschiedenen Organisationsformen gegliedert: Die Schutzmannschaft der Einzeldienstes (Schuma-ED) bestand aus stationären Einheiten, die als Hilfspolizei in Städten und Dörfern Dienst taten. Die Schutzmannschaft-Bataillone (Schuma-Bataillone) waren mobile Verbände mit einer Stärke von typischerweise 300 bis 600 Mann, die für größere Operationen eingesetzt werden konnten.
Die Uniform der Schutzmannschaften orientierte sich an deutschen Vorbildern, wies aber charakteristische Unterschiede auf. Die hier beschriebene Einheitsfeldmütze in feldgrauem Tuch mit dem typischen Bevo-gewebten Emblem und der Silberkordel entsprach den Uniformbestimmungen, die eine klare Unterscheidung von regulären deutschen Polizei- und SS-Einheiten ermöglichen sollten, gleichzeitig aber die Integration in die deutsche Kommandostruktur symbolisierten. Die gekörnten Knöpfe und das braune Schweißleder im Inneren entsprachen den Standards der Zeit.
Die Einsatzbereiche der Schutzmannschaften waren vielfältig und zutiefst verbrecherisch. Sie wurden zur Bewachung von Ghettos und Konzentrationslagern eingesetzt, beteiligten sich an der Ermordung der jüdischen Bevölkerung und führten brutale Antipartisanenoperationen durch, die sich oft gegen die Zivilbevölkerung richteten. Die euphemistisch als “Bandenbekämpfung” bezeichneten Aktionen waren in Wirklichkeit Terrormaßnahmen gegen die Bevölkerung der besetzten Gebiete.
Besonders berüchtigt sind die Massaker, an denen Schuma-Einheiten beteiligt waren. Das Massaker von Babi Jar bei Kiew im September 1941, bei dem über 33.000 Juden ermordet wurden, erfolgte unter Beteiligung ukrainischer Schutzmannschaften. Ähnliche Verbrechen ereigneten sich in zahllosen Orten Osteuropas. Schutzmannschaft-Bataillone nahmen an der Liquidierung von Ghettos teil und beteiligten sich an Mordaktionen der Einsatzgruppen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Angehörige der Schutzmannschaften in ihren Heimatländern als Kollaborateure verfolgt. In der Sowjetunion wurden sie oft zum Tode verurteilt oder in den Gulag deportiert. Einigen gelang die Flucht in den Westen, wo sie zum Teil jahrzehntelang unbehelligt lebten, bevor späte Ermittlungen einsetzten.
Die Einheitsfeldmütze der Schutzmannschaften steht als materielles Zeugnis für die Kollaboration einheimischer Kräfte mit dem NS-Regime und die Verstrickung in den Holocaust und andere Verbrechen. Sie erinnert daran, dass die nationalsozialistische Gewaltherrschaft nicht allein durch Deutsche ausgeübt wurde, sondern zahlreiche Helfer in den besetzten Gebieten fand. Die wissenschaftliche Aufarbeitung dieser Kollaboration bleibt eine wichtige Aufgabe der Geschichtswissenschaft.