Lippe-Detmold Pickelhaube, Schabracke und Depechentasche aus dem Besitz des Flügeladjutanten Oberst von Malachowski

Um 1910. Pickelhaube für Flügeladjutanten, um 1910. Schwarzer Lederhelm in der Ausführung ähnlich dem der preußischen Generale à a Suite, komplett mit versilberten Beschlägen. Großer Gardeadler mit mi Devise "Mit Gott für Koenig und Vaterland", mit aufgelegtem hochgewölbten silbernem Stern, im Zentrum die vergoldete Lippische Rose. Kreuzblattbeschlag mit versilberten Sternschrauben und hoher gekehlter Spitze. Gewölbte echt silberne Schuppenkette  mit versilberten Rosetten, beide Kokarden, links die gelb/rot/gelbe Landeskokarde für Lippe. Innen mit hellem Schweißleder und rosa Seidenfutter, innen mit großem Etikett "von Malachowski Flügeladjutant d. Fürsten zur Lippe", der Vorderschirm grün, der Nackenschirm rot gefüttert. Innen im Schweißleder eine alte Inventarnummer "R 59". Der Helm ist deutlich getragen, auf dem Helm oben 2 kleine Löchlein in der Helmglocke. 
Die Schabracke/Satteldecke aus dunkelblauem Tuch mit breiter umlaufender Silberborte,in den hinteren Ecken jeweils aufgelegt die silberne Fürstenkrone über der Lippischen Rose. Typische Gebrauchs- und Altersspuren, Zustand 2. Dazu die Depeschentasche aus braunem Leder, von auf der Klappe in Gold geprägte Fürstenkrone über "Fürstlicher Flügeladjutant". Dazu noch 3 Einladungskarten für ein Gala-Dinner im Fürstlichen Residenz Schlosse sowie ein Briefbogen für den Flügeladjutanten Oberst von Malachowski.

Extrem selten, uns ist kein weiterer Nachlass eines fürstlich Lippischen Flügeladjutanten bekannt.
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Lippe-Detmold Pickelhaube, Schabracke und Depechentasche aus dem Besitz des Flügeladjutanten Oberst von Malachowski

Die hier vorliegende Sammlung repräsentiert eine der seltensten Überlieferungen höfischer Militaria aus dem deutschen Kaiserreich: die persönliche Ausstattung eines Flügeladjutanten des Fürsten zur Lippe. Das Fürstentum Lippe war einer der kleinsten souveränen Staaten des Deutschen Reiches von 1871 bis 1918, mit einer Bevölkerung von etwa 150.000 Einwohnern. Zwischen der Weser und dem Teutoburger Wald im nordwestlichen Deutschland gelegen, hatte das Fürstentum seine Hauptstadt in Detmold. Leopold I. wurde 1789 der erste Fürst von Lippe, als das Territorium von einer Grafschaft zu einem Fürstentum erhoben wurde.

Während der Kaiserzeit verfügte Lippe nur über minimale Streitkräfte. Nach 1867 wurde das kleine Fürstentum in das preußische Armeesystem integriert, wobei lippische Soldaten hauptsächlich im 55. (6. Westfälischen) Infanterie-Regiment dienten. Dennoch behielt Lippe seine höfische Struktur und fürstlichen Vorrechte bei. Die Zeit um 1910, aus der diese Objekte stammen, fiel in die Regierungszeit von Leopold IV., der von 1905 bis 1918 regierte. Er stammte aus der Linie Lippe-Biesterfeld und sollte der letzte regierende Fürst von Lippe werden.

Die Position des Flügeladjutanten war weit mehr als ein gewöhnlicher Stabsoffiziersposten. Ein Flügeladjutant war der persönliche Adjutant eines Souveräns, ein Offizier, der sich im unmittelbaren Umfeld des Herrschers bewegte und Kommunikation, Eskortdienste, Terminplanung und zeremonielle Pflichten übernahm. Solche Hofernennungen waren operationale Instrumente der Nähe, des Zugangs und der Autorität in den deutschen Fürstenstaaten, wobei diese Positionen trotz der geringen Größe und begrenzten militärischen Macht Lippes erhebliches Prestige mit sich brachten.

Der hier dokumentierte Träger war Oberst von Malachowski, wie die Etikettierung im Helm ausweist: “von Malachowski Flügeladjutant d. Fürsten zur Lippe”. Die Familie von Malachowski war eine bedeutende preußische Militärfamilie. Die Forschung belegt, dass Karl Friedrich Adolph von Malachowski und Griffa (1783-1844), ein preußischer Generalleutnant, ab 1816 als Flügeladjutant bei König Friedrich Wilhelm III. von Preußen diente. Der lippische Flügeladjutant Oberst von Malachowski stammte offenbar aus derselben distinguierten Militärfamilie und stand im Dienste des Fürsten Leopold IV.

Die Pickelhaube selbst stellt eine seltene Variante für Flügeladjutanten des Fürsten von Lippe dar, ausgeführt in einem Stil ähnlich dem preußischer Generale à la Suite, jedoch mit lippe-spezifischen heraldischen Elementen. Der schwarze Lederhelm weist versilberte Beschläge auf, darunter einen großen Gardeadler mit der Devise “Mit Gott für Koenig und Vaterland”, überlagert von einem hochgewölbten silbernen Stern mit der vergoldeten Lippischen Rose im Zentrum. Die gelb-rot-gelbe Landeskokarde auf der linken Seite identifiziert eindeutig die Zugehörigkeit zu Lippe. Die echte silberne Schuppenkette, das rosa Seidenfutter und die grün gefütterte Vorderschirm sowie rot gefütterte Nackenschirm unterstreichen den höfischen Charakter dieser Kopfbedeckung.

Die Schabracke aus dunkelblauem Tuch mit breiter umlaufender Silberborte diente zeremoniellen und Paradezwecken für berittene Dienste. An den hinteren Ecken zeigt sie jeweils die silberne Fürstenkrone über der Lippischen Rose. Die Depeschentasche aus braunem Leder, mit einer goldgeprägten Fürstenkrone über der Inschrift “Fürstlicher Flügeladjutant”, diente dem Transport offizieller Korrespondenz.

Die Produktionsmengen für Flügeladjutanten-Ausstattung aus kleinen deutschen Staaten wie Lippe waren extrem begrenzt. Solche Objekte wurden nicht zu Zehntausenden für jährliche Rekrutierungen hergestellt, sondern in vergleichsweise begrenzter Zahl für einen engen Kreis von Offizieren, deren Rollen per Definition elitär waren. Das Auktionshaus vermerkt: “Extrem selten, uns ist kein weiterer Nachlass eines fürstlich Lippischen Flügeladjutanten bekannt.”

Das Fürstentum Lippe endete am 12. November 1918 mit der Abdankung Leopolds IV. nach Deutschlands Niederlage im Ersten Weltkrieg. Das Fürstentum wurde zum Freistaat Lippe innerhalb der Weimarer Republik. 1947 wurde Lippe in das Bundesland Nordrhein-Westfalen eingegliedert. Die Position des Flügeladjutanten hörte mit dem Ende der Monarchie 1918 auf zu existieren. Diese Objekte überlebten als persönliche Nachlasssammlung und gelangten schließlich auf den Militaria-Sammlermarkt, wo sie als außergewöhnliche Überlieferung von historischer Bedeutung gelten.

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