NSDAP / SA Fackel für Aufmärsche

gewickelte Wachsfackel vom Alleinhersteller Adam Gries in Fulda, mit Aufdruck Gies-Wachsfackel hergestellt aus deutschen Rohstoffen, DRGM No. 1319584 / 1326537 von 1933/34. Ungebrauchter Zustand.
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350,00

NSDAP / SA Fackel für Aufmärsche

Die vorliegende NSDAP/SA-Wachsfackel des Herstellers Adam Gries aus Fulda repräsentiert ein charakteristisches Element der nationalsozialistischen Inszenierungskultur der frühen 1930er Jahre. Diese Fackel wurde speziell für die zahlreichen nächtlichen Aufmärsche und Propagandaveranstaltungen produziert, die ein zentrales Instrument der NS-Machtergreifung und -konsolidierung darstellten.

Historischer Kontext und Verwendung

Nach der Machtübernahme im Januar 1933 intensivierte die NSDAP ihre Propagandaaktivitäten erheblich. Fackelzüge wurden zu einem bevorzugten Mittel der politischen Masseninszenierung. Der berühmteste dieser Aufmärsche fand am Abend des 30. Januar 1933 statt, als SA- und SS-Formationen in einem mehrstündigen Fackelzug durch das Brandenburger Tor marschierten, um Hitlers Ernennung zum Reichskanzler zu feiern. Solche Veranstaltungen dienten nicht nur der Machtdemonstration, sondern auch der emotionalen Mobilisierung der Bevölkerung durch die Verbindung von archaischer Symbolik und moderner Massenpsychologie.

Der Hersteller Adam Gries

Die Firma Adam Gries in Fulda etablierte sich als führender, zeitweise sogar als Alleinhersteller dieser speziellen Wachsfackeln für die NSDAP und ihre Organisationen. Die Kennzeichnung “hergestellt aus deutschen Rohstoffen” entspricht der nationalsozialistischen Autarkiepolitik und Wirtschaftsideologie, die ab 1933 zunehmend propagiert wurde. Die DRGM-Nummern (Deutsches Reichsgebrauchsmuster) 1319584 und 1326537 datieren die Anmeldung dieser Fackelkonstruktion auf die Jahre 1933/34, also unmittelbar in die Phase der NS-Machtergreifung.

Technische Konstruktion

Die gewickelte Bauweise der Wachsfackel war speziell für den Einsatz bei Massenaufmärschen konzipiert. Im Gegensatz zu traditionellen Holzfackeln bot die Wachskonstruktion mehrere Vorteile: kontrollierte Brenndauer, reduzierte Rauchentwicklung bei geschlossenen Formationen, gleichmäßige Flamme und geringere Verletzungsgefahr für die dicht marschierenden Kolonnen. Die geschützte Bauweise (Gebrauchsmuster) deutet auf spezifische technische Lösungen hin, die Adam Gries für diese Anforderungen entwickelte.

Die Rolle der SA

Die Sturmabteilung (SA) war die paramilitärische Kampforganisation der NSDAP, die bis 1934 eine zentrale Rolle bei Aufmärschen und Einschüchterungsaktionen spielte. Mit mehreren Millionen Mitgliedern in den Jahren 1933/34 benötigte die SA enorme Mengen an Ausrüstung für ihre ständigen Demonstrationen und Machtinszenierungen. Nach dem sogenannten “Röhm-Putsch” im Juni 1934 verlor die SA zwar ihre dominante Stellung, Fackelzüge blieben aber ein fester Bestandteil des nationalsozialistischen Zeremoniells.

Propagandistische Bedeutung

Die nächtlichen Fackelzüge waren sorgfältig choreographierte Ereignisse, die häufig von Leni Riefenstahl und anderen Propagandafilmern dokumentiert wurden. Die Lichteffekte tausender Fackeln in geschlossenen Formationen erzeugten eine pseudo-religiöse Atmosphäre und sollten den Eindruck unaufhaltsamer Macht vermitteln. Diese Inszenierungen wurden bei allen wichtigen NS-Feiertagen eingesetzt, insbesondere beim Tag der Machtergreifung (30. Januar), beim Heldengedenktag und während der Reichsparteitage in Nürnberg.

Wirtschaftliche Dimension

Die Massenproduktion solcher Fackeln stellte einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Als Alleinhersteller konnte die Firma Gries von den zahlreichen Veranstaltungen profitieren, die im gesamten Reich stattfanden. Die Betonung “deutscher Rohstoffe” war nicht nur ideologisch motiviert, sondern entsprach auch den Devisenbeschränkungen und der Autarkiepolitik des Regimes.

Sammlerwert und historische Bedeutung

Der ungebrauchte Zustand dieses Exemplars macht es zu einem seltenen Zeitdokument. Die meisten dieser Fackeln wurden bei den Aufmärschen verbraucht und existieren heute nicht mehr. Erhaltene Exemplare dokumentieren die materielle Kultur des Nationalsozialismus und die minutiöse Organisation seiner Massenveranstaltungen. Sie dienen heute als Anschauungsmaterial für die Erforschung von Propagandamethoden totalitärer Regime und der Ästhetisierung von Politik.