Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund ( NSDStB ) - Studentische Erntehilfe 1939
Das vorliegende Abzeichen des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB) für die Studentische Erntehilfe 1939 stellt ein bedeutendes zeithistorisches Dokument der nationalsozialistischen Durchdringung des akademischen Lebens im Deutschen Reich dar.
Der NSDStB wurde am 26. Januar 1926 in München gegründet und entwickelte sich zur wichtigsten nationalsozialistischen Studentenorganisation. Nach der Machtergreifung 1933 wurde der Studentenbund zur dominierenden Kraft an deutschen Hochschulen und erreichte 1935 mit über 100.000 Mitgliedern seinen Höhepunkt. Die Organisation unterstand der Reichsjugendführung und diente der ideologischen Ausrichtung der akademischen Jugend nach nationalsozialistischen Prinzipien.
Die Studentische Erntehilfe war ein zentraler Bestandteil der NS-Arbeitseinsätze und manifestierte die nationalsozialistische Ideologie der Volksgemeinschaft. Das Jahr 1939 markiert einen besonderen historischen Wendepunkt, da es das letzte volle Friedensjahr vor dem Zweiten Weltkrieg darstellte. Im September 1939 überfiel das Deutsche Reich Polen, was den Beginn des verheerenden Weltkrieges bedeutete.
Die Erntehilfe-Aktionen dienten mehreren Zwecken im nationalsozialistischen System: Zum einen sollten Studenten durch körperliche Arbeit auf dem Land mit der “Scholle” und dem Bauerntum verbunden werden, was der NS-Blut-und-Boden-Ideologie entsprach. Zum anderen hatten diese Einsätze einen praktischen wirtschaftlichen Nutzen, da durch den zunehmenden Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft studentische Hilfskräfte benötigt wurden. Die Teilnahme an solchen Aktionen galt als Teil der “Charakterbildung” und war faktisch verpflichtend für Studenten.
Das vorliegende Abzeichen wurde von W. Annetsberger in München SW2 hergestellt, einem bekannten Produzenten von NS-Abzeichen und Auszeichnungen. Die Fertigung aus Zink war in dieser Zeit üblich und entsprach den Materialverfügbarkeiten der Vorkriegs- und Kriegswirtschaft. Solche Abzeichen wurden an die teilnehmenden Studenten ausgegeben und sollten als Ehrenzeichen getragen werden.
Die Nadel dokumentiert die allgegenwärtige Symbolpolitik des NS-Regimes, bei der nahezu jede Aktivität durch entsprechende Abzeichen, Uniformen und Symbole materiell manifestiert wurde. Diese Objekte dienten der Schaffung von Zugehörigkeitsgefühl, der öffentlichen Zurschaustellung ideologischer Konformität und der Durchdringung aller Lebensbereiche mit nationalsozialistischer Ästhetik.
Der NSDStB spielte auch eine unrühmliche Rolle bei der Verfolgung jüdischer und politisch missliebiger Professoren und Studenten. Die Organisation war maßgeblich an den Bücherverbrennungen vom Mai 1933 beteiligt und trug zur Gleichschaltung der Universitäten bei. Die akademische Freiheit wurde systematisch zerstört und durch ideologische Indoktrination ersetzt.
Nach Kriegsbeginn wurden viele Studenten zur Wehrmacht eingezogen, was die Bedeutung des NSDStB zunehmend reduzierte. Die Organisation wurde schließlich 1945 mit dem Ende des NS-Regimes aufgelöst und vom Alliierten Kontrollrat als verbotene Organisation eingestuft.
Heute dienen solche Objekte als wichtige Zeugnisse einer dunklen Periode deutscher Geschichte. Sie erinnern an die totalitäre Durchdringung aller gesellschaftlichen Bereiche durch das NS-Regime und die Instrumentalisierung der Jugend für ideologische und wirtschaftliche Zwecke. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit solchen Artefakten ist Teil der kritischen Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit.