III. Reich Deutsche Arbeitsfront DAF Fanfarentuch und Fahne für den Schellenbaum des DAF Musikzuges "Betriebszelle der Gothaer Waggonfabrik A.G. Gotha" 

um 1936/38. Das Fanfarentuch und die Schellenbaumfahne aus der gleichen Fertigung. Beide Stücke aus rotem Tuch, auf der Vorderseite jeweils das DAF Emblem "Betriebszelle der Gothaer Waggonfabr. A.G. Gotha", auf der Rückseite "Die Gothas". Beide Stücke mit umlaufenden Silberfransen. Das Fanfarentuch oben mit 2 eingenähten Karabinerhaken zum befestigen an der Fanfare, Maße mit Fransen ca. 53 x 56 cm. Das Schellenbaumtuch mit eingenähter Querstange, silberne Kordel mit Karabinerhaken zum befestigen am Schellenbaum, seitlich mit 2 silbernen Quasten, Maße mit Fransen ca. 35 x 41 cm. Nur leicht Gebrauchs- und Altersspuren, jeweils im weißen Feld des DAF Emblems ein paar kleine unbedeutende Löchlein, Zustand 2.

Extrem seltenes Ensemble, uns ist kein weiteres bekannt.

Die Gothaer Waggonfabrik war ein bedeutendes Metallbauunternehmen für den Flugzeug- und Straßenbahnwagenbau in Gotha. Das Firmengelände befand sich am Gothaer Ostbahnhof. Im 1. Weltkrieg wurden zahlreiche Kriegsflugzeuge gebaut, darunter auch den Großbomber Gotha G IV. Die Flugzeuge der Waggonfabrik wurden als „Die Gothas“ schnell allgemein bekannt und erlangten im Ersten Weltkrieg den zweifelhaften Ruhm, die „Schrecken der Feinde“ gewesen zu sein.
Nach dem Kriegsende 1918 musste der Flugzeugbau wegen des Versailler Vertrags eingestellt werden. 1933 begann in Gotha wieder der Flugzeugbau, auch für die neu entstandene Luftwaffe. Nach Kriegsbeginn 1939 wurden in Gotha im Wesentlichen Lastensegler entwickelt und gefertigt, darunter den Lastensegler Gotha Go 242 und Go 244.  Im Jahr 1944 wurde das Werk durch einen Luftangriff zu 80 % zerstört. Trotzdem begann in Friedrichroda bei Kriegsende die Vorserienfertigung des revolutionären Nurflügel-Strahljägers Ho 229 (Ho IX) der Brüder Horten.


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III. Reich Deutsche Arbeitsfront DAF Fanfarentuch und Fahne für den Schellenbaum des DAF Musikzuges "Betriebszelle der Gothaer Waggonfabrik A.G. Gotha" 

Die Deutsche Arbeitsfront (DAF) war eine der größten Massenorganisationen des nationalsozialistischen Deutschlands, die nach der Zerschlagung der freien Gewerkschaften am 2. Mai 1933 gegründet wurde. Unter der Leitung von Robert Ley entwickelte sich die DAF zu einer Organisation, die bis 1945 nahezu alle deutschen Arbeitnehmer und Arbeitgeber umfasste – auf ihrem Höhepunkt zählte sie über 25 Millionen Mitglieder.

Die hier vorliegenden Musikzug-Embleme – ein Fanfarentuch und eine Schellenbaumfahne – repräsentieren einen besonderen Aspekt der DAF-Organisation: die Betriebszellen und ihre kulturellen Aktivitäten. Jeder größere Betrieb hatte seine eigene DAF-Betriebszelle, die nicht nur arbeitsrechtliche und soziale Funktionen erfüllte, sondern auch das kulturelle und gesellschaftliche Leben der Belegschaft organisierte. Betriebsmusikzüge waren ein wichtiger Bestandteil dieser Bemühungen, die Arbeiterschaft in die nationalsozialistische Gemeinschaftsideologie einzubinden.

