Nationalsozialistische Handwerks, Handels-und Gewerbeorganisation ( NS.-Hago )
Das Mitgliedsabzeichen der Nationalsozialistischen Handwerks-, Handels- und Gewerbeorganisation (NS-Hago) stellt ein bedeutendes Zeugnis der nationalsozialistischen Durchdringung des deutschen Wirtschaftslebens während der Zeit des Dritten Reiches dar. Diese Organisation spielte eine zentrale Rolle bei der Gleichschaltung des gewerblichen Mittelstandes zwischen 1933 und 1945.
Die NS-Hago wurde im August 1933 als Nachfolgeorganisation des Kampfbundes des gewerblichen Mittelstandes gegründet, der bereits seit 1932 bestanden hatte. Unter der Leitung von Theodor Adrian von Renteln, der auch Reichswalter der Deutschen Arbeitsfront war, sollte die Organisation Handwerker, Händler und Gewerbetreibende im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie organisieren und kontrollieren. Die NS-Hago war organisatorisch der NSDAP angegliedert und fungierte als deren wirtschaftspolitisches Instrument im mittelständischen Sektor.
Das vorliegende Abzeichen trägt die rückseitige Prägung “GES.GESCH.” (gesetzlich geschützt), was auf eine offizielle Herstellung und rechtliche Absicherung des Designs hinweist. Diese Kennzeichnung war typisch für nationalsozialistische Organisationsabzeichen und sollte eine Monopolstellung sowie die Authentizität der Stücke garantieren. Die lange Nadel auf der Rückseite ermöglichte das Tragen am Revers oder an der Kleidung und diente der sichtbaren Demonstration der Zugehörigkeit zur Organisation.
Die Mitgliedschaft in der NS-Hago war für viele Gewerbetreibende faktisch obligatorisch, wollten sie ihr Geschäft ohne Schwierigkeiten weiterführen. Die Organisation übte erheblichen Druck auf Handwerker und Händler aus, der NSDAP nahezustehen und deren wirtschaftspolitische Ziele zu unterstützen. Sie kontrollierte Gewerbegenehmigungen, beeinflusste Auftragsvergaben und spielte eine wichtige Rolle bei der “Arisierung” jüdischer Geschäfte – der systematischen Enteignung und Verdrängung jüdischer Gewerbetreibender aus dem Wirtschaftsleben.
Im Jahr 1936 wurde die NS-Hago als eigenständige Organisation aufgelöst und in die Deutsche Arbeitsfront (DAF) eingegliedert, wo sie zunächst als Amt für den gewerblichen Mittelstand weiterbestand. Trotz dieser organisatorischen Veränderung blieben die Mitgliedsabzeichen in Gebrauch, da sie die Verbundenheit mit der ursprünglichen mittelständischen Bewegung symbolisierten.
Die Abzeichen wurden von verschiedenen Herstellern produziert, die entsprechende Lizenzen besaßen. Die handwerkliche Qualität variierte je nach Produktionszeitraum und Hersteller. Frühe Stücke aus den Jahren 1933 bis 1936 weisen oft eine höhere Verarbeitungsqualität auf als spätere Produktionen. Das Material bestand üblicherweise aus Buntmetall, teilweise emailliert oder mit farbigen Einlagen versehen.
Das Design des NS-Hago-Abzeichens folgte der typischen nationalsozialistischen Symbolsprache und Ästhetik. Häufig wurden Elemente wie das Hakenkreuz, Zahnräder als Symbol für Handwerk und Gewerbe, sowie Eichenlaub als traditionelles deutsches Symbol verwendet. Die farbliche Gestaltung orientierte sich meist an den Parteifarben Schwarz, Weiß und Rot.
Aus historischer Perspektive dokumentieren diese Abzeichen die totalitäre Durchdringung aller gesellschaftlichen Bereiche durch das NS-Regime. Sie zeigen, wie selbst traditionell unpolitische Berufsstände instrumentalisiert und in das System der Parteiorganisationen integriert wurden. Für Sammler und Historiker bieten solche Objekte wichtige Einblicke in die Alltagsgeschichte des Nationalsozialismus und die Mechanismen der Gleichschaltung.
Der Zustand des vorliegenden Stücks wird mit “Zustand 2” angegeben, was in der militärhistorischen Sammlerbewertung üblicherweise auf ein gut erhaltenes Exemplar mit leichten Gebrauchsspuren hinweist. Solche Abzeichen wurden im Alltag getragen und zeigen daher oft entsprechende Tragespuren, was ihre Authentizität unterstreicht.
Die rechtliche und ethische Bewertung solcher Objekte ist heute differenziert zu betrachten. Während sie zweifellos als historische Quellen von wissenschaftlichem Wert sind, symbolisieren sie gleichzeitig ein verbrecherisches Regime. In Deutschland unterliegen Gegenstände mit verfassungsfeindlichen Symbolen strengen gesetzlichen Regelungen, wobei ihre Verwendung zu wissenschaftlichen, künstlerischen oder aufklärerischen Zwecken ausdrücklich erlaubt ist.