Herzogtum Braunschweig Kasket Modell 18 für Offiziere der Reitenden Artillerie

Eleganter Helm, um 1830. Hohe schwarze Lederglocke, komplett mit allen Beschlägen in feuervergoldeter Ausführung, oben über den Kamm laufende große prächtige Bärenfellraupe. Vorn großes ovales Helmemblem mit aufgelegter flammender Granate, darüber die Fürstenkrone, umlaufend vergoldete Kette mit 2 kleinen Löwenkopfaufhängungen, darunter das vergoldete Messingband mit Beschriftung "Artillerie". Die breiten vergoldeten Schuppenketten seitlich mit flammenden Granaten. Seitlich mit jeweils 2 vergoldeten Hiebspangen, der Vorder- und Nackenschirm mit vergoldeter Randeinfassung.  Auf der linken Seite die silbern/blaue Braunschweiger Offizierskokarde und die Halterung mit Flügelschraube für den großen original Federstutz aus weißen Kükenfedern.  Innen mit dem originalen gelaschten Lederfutter in Offiziersqualität. Der Helm ist nur leicht getragen in wunderschönem Originalzustand.
Extrem selten, weltweit ist kein weiteres Stück bekannt.
In der Regentschaft von Herzog Karl II. hatte die Braunschweigische Artillerie Batterie lediglich 150 Mann mit nur 4 Offizieren.
452272

Herzogtum Braunschweig Kasket Modell 18 für Offiziere der Reitenden Artillerie

Dieser prächtige Offiziershelm der Braunschweigischen Reitenden Artillerie repräsentiert eine bemerkenswerte Epoche deutscher Militärgeschichte. Als Raupenhelm – charakterisiert durch die große Bärenfellraupe, die über den Helmkamm verläuft – gehört er zu einem Helmtyp, der in verschiedenen deutschen Staaten getragen wurde und sich durch seine markante Erscheinung auszeichnete.

Die hohe schwarze Lederglocke des Helms ist vollständig mit feuervergoldeten Beschlägen ausgestattet. Das vordere ovale Helmemblem zeigt eine aufgelegte flammende Granate, darüber die Fürstenkrone, umgeben von einer vergoldeten Kette mit zwei kleinen Löwenkopfaufhängungen. Darunter befindet sich das vergoldete Messingband mit der Aufschrift “Artillerie”. Die breiten vergoldeten Schuppenketten an den Seiten sind mit flammenden Granaten verziert, und jede Seite weist zwei vergoldete Hiebspangen auf. Der Vorder- und Nackenschirm sind mit vergoldeter Randeinfassung versehen.

Auf der linken Seite trägt der Helm die silbern-blaue Braunschweiger Offizierskokarde sowie die Halterung mit Flügelschraube für den großen originalen Federstutz aus weißen Kükenfedern. Im Inneren findet sich das originale gelaschte Lederfutter in Offiziersqualität.

Der historische Kontext dieses Helms ist eng mit der Regentschaft von Herzog Karl II. von Braunschweig (1823-1830) verbunden. Karl II. erweiterte die Braunschweigischen Streitkräfte erheblich und verstärkte die Artillerie auf ungefähr 150 Artilleristen, im Vergleich zu den zuvor deutlich kleineren Formationen. Die Braunschweigische Artillerie-Batterie umfasste während seiner Herrschaft lediglich etwa 150 Mann mit nur vier Offizieren, was die außerordentliche Exklusivität dieses Offiziersstücks unterstreicht.

Die politische Lage jener Jahre war ausgesprochen turbulent. Herzog Karl II. erlebte die Julirevolution in Paris im Jahr 1830 persönlich mit. Kurz darauf wurde er im September 1830 in der Braunschweiger Revolution gestürzt, während der das Braunschweiger Schloss niederbrannte. Unter Karl II. wurde die Uniform von Schwarz zu Blau geändert, bevor sie 1850 wieder zu Schwarz zurückkehrte. Die Artillerie trug schwarze Uniformen, die den berühmten “Schwarzen Braunschweigern” (Schwarze Schar) von 1809-1815 ähnelten.

Das Herzogtum Braunschweig unterhielt seine eigenen Streitkräfte bis zur Militärkonvention mit Preußen am 18. März 1886, als die Braunschweiger Einheiten in die Preußische Armee integriert wurden. Der Raupenhelm wurde in Braunschweig mindestens ab 1839 getragen, bevor er 1866 durch das Käppi (Kappe) ersetzt wurde. Von 1872 bis 1886 trug die Braunschweiger Batterie innerhalb des Feldartillerie-Regiments Nr. 10 denselben Typ Jägertschako wie das Infanterie-Regiment Nr. 92.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Sammlungen von Braunschweiger Artefakten und Uniformen aus der napoleonischen Ära dem Braunschweigischen Landesmuseum übergeben. Der Raupenhelm als Typ wurde in verschiedenen deutschen Staaten, besonders in Bayern, von etwa 1800 bis 1886 getragen. Die Braunschweiger Artillerie verwendete diesen Helmtyp von mindestens 1839 bis 1866.

Dieser Helm verkörpert nicht nur die militärische Pracht einer deutschen Kleinstaatenarmee, sondern auch eine Epoche politischer Umbrüche und militärischer Tradition. Als eines von nur vier möglichen Offiziersexemplaren aus dieser kleinen Elite-Einheit stellt er ein außerordentlich seltenes Zeugnis braunschweigischer Militärgeschichte dar.

r