Bayern Mitgliedsabzeichen "Bayer. Kriegerbund 1874 - Vet. Krieg. Ver. Ebern" .

Blechabzeichen mit Stofffähnchen, an Nadel, rückseitig mit Markierung des Herstellers "Deschler & Sohn München-9".
473371
30,00

Bayern Mitgliedsabzeichen "Bayer. Kriegerbund 1874 - Vet. Krieg. Ver. Ebern" .

Das vorliegende Mitgliedsabzeichen des Bayerischen Kriegerbundes repräsentiert eine bedeutende Epoche der deutschen Veteranenkultur im Kaiserreich und der Weimarer Republik. Das Abzeichen, hergestellt von der renommierten Firma Deschler & Sohn München, gehört zum Veteranen-Krieger-Verein Ebern und trägt die Jahreszahl 1874, die das Gründungsjahr des Bayerischen Kriegerbundes markiert.

Der Bayerische Kriegerbund wurde 1874 als Dachorganisation für die zahlreichen Veteranen- und Kriegervereine in Bayern gegründet. Diese Gründung erfolgte in der Nachfolge des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71, als das neu gegründete Deutsche Kaiserreich eine Welle patriotischer Vereinsgründungen erlebte. Der Kriegerbund diente der Pflege kameradschaftlicher Beziehungen, der Erinnerung an die Kriegsteilnehmer und der Unterstützung von Veteranen und deren Hinterbliebenen.

Die lokalen Kriegervereine, wie der hier vertretene Veteranen-Krieger-Verein Ebern, waren feste Bestandteile des gesellschaftlichen Lebens in den bayerischen Gemeinden. Ebern, eine Kleinstadt im heutigen unterfränkischen Landkreis Haßberge, besaß wie die meisten bayerischen Ortschaften einen solchen Verein. Diese Organisationen pflegten nicht nur die Erinnerung an vergangene Kriege, sondern organisierten auch Schützenfeste, Gedenkveranstaltungen und unterstützten soziale Zwecke in ihren Gemeinden.

Das Abzeichen selbst ist ein typisches Blechabzeichen mit einem charakteristischen Stofffähnchen, wie es für Mitgliedsabzeichen und Veranstaltungsplaketten dieser Zeit üblich war. Die Kombination aus Metallabzeichen und Stofffahne in den bayerischen Farben Weiß-Blau war ein verbreitetes Gestaltungselement. Die rückseitige Nadel ermöglichte das Tragen an der Kleidung, typischerweise an Anzügen oder Uniformjacken während Vereinsveranstaltungen.

Die Herstellermarkierung “Deschler & Sohn München-9” verweist auf eines der bedeutendsten Unternehmen für militärische Auszeichnungen und Abzeichen in Deutschland. Die Firma Deschler, gegründet im 19. Jahrhundert, etablierte sich als führender Hersteller von Orden, Ehrenzeichen und Vereinsabzeichen. Die Angabe “München-9” bezieht sich auf den 9. Stadtbezirk Münchens, wo sich die Werkstätten des Unternehmens befanden. Deschler produzierte sowohl offizielle staatliche Auszeichnungen als auch Vereinsabzeichen für die zahlreichen Veteranen- und Kriegervereine.

Die Qualität der Deschler-Produkte war weithin anerkannt, und die Firma belieferte nicht nur bayerische, sondern auch reichsweite Organisationen. In der Zeit des Kaiserreichs und der Weimarer Republik florierte das Geschäft mit Vereinsabzeichen, da die Kriegervereine eine enorme Mitgliederzahl erreichten. Allein in Bayern waren Hunderttausende von Veteranen in lokalen Vereinen organisiert.

Die historische Bedeutung solcher Abzeichen liegt in ihrer Funktion als Identitäts- und Zugehörigkeitsmarker. Sie drückten die Verbundenheit mit den Kameraden, die Treue zur bayerischen Heimat und das Bewusstsein einer gemeinsamen militärischen Vergangenheit aus. Die Kriegervereine spielten eine wichtige Rolle in der Erinnerungskultur des deutschen Kaiserreichs und trugen zur Formung eines spezifisch bayerischen Patriotismus bei, der sich sowohl mit dem Reich als auch mit der bayerischen Eigenstaatlichkeit identifizierte.

Nach dem Ersten Weltkrieg gewannen die Kriegervereine zusätzliche Bedeutung, da sie sich nun auch um die zahlreichen Veteranen des “Großen Krieges” kümmerten. In der Weimarer Republik wurden sie zu wichtigen sozialen Netzwerken, die materielle und emotionale Unterstützung boten. Gleichzeitig entwickelten sich viele dieser Vereine zu Trägern einer revanchistischen und antidemokratischen Gesinnung.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden die traditionellen Kriegervereine sukzessive gleichgeschaltet und in den NS-Reichskriegerbund überführt. Die eigenständige Tradition der bayerischen Kriegervereine endete damit faktisch, auch wenn viele lokale Strukturen formal weiterbestanden.

Nach 1945 wurden in Bayern neue Veteranenorganisationen gegründet, doch die direkte Kontinuität zur Tradition des Bayerischen Kriegerbundes von 1874 war unterbrochen. Heute sind solche Abzeichen wichtige historische Zeugnisse einer spezifischen Form der Erinnerungs- und Vereinskultur, die für das Deutschland zwischen 1871 und 1933 charakteristisch war.

Für Sammler und Historiker bieten diese Objekte wertvolle Einblicke in die lokale Sozial- und Kulturgeschichte. Sie dokumentieren die Organisation, die Ästhetik und die Werte einer Gesellschaft, in der Militärdienst und Kriegsteilnahme zentrale Elemente männlicher Identität darstellten.