Elastolin - Heer Pauker marschierend - 6 Stück in der originalen Verpackung
Die hier beschriebenen Elastolin-Figuren stellen marschierende Pauker (Trommler) der deutschen Wehrmacht-Heer dar und befinden sich in ihrer originalen Verpackung. Mit einer Größe von 7,5 cm gehören sie zur klassischen Standardgröße der Elastolin-Produktlinie, die das Unternehmen O. & M. Hausser aus Ludwigsburg über Jahrzehnte hinweg produzierte.
Die Firma Hausser und Elastolin
Die Gebrüder Otto und Max Hausser gründeten ihre Spielwarenfabrik im späten 19. Jahrhundert in Ludwigsburg, Württemberg. Der Markenname Elastolin entstand aus der Beschreibung des verwendeten Materials – einer elastischen, formbaren Masse aus Kasein, Leim, Kreide, Glyzerin und anderen Zusatzstoffen, die auf Drahtgestelle aufgebracht wurde. Dieses Material erwies sich als revolutionär für die Spielzeugherstellung, da es im Gegensatz zu Blei oder Zinn deutlich leichter und bruchsicherer war.
Ab den 1920er Jahren entwickelte sich Hausser zu einem der führenden Hersteller von Militär- und Zivilfiguren in Deutschland. Die Figuren wurden in verschiedenen Größen hergestellt, wobei die 7,5-cm-Serie die gebräuchlichste und erfolgreichste war. Diese Größe bot einen idealen Kompromiss zwischen Detailreichtum und spielpraktischer Handhabung.
Militärische Musikkorps und Pauker
Die Darstellung von Paukern (großen Trommeln) in der militärischen Spielzeugproduktion hat eine lange Tradition. In der deutschen Militärgeschichte spielten Musikkorps eine zentrale Rolle bei Paraden, Märschen und zeremoniellen Anlässen. Die Heeresmusikkorps der Wehrmacht bestanden aus verschiedenen Instrumentengruppen, wobei die Schlagzeuger – insbesondere die Pauker und Trommler – für den rhythmischen Marschschritt verantwortlich waren.
Nach der Heeresdienstvorschrift waren Musikkorps fester Bestandteil der Truppenorganisation. Sie dienten nicht nur der musikalischen Untermalung militärischer Veranstaltungen, sondern hatten auch eine wichtige Funktion für die Moral der Truppe und die Repräsentation nach außen. Die charakteristische Uniform der Musiker entsprach weitgehend der Grunduniform der jeweiligen Waffengattung, ergänzt durch besondere Kennzeichen wie Schwalbennester (Schulterstücke) und spezielle Tressen.
Elastolin-Produktion in der Vorkriegs- und Kriegszeit
In den 1930er Jahren erlebte die Produktion von Militärspielzeug einen enormen Aufschwung. Die Firma Hausser passte ihr Sortiment den zeitgenössischen militärischen Gegebenheiten an und produzierte detailgetreue Figuren der Wehrmacht, die 1935 offiziell gegründet wurde. Die Elastolin-Figuren zeigten verschiedene Waffengattungen, Dienstgrade und Tätigkeiten – von marschierenden Infanteristen über Offiziere bis hin zu Musikern wie den hier beschriebenen Paukern.
Die Figuren wurden einzeln von Hand bemalt, was jede zu einem kleinen Kunstwerk machte. Die Qualität der Bemalung variierte je nach Produktionszeitpunkt und wirtschaftlicher Lage. Vorkriegsfiguren zeichnen sich oft durch besonders sorgfältige Detailarbeit aus, während Kriegsproduktionen aufgrund von Materialmangel und Zeitdruck teilweise vereinfacht wurden.
Originalverpackungen
Besonders wertvoll für Sammler sind Figuren in ihrer originalen Verpackung. Die Hausser-Firma verwendete verschiedene Verpackungstypen: von einfachen Pappschachteln über Klarsichtboxen bis hin zu aufwendig gestalteten Verkaufskartons mit Firmenlogo und Produktinformationen. Sets mit mehreren identischen Figuren – wie die hier beschriebenen sechs Pauker – waren üblich, da sie es Kindern ermöglichten, realistische Formationen und Paraden nachzustellen.
Die Verpackungen trugen oft Hinweise auf die Figurengröße, die Anzahl der enthaltenen Stücke und manchmal auch eine Artikelnummer. Sie sind heute wichtige Dokumente für die Datierung und Authentifizierung von Elastolin-Figuren.
Sammlermarkt und historische Bedeutung
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion von Militärfiguren zunächst von den Alliierten untersagt. Ab den 1950er Jahren nahm Hausser die Produktion wieder auf, konzentrierte sich aber zunehmend auf zivile Themen und Wildwest-Figuren. Die Wehrmacht-Figuren wurden nicht mehr hergestellt, was die Vorkriegs- und Kriegsproduktionen zu begehrten Sammlerstücken machte.
Heute haben Elastolin-Figuren einen festen Platz in der Spielzeuggeschichte und werden von Sammlern weltweit geschätzt. Sie dokumentieren nicht nur die Entwicklung der Spielzeugindustrie, sondern auch die militärhistorischen und gesellschaftlichen Verhältnisse ihrer Entstehungszeit. Der Zustand 2 (auf einer Skala von 1 bis 6, wobei 1 neu/unbenutzt bedeutet) deutet auf sehr gut erhaltene Stücke mit minimalen Gebrauchsspuren hin.
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit solchen Objekten erfolgt heute im Kontext der Militaria-Forschung und der Kulturgeschichte des Spielzeugs, wobei die Figuren als Zeitdokumente und Beispiele handwerklicher Fertigung verstanden werden.