XI. Olympischen Spiele 1936 Berlin - Silberne Erinnerungsmedaille
Die Silberne Erinnerungsmedaille der XI. Olympischen Spiele 1936 Berlin repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der olympischen Numismatik und steht exemplarisch für die komplexe Medaillenlandschaft, die sich um die Berliner Spiele entwickelte. Dieses Stück wurde von der Sächsischen Münze in Feinsilber (.999) gefertigt, wie die Randprägung “Sächs. Münze 999 f.” eindeutig belegt. Es handelt sich um eine privat hergestellte Gedenkmedaille, die als kommerzielles Souvenir für die Öffentlichkeit und Sammler produziert wurde.
Die XI. Olympischen Sommerspiele fanden vom 1. bis 16. August 1936 in Berlin unter dem nationalsozialistischen Regime statt. Deutschland dominierte die Medaillenwertung mit insgesamt 101 Medaillen (38 Gold-, 31 Silber- und 32 Bronzemedaillen). Die Spiele wurden vom Nazi-Regime intensiv für Propagandazwecke instrumentalisiert, was sich auch in der umfangreichen Produktion verschiedenster Medaillen und Erinnerungsstücke niederschlug.
Die Komplexität der 1936er Medaillenlandschaft erfordert eine klare Unterscheidung: Es existierten offizielle olympische Siegermedaillen für Wettkampfgewinner (entworfen von Giuseppe Cassioli, hergestellt von B.H. Mayer Pforzheim), offizielle Teilnehmermedaillen für Athleten und Funktionäre (70mm Bronze, entworfen von Otto Placzek, 20.000 Exemplare gegossen), sowie die Deutsche Olympia-Erinnerungsmedaille, eine staatliche Auszeichnung, die von Hitler am 31. Juli 1936 eingeführt wurde und ausschließlich an Personen verliehen wurde, die zur Organisation der Olympischen Spiele beigetragen hatten.
Im Gegensatz zu diesen offiziellen Auszeichnungen stellt die vorliegende Medaille ein kommerzielles Erinnerungsstück dar, das von privaten Münzstätten für den öffentlichen Verkauf produziert wurde. Mehrere Prägeanstalten fertigten ähnliche Gedenkmedaillen, darunter die Bayerische Hauptmünzamt, K. Roth und die Sächsische Münze. Diese Medaillen wurden in verschiedenen Materialien und Feinheitsgraden hergestellt: Bronze (unedel), versilberte Bronze und Feinsilber (.999).
Die künstlerische Gestaltung der Vorderseite zeigt eine weibliche Figur (Sieg/Athena), die einen Olivenzweig und einen Lorbeerkranz hält. Die umlaufende Inschrift lautet “ZUR EHRE DES VATERLANDES ZUM RUHME DES SPORTS” (Zur Ehre des Vaterlandes, zum Ruhme des Sports). Die Rückseite präsentiert die Olympische Glocke mit dem deutschen Adler, der die olympischen Ringe umklammert. Am Glockenrand findet sich die Inschrift “ICH RUFE DIE JUGEND DER WELT” (Ich rufe die Jugend der Welt), während die äußere Umschrift “OLYMPISCHE SPIELE BERLIN MCMXXXVI” (Olympische Spiele Berlin 1936) trägt.
Die vorliegende Medaille besitzt einen Durchmesser von 35 mm und verfügt über eine Trageöse. Sie wird in einem beschädigten weißen Verleihungsetui mit den olympischen Ringen präsentiert, dessen Boden mit “Silber” gestempelt ist. Die Randprägung bestätigt die Herstellung aus Feinsilber mit einem Feingehalt von 99,9 Prozent durch die Sächsische Münze.
Für Sammler ist die Unterscheidung zwischen den verschiedenen Varianten von besonderer Bedeutung. Verschiedene Münzstätten produzierten Varianten mit unterschiedlichen Randprägungen, etwa das Bayerische Hauptmünzamt mit der Markierung “BAYER. HAUPTMÜNZAMT.FEINSILBER”. Besondere Vorsicht ist geboten, da viele äußerlich ähnlich erscheinende Medaillen aus versilberter Bronze statt aus massivem Silber gefertigt wurden, was eine sorgfältige Authentifizierung erforderlich macht.
Gedenkmedaillen der Olympischen Spiele 1936 in Berlin bleiben aufgrund ihrer historischen Bedeutung und der Verbindung mit diesen kontroversen Olympischen Spielen sammelwürdig. Die nationalsozialistische Symbolik, insbesondere der bei einigen Varianten sichtbare Adler mit Hakenkreuz, macht diese Objekte zu Gegenständen von historischem Interesse, unterliegt jedoch in einigen Rechtsordnungen Sammlungsbeschränkungen.