Extraseitengewehr KS 98, 1.Weltkrieg oder frühe Reichswehr .

Saubere, leicht geschärfte, Klinge ohne Sägerücken, Herstellermarke von "Carl Eickhorn Solingen"  Stahlgefäß, zweifach vernietete Horngriffschalen, beweglicher Drücker, die Scheide mit Resten der Lackierung, etwas flugrostig. zustand 2-
497771
280,00

Extraseitengewehr KS 98, 1.Weltkrieg oder frühe Reichswehr .

Das Extraseitengewehr 98 (kurz S 98) repräsentiert einen bedeutenden Abschnitt in der deutschen Militärgeschichte und stellt die Standardblankaffe der deutschen Streitkräfte während des Ersten Weltkriegs dar. Entwickelt als Ergänzung zum legendären Gewehr 98, das 1898 eingeführt wurde, diente dieses Seitengewehr sowohl als Nahkampfwaffe als auch als multifunktionales Werkzeug im Schützengraben.

Die Firma Carl Eickhorn Solingen, deren Herstellermarke auf diesem Exemplar zu finden ist, gehörte zu den renommiertesten Klingenschmieden des Deutschen Reiches. Das Unternehmen wurde in der Klingenstadt Solingen gegründet und belieferte seit Ende des 19. Jahrhunderts die preußische Armee sowie später die Reichswehr mit hochwertigen Blankwaffen. Eickhorn stand für ausgezeichnete Stahlqualität und präzise Verarbeitung, was ihre Produkte bis heute bei Sammlern begehrt macht.

Das charakteristische Design des Seitengewehrs 98 umfasste eine gerade Klinge von etwa 250 mm Länge. Viele frühe Exemplare verfügten über einen Sägerücken, der theoretisch als Werkzeug dienen sollte. Allerdings führte diese Eigenschaft im Ersten Weltkrieg zu erheblichen Problemen: Die Entente-Mächte betrachteten Sägerückenbayonette als unzivilisierte Waffen, und gefangene deutsche Soldaten, die solche Bajonette trugen, wurden teilweise hart behandelt. Infolgedessen ordnete die deutsche Heeresleitung ab 1917 die Entfernung der Sägerücken an. Das vorliegende Stück ohne Sägerücken deutet entweder auf eine spätere Produktion oder auf eine nachträgliche Modifikation hin.

Die Horngriffschalen, die zweifach vernietet sind, entsprechen der typischen Konstruktion dieser Periode. Horn bot eine robuste, wetterbeständige und griffige Oberfläche, die auch unter den extremen Bedingungen des Grabenkriegs funktional blieb. Das Stahlgefäß mit beweglichem Drücker ermöglichte die schnelle Befestigung am Gewehrlauf mittels eines Federriegelmechanismus.

Die Scheide mit Resten der originalen Lackierung ist ein wichtiges Merkmal zur Datierung und Zuordnung. Während des Ersten Weltkriegs wurden Scheiden typischerweise in schwarzem Lack ausgeführt, während die frühe Reichswehr teilweise noch Altbestände nutzte. Der Flugrost, der sich auf der Scheide zeigt, ist charakteristisch für Stücke, die über Jahrzehnte unter nicht optimalen Lagerbedingungen aufbewahrt wurden.

Die Übergangszeit zwischen dem Kaiserreich und der Weimarer Republik war für die deutsche Militärausstattung bedeutsam. Nach dem Versailler Vertrag von 1919 wurde die deutsche Armee drastisch reduziert und in die Reichswehr umgewandelt. Die Bestimmungen des Vertrags limitierten nicht nur die Truppenstärke auf 100.000 Mann, sondern auch die Waffenproduktion. Dennoch nutzte die Reichswehr weiterhin das Seitengewehr 98, da es sich als zuverlässig erwiesen hatte und große Lagerbestände existierten.

Die leichte Schärfung der Klinge deutet darauf hin, dass die Waffe möglicherweise im Dienst verwendet und gewartet wurde. Militärische Vorschriften verlangten die regelmäßige Pflege der Ausrüstung, wobei die Schärfe der Klinge für den potenziellen Einsatz im Nahkampf aufrechterhalten werden sollte.

Aus sammlerischer und historischer Perspektive repräsentiert dieses Seitengewehr ein authentisches Zeugnis einer der dramatischsten Perioden der deutschen und europäischen Geschichte. Die Kombination aus bekanntem Hersteller, typischer Konstruktion und dem historischen Kontext macht solche Stücke zu wichtigen Studienobjekten für die Militärgeschichte. Der angegebene Zustand 2- spiegelt eine moderate Erhaltung wider, bei der die wesentlichen Merkmale und die Funktionalität erhalten bleiben, während die Patina und geringfügige Altersspuren die Authentizität unterstreichen.

Die Geschichte solcher Blankwaffen ist auch ein Spiegel der technologischen Entwicklung der Kriegsführung. Während das Bajonett in früheren Konflikten noch eine zentrale Rolle im Nahkampf spielte, veränderte der industrialisierte Maschinenkrieg des Ersten Weltkriegs dessen Bedeutung. Dennoch blieb es ein psychologisch wichtiges Element der Infanterieausrüstung und ein Symbol militärischer Macht bis weit in das 20. Jahrhundert hinein.