Deutsche Reichspost - Schmucktelegramm Tannenbaum von Hanns Bastanier

DinA4-Doppelblatt, datiert 22.12.1934; Zustand 2
486971
35,00

Deutsche Reichspost - Schmucktelegramm Tannenbaum von Hanns Bastanier

Das Schmucktelegramm der Deutschen Reichspost stellt ein faszinierendes Zeugnis der Kommunikationskultur im nationalsozialistischen Deutschland dar. Dieses spezielle Exemplar, gestaltet von Hanns Bastanier und datiert auf den 22. Dezember 1934, zeigt ein TannenbaumMotiv und verkörpert die Verbindung zwischen moderner Telekommunikation und traditioneller deutscher Festkultur in der frühen NS-Zeit.

Die Deutsche Reichspost war seit ihrer Gründung 1871 eine der wichtigsten staatlichen Institutionen des Deutschen Reiches. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde sie zunehmend in den Dienst der neuen Machthaber gestellt. Der Reichspostminister stand ab 1933 unter direktem Einfluss der NSDAP, und die Institution wurde sowohl für administrative als auch für propagandistische Zwecke genutzt.

Schmucktelegramme waren eine besondere Form der telegrafischen Nachrichtenübermittlung, die seit dem späten 19. Jahrhundert in Deutschland populär waren. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Telegrammen, die auf einfachem Papier übermittelt wurden, waren Schmucktelegramme mit kunstvollen Illustrationen, Bordüren und dekorativen Elementen versehen. Sie dienten besonders für festliche Anlässe wie Geburtstage, Hochzeiten, Jubiläen und – wie in diesem Fall – Weihnachtsgrüße.

Das Jahr 1934 war ein bedeutendes Jahr für die Konsolidierung der NS-Herrschaft. Nach dem Tod Hindenburgs im August vereinigte Hitler die Ämter des Reichspräsidenten und Reichskanzlers. Die Gleichschaltung aller gesellschaftlichen Bereiche war weitgehend abgeschlossen. In diesem Kontext wurde auch die Gestaltung von Alltagsgegenständen und offiziellen Dokumenten zunehmend ideologisch beeinflusst.

Hanns Bastanier war einer der Künstler, die für die Reichspost Schmucktelegramme entwarfen. Diese Künstler arbeiteten im Auftrag der Postverwaltung und schufen Designs für verschiedene Anlässe. Das Tannenbaumotiv war besonders für die Weihnachtszeit vorgesehen und knüpfte an traditionelle deutsche Symbolik an. Der Tannenbaum hatte in Deutschland eine lange kulturelle Tradition und wurde im Nationalsozialismus teilweise mit germanischen und völkischen Deutungen aufgeladen.

Die Herstellung von Schmucktelegrammen erfolgte nach einem standardisierten Verfahren. Die Telegramme wurden auf speziellen DIN A4-Doppelblättern gedruckt, die kunstvoll gestaltet waren. Der eigentliche Telegrammtext wurde dann maschinell oder handschriftlich auf das vorgedruckte Formular übertragen. Diese Schmucktelegramme waren teurer als gewöhnliche Telegramme und stellten eine besondere Form der Aufmerksamkeit dar.

Die Telekommunikation in den 1930er Jahren spielte eine zentrale Rolle für die Verwaltung und Organisation des modernen Staates. Das Telegramm war neben dem Telefon das schnellste Kommunikationsmittel der Zeit. Die Reichspost betrieb ein flächendeckendes Netz von Telegrafenämtern, die rund um die Uhr besetzt waren. Für die Übermittlung von Telegrammen galten strenge Vorschriften bezüglich Länge, Kosten und Zustellung.

Die Gestaltung der Schmucktelegramme spiegelt den Zeitgeschmack der 1930er Jahre wider. Die künstlerischen Entwürfe verbanden oft traditionelle Motive mit zeitgenössischen Gestaltungselementen. Das Tannenbaumotiv war besonders beliebt, da es die christliche Weihnachtstradition mit nationalen Symbolen verband. In der NS-Zeit wurde versucht, christliche Feste teilweise durch germanische oder völkische Deutungen zu überlagern, wobei der Weihnachtsbaum als “germanischer Lichterbaum” umgedeutet wurde.

Für Sammler und Historiker sind diese Schmucktelegramme heute wertvolle Zeitdokumente. Sie geben Einblick in die Alltagskultur der NS-Zeit, in die Ästhetik der Epoche und in die Art und Weise, wie staatliche Institutionen gestaltet und genutzt wurden. Der angegebene Zustand 2 deutet auf eine gut erhaltene Condition hin, was bei über 85 Jahre alten Papierdokumenten bemerkenswert ist.

Die Erhaltung solcher Dokumente ist wichtig für die historische Forschung. Sie dokumentieren nicht nur die technische Entwicklung der Telekommunikation, sondern auch die soziale und kulturelle Geschichte Deutschlands in einer der dunkelsten Perioden seiner Geschichte. Als Objekte der materiellen Kultur helfen sie, die Lebenswelt der Menschen in den 1930er Jahren zu verstehen und zu rekonstruieren.