Preußen Säbeltasche für Mannschaften und Unteroffiziere der 2. Leib-Husaren und Husaren-Regimenter 3, 5, 8, und 11 bis 16

Um 1900. Schwarzes Lackleder, aufgelegt in Neusilber die Chiffre «FWR». Oben mit einem der drei Messingringe für die Hänger. Innen mit Kammerstempel «HR 7 4E». Getragen. Zustand 2.

Die Säbeltasche wurde 1850 für Mannschaften und Unteroffiziere für das 2. Leib-Husaren-Regiment sowie alle Linien-Regimenter eingeführt. Je nach Farbe der Schnüre war die Auflage gelb (in Messing) oder weiß (Neusilber). Bei dem vorliegenden Stück ist die Auflage in der Zeit von gelb (für das HR7) nach weiß gewechselt worden. Wahrscheinlich ist der Träger in ein anderes Regiment gewechselt.


493171
550,00

Preußen Säbeltasche für Mannschaften und Unteroffiziere der 2. Leib-Husaren und Husaren-Regimenter 3, 5, 8, und 11 bis 16

Die preußische Säbeltasche für Mannschaften und Unteroffiziere stellt ein faszinierendes Beispiel der militärischen Ausrüstung des deutschen Kaiserreichs dar. Diese spezielle Sabretasche wurde 1850 offiziell für das 2. Leib-Husaren-Regiment sowie für die Linien-Husaren-Regimenter eingeführt und blieb bis zum Ende der Monarchie 1918 in Gebrauch.

Die Husaren bildeten seit dem 18. Jahrhundert eine Elite-Kavallerieeinheit in der preußischen Armee. Ihre charakteristische Uniform und Ausrüstung machten sie zu einer der markantesten Truppengattungen des deutschen Militärs. Die Säbeltasche war nicht nur ein praktisches Ausrüstungsstück zum Schutz der Säbelscheide, sondern auch ein wichtiges Erkennungsmerkmal der verschiedenen Regimenter.

Die Konstruktion dieser Säbeltaschen folgte präzisen militärischen Vorschriften. Sie bestanden aus schwarzem Lackleder, das sowohl wetterbeständig als auch repräsentativ war. Auf der Vorderseite war die königliche Chiffre “FWR” (Friedrich Wilhelm Rex) aufgelegt, die die Verbundenheit mit dem preußischen Königshaus symbolisierte. Diese Monogramme wurden je nach Regiment entweder aus Messing (gelb) oder Neusilber (weiß) gefertigt, entsprechend der jeweiligen Regimentsfarben der Schnüre und Verzierungen.

Die Farbzuordnung war streng geregelt: Regimenter mit gelben Schnüren trugen messingfarbene Beschläge, während Einheiten mit weißen Schnüren Neusilber verwendeten. Das Husaren-Regiment Nr. 7, das 1. Rheinische Husaren-Regiment, gehörte ursprünglich zu den Einheiten mit gelben Beschlägen. Ein interessantes Detail dieser militärischen Ausrüstungsstücke ist die Möglichkeit, dass Träger zwischen verschiedenen Regimentern versetzt wurden, was manchmal zu Änderungen in der Ausstattung führte.

Im Inneren der Säbeltaschen befand sich üblicherweise ein Kammerstempel, der Regiment und Eskadron identifizierte. Diese Stempel dienten der militärischen Verwaltung und ermöglichten die Zuordnung von Ausrüstungsgegenständen zu bestimmten Einheiten. Die Bezeichnung bestand typischerweise aus der Regimentsnummer und der Eskadronkennung.

Die Befestigung der Säbeltasche erfolgte mittels drei Messingringen, die an der Oberseite angebracht waren. Diese wurden mit Lederhängern am Koppel befestigt, sodass die Tasche während des Reitens in der korrekten Position am Körper des Husaren hing. Die praktische Gestaltung ermöglichte schnellen Zugriff auf den Säbel, während gleichzeitig die Waffe und ihre Scheide vor Witterungseinflüssen geschützt wurden.

Die preußischen Husaren-Regimenter, die diese Art von Säbeltasche trugen, umfassten das 2. Leib-Husaren-Regiment sowie die Husaren-Regimenter Nr. 3, 5, 8 und 11 bis 16. Jedes dieser Regimenter hatte seine eigene Geschichte und Tradition, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichten. Sie waren in verschiedenen Garnisonen des Deutschen Reiches stationiert und spielten wichtige Rollen in den militärischen Konflikten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Die Zeit um 1900 markierte den Höhepunkt der traditionellen Kavallerie in Europa. Obwohl bereits technologische Neuerungen wie Maschinengewehre und moderne Artillerie die Kriegsführung veränderten, behielten die Husaren ihre prestigeträchtige Rolle bei. Ihre farbenprächtigen Uniformen und die gepflegte Ausrüstung dienten nicht nur militärischen Zwecken, sondern auch der Repräsentation und der Aufrechterhaltung militärischer Traditionen.

Die Herstellung solcher Säbeltaschen erforderte handwerkliches Geschick. Spezialisierte Sattler und Lederwarenhersteller fertigten diese Stücke nach genauen militärischen Spezifikationen. Die Lackierung des Leders war ein aufwendiger Prozess, der mehrere Schichten erforderte, um die charakteristische glänzende Oberfläche zu erzielen, die gleichzeitig Schutz vor Feuchtigkeit bot.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 verlor die traditionelle Kavallerie zunehmend an Bedeutung. Die moderne Kriegsführung mit Schützengräben, Stacheldraht und Maschinengewehren machte Kavallerieattacken weitgehend obsolet. Dennoch behielten die Husaren ihre traditionelle Ausrüstung zunächst bei, bevor praktischere Feldausrüstung eingeführt wurde.

Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs 1918 und der Auflösung der alten Armee wurden solche Ausrüstungsgegenstände zu historischen Relikten. Viele Stücke wurden von ehemaligen Soldaten als Erinnerungen bewahrt oder gelangten in private Sammlungen. Heute sind gut erhaltene Säbeltaschen gesuchte militärhistorische Objekte, die wertvolle Einblicke in die materielle Kultur der preußisch-deutschen Armee bieten.