III. Reich Feldflasche für Parteiorganisationen
Die Feldflasche für Parteiorganisationen des Dritten Reiches stellt ein interessantes Beispiel der Ausrüstungsgegenstände dar, die für die verschiedenen paramilitärischen und politischen Organisationen der NSDAP produziert wurden. Diese Feldflaschen unterschieden sich in mehreren Details von den standardmäßigen Wehrmachtsmodellen und spiegelten die komplexe organisatorische Struktur des nationalsozialistischen Deutschlands wider.
Während der Herrschaft des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 existierte neben der regulären Wehrmacht eine Vielzahl von Parteiorganisationen, die eigene Uniformen und Ausrüstungsgegenstände benötigten. Zu diesen Organisationen gehörten unter anderem die SA (Sturmabteilung), die SS (Schutzstaffel), das NSKK (Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps), die HJ (Hitler-Jugend), der RAD (Reichsarbeitsdienst) und das NSFK (Nationalsozialistisches Fliegerkorps). Jede dieser Organisationen hatte spezifische Anforderungen an ihre Ausrüstung.
Die typische Feldflasche für Parteiorganisationen basierte grundsätzlich auf dem militärischen Vorbild, wies jedoch oft charakteristische Unterschiede auf. Das Fassungsvermögen betrug in der Regel 0,8 Liter, entsprechend den wehrmachtsüblichen Modellen. Der Flaschenkörper bestand aus emailliertem Stahlblech oder Aluminium und hatte die typische abgeflachte, nierenförmige Form, die eine bequeme Trageweise am Koppel ermöglichte.
Der Filzbezug, der die Feldflasche umgab, erfüllte mehrere praktische Funktionen. Er diente als Isolierung, um den Inhalt länger kühl oder warm zu halten, schützte die Emaillierung vor Beschädigungen und dämpfte Geräusche beim Marschieren. Die Farbe des Filzbezugs variierte je nach Organisation: Während die Wehrmacht überwiegend feldgraue Bezüge verwendete, konnten Parteiorganisationen auch braune oder andere Farbvarianten einsetzen. Der Filz wurde oft mit charakteristischen Prägungen oder Stempeln versehen, die die jeweilige Organisation kennzeichneten.
Der Lederriemen ermöglichte das Tragen der Feldflasche über der Schulter oder die Befestigung am Koppel. Diese Riemen waren in der Regel aus braunem oder schwarzem Leder gefertigt und mit verstellbaren Schnallen ausgestattet. Die Qualität und Verarbeitung der Riemen konnte je nach Herstellungszeitpunkt und verfügbaren Materialien variieren, besonders gegen Kriegsende, als Materialknappheit zu Qualitätseinbußen führte.
Die Produktion solcher Ausrüstungsgegenstände erfolgte durch eine Vielzahl von zivilen Herstellern, die Aufträge von den verschiedenen Parteiorganisationen erhielten. Im Gegensatz zu Wehrmachtsgegenständen, die oft mit WaA (Waffenamt)-Stempeln versehen waren, trugen Gegenstände für Parteiorganisationen häufig andere Kennzeichnungen oder Herstellermarken. Die RZM (Reichszeugmeisterei), gegründet 1929, war für die Standardisierung und Qualitätskontrolle von NSDAP-Ausrüstungsgegenständen zuständig und vergab entsprechende Lizenznummern an autorisierte Hersteller.
Der Reichsarbeitsdienst, der ab 1935 für alle jungen Deutschen verpflichtend war, benötigte große Mengen an Ausrüstung, einschließlich Feldflaschen. Die RAD-Angehörigen trugen ihre charakteristischen braunen Uniformen und führten bei Arbeitseinsätzen und Lagern standardisierte Ausrüstung mit sich. Ähnlich verhielt es sich mit der Hitler-Jugend, deren Mitglieder bei Lagern, Märschen und Geländeübungen mit feldflaschenähnlicher Ausrüstung versehen wurden.
Die SA, die in den frühen Jahren des Regimes eine bedeutende Rolle spielte, verfügte über eigene Ausrüstungsstandards. Nach der sogenannten “Nacht der langen Messer” im Juni 1934 verlor die SA jedoch erheblich an Einfluss, während die SS unter Heinrich Himmler an Bedeutung gewann. Die SS entwickelte mit der Zeit eigene, oft qualitativ hochwertigere Ausrüstungsstandards.
Im Kontext der Militaria-Sammlung ist es wichtig zu verstehen, dass solche Gegenstände Zeugnisse einer dunklen Epoche deutscher Geschichte darstellen. Ihr historischer und musealer Wert liegt in ihrer Funktion als Sachzeugen, die zur Dokumentation und kritischen Auseinandersetzung mit der NS-Zeit beitragen. Die Erhaltung solcher Objekte in Sammlungen und Museen dient der historischen Bildung und Erinnerungskultur.
Der beschriebene Zustand mit beschädigtem Filzbezug ist typisch für erhaltene Exemplare, da der Filz als organisches Material besonders anfällig für Verschleiß, Mottenfraß und Feuchtigkeit ist. Viele dieser Feldflaschen wurden nach Kriegsende entsorgt oder ihrer Kennzeichnungen entledigt, was vollständig erhaltene Exemplare heute zu dokumentarisch wertvollen Objekten macht.