Der Hohe Orden vom Schwarzen Adler verkörpert die höchste Auszeichnung des Königreichs Preußen und zählt zu den bedeutendsten Ritterorden der europäischen Geschichte. Dieser prachtvolle Ordenssatz aus der Zeit um 1780, bestehend aus Kleinod und Bruststern, stammt aus der Regierungszeit Friedrichs II., bekannt als Friedrich der Große (1740–1786), und repräsentiert die Blütezeit preußischer Macht während des Siebenjährigen Krieges und der militärischen Expansion Preußens.
Die Gründung des Ordens erfolgte am 17. Januar 1701 durch Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg, der am folgenden Tag als Friedrich I. zum König in Preußen gekrönt wurde. Mit der Ordensstiftung manifestierte der neue König den Aufstieg Brandenburgs zum Königreich Preußen und etablierte das Prestige des jungen Königreichs in der europäischen Adelswelt. Die Ordensstatuten wurden am 18. Januar 1701 veröffentlicht und erfuhren 1847 eine umfassende Revision. Der Ordenswahlspruch "Suum cuique" – Jedem das Seine – sollte das preußische Gerechtigkeitsideal verkörpern. Die orange Farbe der Ordensschärpe wurde zu Ehren Louise Henriettes von Nassau gewählt, Tochter des Prinzen von Oranien und erste Gemahlin des Großen Kurfürsten.
Das vorliegende Kleinod aus Gold zeigt die charakteristische Fertigung der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts: ein Malteserkreuz mit beidseitig hellblau gewölbter Emaille, zwischen dessen Armen goldgekrönte, schwarz lackierte Adler angeordnet sind. Das goldene Mittelmedaillon trägt das königliche Monogramm Friedrichs I. ("FR" für Fredericus Rex). Der große Bruststern ist in feiner Silberdrahtstickerei gearbeitet – eine Technik, die für frühe Sterne vor der Einführung metallener Ausführungen ab 1858 charakteristisch war. Im Zentrum des Bruststerns erscheint der schwarze Adler auf goldenem Grund, der in seiner linken Klaue einen Lorbeerkranz und in der rechten ein Zepter hält, umgeben von einem weiß emaillierten Ring mit dem Ordenswahlspruch.
Die Ordensbänder wurden als orangefarbene Moiréschärpe von der linken Schulter zur rechten Hüfte getragen, wobei das Ordensjuwel auf der Hüfte ruhte. Das vorliegende Exemplar ist komplett mit der originalen gelben Ordensschärpe erhalten und weist auf der Rückseite im Zentrum einen leichten Emailleschaden auf, der das getragene Stück als authentisches historisches Zeugnis ausweist.
Der Schwarze Adlerorden kannte nur eine Klasse, konnte jedoch nach königlichem Ermessen "mit der Kette" oder "ohne Kette" verliehen werden. Bruststerne mit Diamanten wurden insgesamt 92-mal verliehen: 71 zwischen 1742 und 1900, 20 zwischen 1908 und 1914 sowie einmal 1932. Die Mitgliedschaft war auf eine kleine Anzahl von Rittern beschränkt und teilte sich in zwei Kategorien: Angehörige regierender Häuser (weiter unterteilt in Mitglieder des Hauses Hohenzollern und Mitglieder anderer deutscher und ausländischer Häuser) und Kapitelritter. Vor 1847 war die Mitgliedschaft auf Adlige beschränkt, danach wurden nichtadlige Kapitelritter in den Adelsstand erhoben. Untertanen des preußischen Königs, die den Orden erhielten, wurden in den erblichen Adelsstand erhoben.
Von der Gründung 1701 bis 1918 wurde der Orden 407-mal verliehen, wobei 57 dieser Ernennungen während der Regierungszeit Friedrichs I. (1701–1713) erfolgten. Im Jahr 1918 zählte der Orden 118 Ritter: 14 Mitglieder des preußischen Königshauses, eines des Fürstenhauses Hohenzollern, 49 Mitglieder anderer regierender Häuser (neun davon aus Staaten, die sich im Krieg mit Deutschland befanden) und 54 nichtkönigliche Deutsche (darunter 17, die noch nicht vollständig installiert waren). Die Kapitelritter waren in der Regel hochrangige Regierungsbeamte oder Militäroffiziere.
Zu den bedeutendsten Trägern zählten Friedrich Wilhelm I. (1688–1740), der 1701 als Kronprinz zum ersten Mitglied ernannt wurde, Napoleon Bonaparte, der 1803 als Erster Konsul aufgenommen wurde, der russische Generalissimus Alexander Suworow, Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke der Ältere, der als Kanzler des Ordens fungierte, sowie Reichskanzler Otto von Bismarck, der am 1. Januar 1873 aufgenommen wurde.
Nach dem Ersten Weltkrieg setzte der im niederländischen Exil lebende abgedankte Kaiser Wilhelm II. die Ordensvergabe an seine Familie fort und ernannte seine zweite Gemahlin, Prinzessin Hermine Reuß zu Greiz, zur Dame des Schwarzen Adlerordens. Obwohl der Orden 1918 mit dem Ende des Königreichs Preußen als Staatsorden formell aufgelöst wurde, besteht er nominal als dynastischer Hausorden des Hauses Hohenzollern fort. Unter den nachfolgenden Familienoberhäuptern – Kronprinz Wilhelm (gestorben 1951), Prinz Louis Ferdinand (gestorben 1994) und dem gegenwärtigen Chef des Hauses, Georg Friedrich Prinz von Preußen (geboren 1976) – bleibt der Orden ein symbolisches Element des Hohenzollernerbes.