III. Reich - Kampf um's Dritte Reich - Eine historische Bilderfolge - Zigaretten Sammelbilderalbum
Das vorliegende Zigaretten-Sammelbilderalbum mit dem Titel “Kampf um's Dritte Reich - Eine historische Bilderfolge” wurde 1933 vom Zigaretten-Bilderdienst in Altona-Bahrenfeld herausgegeben und stellt ein bemerkenswertes Beispiel nationalsozialistischer Propaganda im Alltagsmedium dar.
Die Zigarettenbilderalben entwickelten sich bereits Ende des 19. Jahrhunderts zu einem populären Sammelmedium in Deutschland. Tabakfirmen begannen, ihren Zigarettenpackungen kleine Sammelbilder beizulegen, die zu vollständigen Alben zusammengetragen werden konnten. Diese Marketing-Strategie erwies sich als äußerst erfolgreich und führte zur Produktion von Alben zu vielfältigsten Themen - von Natur und Technik über Sport bis hin zu historischen und politischen Inhalten.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 wurde dieses populäre Medium schnell für propagandistische Zwecke instrumentalisiert. Das Jahr 1933 markierte einen grundlegenden Wendepunkt in der deutschen Geschichte und Medienlandschaft. Die neuen Machthaber erkannten rasch die Bedeutung der Massenkommunikation für ihre politischen Ziele und setzten sämtliche verfügbare Medien - vom Film über das Radio bis hin zu Alltagsgegenständen wie Sammelbildern - zur Verbreitung ihrer Ideologie ein.
Der Zigaretten-Bilderdienst Altona-Bahrenfeld war einer von mehreren Herausgebern, die sich auf die Produktion solcher Sammelalben spezialisierten. Das Unternehmen war im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld ansässig, einem traditionellen Industriegebiet. Die Produktion dieser Alben erfolgte in hohen Auflagen und war professionell gestaltet, mit kolorierten Bildern und erklärenden Texten.
Das Album “Kampf um's Dritte Reich” präsentierte die Aufstiegsgeschichte der NSDAP aus ihrer eigenen, stark verzerrten Perspektive. Solche Alben dienten dazu, die nationalsozialistische Bewegung zu heroisieren und ihre Machtübernahme als historisch notwendig und volksnah darzustellen. Die “historische Bilderfolge” im Untertitel deutet auf eine chronologische Darstellung hin, die vermutlich die Jahre der Weimarer Republik, die Wirtschaftskrise und den vermeintlichen “Kampf” der NSDAP um die Macht umfasste.
Die Sammelbilder-Propaganda war besonders effektiv, weil sie mehrere psychologische Mechanismen kombinierte: den Sammeltrieb, die regelmäßige Beschäftigung mit dem Material beim Einkleben und Ordnen, sowie die Integration politischer Botschaften in den Alltag. Das Format war niedrigschwellig zugänglich und erreichte alle Bevölkerungsschichten. Rauchen war in den 1930er Jahren weit verbreitet, und das Sammeln der Bilder wurde zu einer Familienaktivität, wodurch propagandistische Inhalte auch Kinder und Jugendliche erreichten.
Das vorliegende Exemplar ist mit 92 Seiten als Großformat ausgeführt und bietet entsprechend umfangreichen Platz für Bilder und begleitende Texte. Der kartonierte Einband war typisch für solche Massenproduktionen - stabil genug für den Gebrauch, aber kostengünstig in der Herstellung. Der Zustand “2-” nach antiquarischer Bewertungsskala deutet auf leichte Gebrauchsspuren hin, was bei fast 90 Jahre alten Objekten durchaus erwartbar ist. Die Tatsache, dass das Album nicht komplett ist, spiegelt das Schicksal vieler solcher Sammelalben wider - nicht alle Besitzer erlangten vollständige Serien der Bilder.
Aus historischer Perspektive sind solche Objekte heute wichtige Quellen zur Erforschung nationalsozialistischer Alltagspropaganda. Sie dokumentieren, wie das NS-Regime systematisch versuchte, seine Ideologie in alle Lebensbereiche zu tragen. Gleichzeitig zeigen sie die professionelle Qualität der Propaganda-Maschinerie und deren Verständnis für massenpsychologische Mechanismen.
Nach 1945 wurden viele dieser Alben vernichtet oder verschwanden aus dem öffentlichen Bewusstsein. Heute werden sie von Sammlern, Museen und Forschungseinrichtungen als historische Dokumente bewahrt. Ihr Wert liegt nicht in einer Glorifizierung der dargestellten Inhalte, sondern in ihrem Zeugniswert für die Propagandamethoden totalitärer Systeme. Sie dienen der historischen Bildung und Aufklärung über die Mechanismen politischer Manipulation und ideologischer Indoktrination.