Deutscher Reichskriegerbund Kyffhäuser ( DRKB ) - Schießauszeichnung in Bronze
Die Schießauszeichnung in Bronze des Deutschen Reichskriegerbundes Kyffhäuser (DRKB) stellt ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Veteranenkultur zwischen 1900 und 1933 dar. Diese Auszeichnung wurde an Mitglieder des Kyffhäuserbundes verliehen, die ihre Schießfertigkeit bei den regelmäßig durchgeführten Schießübungen unter Beweis stellten.
Der Deutsche Reichskriegerbund Kyffhäuser entstand 1900 durch den Zusammenschluss verschiedener deutscher Veteranenverbände und entwickelte sich zur größten Kriegervereinsorganisation im Deutschen Kaiserreich. Benannt nach dem legendenumwobenen Kyffhäuser-Berg in Thüringen, wo der Sage nach Kaiser Friedrich Barbarossa auf seine Wiederkehr wartet, symbolisierte der Bund die nationale Einheit und das monarchistische Selbstverständnis des wilhelminischen Deutschlands.
Die Organisation hatte mehrere zentrale Aufgaben: Die Pflege des Andenkens an die Gefallenen, die Unterstützung hilfsbedürftiger Veteranen und ihrer Familien sowie die Förderung der Wehrhaftigkeit durch regelmäßiges Schießtraining. Letzteres wurde als wichtiger Beitrag zur Landesverteidigung verstanden, da die ausgebildeten Reservisten im Kriegsfall schnell mobilisiert werden konnten.
Die Schießauszeichnungen wurden in verschiedenen Stufen vergeben, wobei Bronze die Einstiegsstufe darstellte. Höhere Auszeichnungen erfolgten in Silber und Gold, abhängig von den erreichten Schießleistungen und der Regelmäßigkeit der Teilnahme. Die Verleihungskriterien waren in den Satzungen des Bundes genau festgelegt und verlangten das Erreichen bestimmter Punktzahlen bei den Schießübungen.
Die vorliegende Auszeichnung zeigt die typische Gestaltung der ersten Form, die bis etwa 1914 verwendet wurde. Sie ist an einer langen Nadel befestigt, was das charakteristische Merkmal dieser frühen Verleihungsform darstellt. Die Nadel ermöglichte das Tragen der Auszeichnung an der Vereinsuniform oder der Zivilkleidung, besonders bei festlichen Anlässen und Gedenkfeiern.
Das Design dieser Schießauszeichnungen folgte einem typischen Muster: Sie zeigten üblicherweise gekreuzte Gewehre, Eichenlaub als Symbol deutscher Treue und Stärke, sowie häufig den Schriftzug des Bundes oder dessen Emblem. Die Bronzeausführung wurde in größerer Stückzahl produziert als die höheren Stufen, da sie die am häufigsten verliehene Auszeichnung darstellte.
Nach dem Ersten Weltkrieg bestand der Kyffhäuserbund in der Weimarer Republik fort und erreichte in den 1920er Jahren seine größte Mitgliederzahl von über vier Millionen Veteranen. Die Organisation vertrat dabei zunehmend nationalkonservative bis monarchistische Positionen und stand der Republik skeptisch gegenüber. Die Schießübungen und die Verleihung entsprechender Auszeichnungen wurden auch in dieser Zeit fortgesetzt, allerdings unter den Beschränkungen des Versailler Vertrages.
Die historische Bedeutung solcher Auszeichnungen liegt nicht nur in ihrer militärischen Funktion, sondern auch in ihrem soziokulturellen Kontext. Die Kriegervereine waren wichtige gesellschaftliche Institutionen im Deutschland der Kaiserzeit und der Weimarer Republik. Sie boten Veteranen eine Gemeinschaft, soziale Absicherung und die Möglichkeit, ihre militärische Identität auch im Zivilleben zu pflegen.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde der Kyffhäuserbund gleichgeschaltet und in das NS-System integriert. Die eigenständige Tradition der Organisation endete damit faktisch, auch wenn der Name formal weitergeführt wurde.
Heute sind solche Schießauszeichnungen wichtige militärhistorische Sammlerstücke, die Einblick in die Veteranenkultur des frühen 20. Jahrhunderts geben. Sie dokumentieren die Bedeutung paramilitärischer Traditionen in der deutschen Gesellschaft vor 1933 und sind Zeugnisse einer verschwundenen Epoche deutscher Geschichte.