Ordensschnalle eines Wehrmacht-Unteroffiziers und Veteranen des Ersten Weltkriegs
Diese Ordensschnalle mit fünf Auszeichnungen dokumentiert in komprimierter Form die gesamte militärische Laufbahn eines deutschen Unteroffiziers, der vom Kaiserreich über die Weimarer Republik bis in die Zeit des Dritten Reiches diente. Als typisches Beispiel deutscher Dekorationskultur vereint sie Auszeichnungen aus drei verschiedenen Epochen auf einem einzigen Tragebalken und erzählt damit eine individuelle Lebensgeschichte, die zugleich exemplarisch für eine ganze Generation steht.
Die einzelnen Auszeichnungen im historischen Kontext
An erster Stelle der Schnalle befindet sich das Eiserne Kreuz 1914 2. Klasse, das am 5. August 1914 von Kaiser Wilhelm II. erneut gestiftet wurde. Obwohl es formal eine Auszeichnung des Königreichs Preußen war, wurde es als allgemeine deutsche Dekoration behandelt. Es wurde für Tapferkeit vor dem Feind verliehen und existierte in drei Stufen: 2. Klasse, 1. Klasse und Großkreuz. Der Träger dieser Schnalle erhielt die 2. Klasse, was auf bewiesene Tapferkeit im Fronteinsatz hindeutet.
Die zweite Auszeichnung, das Lübecker Hanseatenkreuz, wurde am 21. August 1915 vom Senat der Freien und Hansestadt Lübeck gestiftet. Das Hanseatenkreuz war eine militärische Dekoration der drei Hansestädte Bremen, Hamburg und Lübeck während des Ersten Weltkriegs. Es existierte nur in einer einzigen Klasse und galt, wenn es für Tapferkeit oder Kampfverdienst verliehen wurde, als hanseatisches Äquivalent zum preußischen Eisernen Kreuz. Zu den Berechtigten zählten Angehörige der drei hanseatischen Infanterieregimenter – Bremen Nr. 75, Hamburg Nr. 76 und Lübeck Nr. 162 – sowie die Besatzungen der Kriegsschiffe Bremen, Hamburg und Lübeck und alle Bewohner der Städte, die in anderen Einheiten kämpften. Mit nur etwa 8.000 bis 10.000 verliehenen Exemplaren ist das Lübecker Hanseatenkreuz deutlich seltener als seine Hamburger (ca. 50.000) und Bremer (ca. 20.000) Pendants. Der berühmteste Träger aller drei Hanseatenkreuze war Manfred von Richthofen. Die Tatsache, dass der Träger dieser Schnalle das Lübecker Kreuz erhielt, deutet auf eine Verbindung zu Lübeck oder einer dort stationierten Einheit hin.
An dritter Position folgt das Ehrenkreuz für Frontkämpfer 1914–1918, das am 13. Juli 1934 von Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg gestiftet wurde. Es war Deutschlands erste offizielle Dienstauszeichnung für Soldaten des Kaiserreichs und wurde in drei Formen verliehen: die Frontkämpferausführung mit gekreuzten Schwertern in Bronze, die Ausführung für Nichtkämpfer ohne Schwerter in Bronze sowie eine Version für Hinterbliebene in schwarzer Ausführung. Der Träger dieser Schnalle erhielt die Frontkämpferausführung, was seinen aktiven Fronteinsatz bestätigt. Die Verleihungszahlen waren beeindruckend: 6.202.883 Ehrenkreuze für Frontkämpfer, 1.120.449 für Nichtkämpfer und 345.132 für Witwen wurden zwischen 1934 und 1939 ausgegeben. Die Antragsfrist lief Ende 1942 aus, und jede Verleihung wurde von einer Urkunde begleitet. Bemerkenswert ist auch, dass das nationalsozialistische Deutschland das weitere Tragen der meisten deutschen Freikorps-Auszeichnungen untersagte.
Die vierte Auszeichnung ist die Wehrmacht-Dienstauszeichnung für 4 Jahre mit Bandadler, die am 16. März 1936 von Adolf Hitler gestiftet wurde. Sie wurde für die zufriedenstellende Ableistung einer bestimmten Anzahl von Dienstjahren verliehen. Das Auszeichnungssystem umfasste mehrere Stufen: 4 Jahre (Silbermedaille), 12 Jahre (Goldmedaille), 18 Jahre (Silberkreuz), 25 Jahre (Goldkreuz) sowie eine 1939 hinzugefügte Sonderklasse für 40 Jahre. Dass der Träger die 4-Jahres-Stufe erhielt, zeigt, dass er mindestens vier Jahre im aktiven Dienst der Wehrmacht stand.
Den Abschluss der Schnalle bildet die Ungarische Kriegsdenkmünze 1914–1918, die am 26. Mai 1929 von Reichsverweser Miklós Horthy gestiftet wurde. Sie wurde an ungarische Weltkriegsveteranen, überlebende Angehörige gefallener Soldaten sowie Personen verliehen, die im nationalen Dienst im Zusammenhang mit der Kriegsanstrengung standen. Die Anwesenheit dieser Dekoration deutet auf einen Kontakt des Trägers mit ungarischen Streitkräften oder dem ungarischen Kriegsschauplatz hin.
Bedeutung als Sammlerstück
Die Ordensschnalle als Trageform repräsentiert eine fest verwurzelte Tradition der deutschen Militärkultur, in der die gesamte militärische Karriere eines Soldaten in komprimierter Form auf dem linken Brustbereich der Uniform dokumentiert wurde. Die fünf Auszeichnungen werden auf einem einzelnen Metallbalken mit Bandunterlagen getragen. Das Stück wird im Zustand 2 nach der deutschen Sammlerbewertungsskala eingestuft, was auf einen guten Erhaltungszustand mit leichten Gebrauchsspuren hinweist.
Im Hinblick auf die Nachkriegsgeschichte ist erwähnenswert, dass die Wehrmacht-Dienstauszeichnungen zu jenen Dekorationen der NS-Zeit gehörten, die 1957 in der Bundesrepublik Deutschland zum Tragen in überarbeiteter Form – ohne das verbotene Hakenkreuzsymbol – zugelassen wurden.
Zusammenfassend zeichnet diese Ordensschnalle das Bild eines Mannes, der im Ersten Weltkrieg als Frontsoldat mit Verbindung zu Lübeck kämpfte, für seine Tapferkeit dekoriert wurde und anschließend seine militärische Karriere in der Wehrmacht fortsetzte – ein Dokument deutscher Militärgeschichte, das drei Epochen überspannt.