Die Gothaer Waggonfabrik AG war ein traditionsreiches Unternehmen mit bedeutender Geschichte. 1898 gegründet, entwickelte sich das Werk zu einem führenden Produzenten von Straßenbahn- und Eisenbahnwagen. Während des Ersten Weltkriegs verlagerte sich die Produktion auf den Flugzeugbau. Die Firma produzierte mehrere tausend Militärflugzeuge, darunter die berühmten Gotha-Bomber, insbesondere den Typ Gotha G.IV und G.V. Diese schweren Bomber wurden ab 1917 für strategische Angriffe auf England eingesetzt und prägten den Begriff “Die Gothas” als Synonym für deutsche Bomber.

Nach dem Versailler Vertrag musste die Flugzeugproduktion eingestellt werden, und das Werk kehrte zum Waggonbau zurück. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 und der geheimen Wiederaufrüstung begann auch in Gotha wieder die Flugzeugproduktion. Ab 1935, nach der offiziellen Verkündung der Wiederaufrüstung, produzierte das Werk verschiedene Flugzeugtypen für die neu aufgestellte Luftwaffe. Während des Zweiten Weltkriegs spezialisierte sich die Gothaer Waggonfabrik auf die Produktion von Lastenseglern, insbesondere der Typen Go 242 und Go 244.

Die vorliegenden Textilien stammen vermutlich aus der Zeit zwischen 1936 und 1938, einer Periode intensiver organisatorischer Aktivität der DAF und gleichzeitiger Expansion der Gothaer Waggonfabrik. In dieser Zeit waren Betriebsmusikzüge ein verbreitetes Phänomen in größeren deutschen Industriebetrieben. Sie traten bei Betriebsfeiern, lokalen Festveranstaltungen und nationalsozialistischen Feiertagen auf.

Fanfarentücher wurden an Fanfaren (Signalinstrumenten) befestigt und dienten sowohl dekorativen als auch identifikatorischen Zwecken. Sie zeigten die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Einheit oder Organisation. Der Schellenbaum, auch Türkischer Halbmond genannt, war ein traditionelles militärisches Musikinstrument, das bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Es bestand aus einem Stab mit Querstangen, an denen Schellen, Glöckchen und oft ein Halbmond befestigt waren. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde der Schellenbaum hauptsächlich zu zeremoniellen Zwecken eingesetzt.

Die rote Farbe der Tücher und die Verwendung des DAF-Emblems mit dem Zahnrad und dem Hakenkreuz waren charakteristisch für die visuelle Gestaltung der Arbeitsfront. Die Silberfransen und Quasten verliehen den Stücken einen festlichen, repräsentativen Charakter. Die Aufschrift “Die Gothas” auf der Rückseite bezieht sich auf den historischen Ruf der Firma und ihrer Flugzeuge aus dem Ersten Weltkrieg – ein bewusster Rückgriff auf militärische Traditionen.

Solche Musikzug-Textilien sind heute äußerst selten erhalten. Viele wurden nach 1945 vernichtet, da sie deutliche NS-Symbole trugen. Die meisten Betriebsmusikzüge lösten sich mit dem Ende des Krieges auf, und ihre Ausrüstung ging verloren oder wurde zerstört. Das Überleben eines zusammengehörigen Ensembles aus Fanfarentuch und Schellenbaumfahne ist daher bemerkenswert.

Die Gothaer Waggonfabrik wurde im Februar 1945 durch alliierte Bombenangriffe zu großen Teilen zerstört. Nach dem Krieg wurde das Werk in der sowjetischen Besatzungszone demontiert. Die Tradition des Flugzeugbaus in Gotha endete damit, obwohl kurz vor Kriegsende noch an revolutionären Projekten wie dem Nurflügel-Strahlflugzeug Horten Ho 229 gearbeitet wurde.

Diese Textilien sind somit nicht nur Zeugnisse der NS-Organisationsgeschichte, sondern auch der Industriegeschichte Thüringens und der besonderen Rolle der Gothaer Waggonfabrik in der deutschen Luftfahrtgeschichte. Sie dokumentieren die Durchdringung des Arbeitslebens durch nationalsozialistische Organisationsformen und die Instrumentalisierung von Tradition und Betriebskultur für propagandistische Zwecke.

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