Ehrenschale aus Meißner Porzellan des königlich preußischen "2.Garde-Rgt. zu Fuß"
Die vorliegende Ehrenschale aus Meißner Porzellan repräsentiert eine bedeutende Tradition des preußischen Militärwesens und verkörpert die enge Verbindung zwischen königlichem Hof, Garde und den berühmten Porzellanmanufakturen Sachsens. Das 2. Garde-Regiment zu Fuß, dessen Emblem diese Schale ziert, gehörte zu den elitärsten Einheiten der preußischen Armee.
Das 2. Garde-Regiment zu Fuß wurde am 23. September 1813 während der Befreiungskriege gegen Napoleon gegründet. Es war in Berlin stationiert und unterstand direkt dem preußischen Königshaus. Die Garde-Regimenter zu Fuß bildeten das Herzstück der preußischen Garde-Korps und genossen höchstes Ansehen. Sie rekrutierten ihre Offiziere aus dem Adel und ihre Mannschaften nach strengsten physischen und charakterlichen Kriterien. Die Zugehörigkeit zu einem Garde-Regiment galt als außerordentliche Ehre und Ausdruck besonderer Loyalität zur Krone.
Die Verwendung von Meißner Porzellan für militärische Ehrengaben war keine Zufälligkeit. Die Königliche Porzellan-Manufaktur Meißen, gegründet 1710 als erste europäische Porzellanmanufaktur, stand unter sächsischem Patronat, pflegte jedoch enge Beziehungen zum preußischen Hof. Die charakteristische Schwertermarke, die auf der Rückseite dieser Schale zu finden ist, wurde ab 1722 als Manufakturmarke eingeführt und ist bis heute das Erkennungszeichen authentischer Meißner Erzeugnisse. Die gekreuzten Schwerter symbolisierten ursprünglich die Kurschwerter aus dem sächsischen Wappen.
Ehrenschalen wie diese wurden zu verschiedenen Anlässen vergeben: zur Verabschiedung verdienter Offiziere, bei Jubiläen, als Auszeichnung für besondere Leistungen oder als Geschenke bei bedeutenden militärischen Ereignissen. Die Tradition militärischer Ehrengaben aus Porzellan entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einer eigenen Kunstform. Das blaue Dekor unter Glasur – die berühmte Meißner Unterglasurmalerei – garantierte nicht nur dauerhafte Farbbeständigkeit, sondern galt auch als besonders wertvoll und anspruchsvoll in der Herstellung.
Die Größe von etwa 25 Zentimetern entspricht der üblichen Dimensionierung repräsentativer Prunkschalen dieser Zeit. Solche Objekte waren nicht für den täglichen Gebrauch bestimmt, sondern dienten der Repräsentation und Erinnerung. Die originale Aufhängung belegt, dass die Schale zur Wandmontage vorgesehen war – eine typische Präsentationsform für derartige Ehrengaben in Offiziersmessen, Kasinoräumen oder privaten Sammlungen.
Das 2. Garde-Regiment zu Fuß erlebte seine bedeutendsten Einsätze in den Einigungskriegen des 19. Jahrhunderts. Es kämpfte im Deutschen Krieg 1866 gegen Österreich und im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, wo es sich besonders in den Schlachten um Paris auszeichnete. Nach der Reichsgründung 1871 wurde das Regiment Teil der Friedensgarnison Berlin und nahm an den großen Paraden und Zeremonien des Kaiserreichs teil.
Die kunsthandwerkliche Qualität solcher Ehrenschalen spiegelt den hohen Stellenwert wider, den das preußische Militär der Tradition und Symbolik beimaß. Jedes Detail – von der Farbwahl über die Gestaltung des Regimentswappens bis zur Qualität der Vergoldung – folgte strengen ästhetischen und protokollarischen Vorgaben. Die Zusammenarbeit zwischen Militärbehörden und der Meißner Manufaktur war institutionalisiert und umfasste detaillierte Spezifikationen für Design und Ausführung.
Mit dem Ende der Monarchie 1918 und der Auflösung der preußischen Armee endete auch die Tradition solcher Ehrengaben. Das 2. Garde-Regiment zu Fuß wurde im Zuge der Bestimmungen des Versailler Vertrags aufgelöst. Die erhaltenen Ehrenschalen wurden zu wichtigen Erinnerungsstücken einer untergegangenen Epoche und zu begehrten Sammlerobjekten.
Heute sind solche Objekte von großem historischem und kulturgeschichtlichem Wert. Sie dokumentieren nicht nur Militärgeschichte, sondern auch die Kunstfertigkeit der Porzellanherstellung, die Repräsentationskultur des Kaiserreichs und die soziale Bedeutung militärischer Ehre im 19. Jahrhundert. Der unbeschädigte Zustand dieser Schale ist bemerkenswert, da viele vergleichbare Stücke die Wirren zweier Weltkriege nicht überstanden haben.