Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund ( NSDStB ) - Ernteeinsatz in Ostpreussen 1939 " Einsatz im Osten ist Ehrendienst "
Historischer Kontext: NSDStB-Abzeichen "Ernteeinsatz in Ostpreußen 1939"
Das vorliegende Abzeichen dokumentiert einen bedeutsamen Aspekt der nationalsozialistischen Studentenpolitik am Vorabend des Zweiten Weltkriegs. Der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund (NSDStB) wurde 1926 gegründet und entwickelte sich zur dominierenden Studentenorganisation im Deutschen Reich nach der Machtergreifung 1933.
Der NSDStB und seine Rolle
Der NSDStB war eine Gliederung der NSDAP und hatte die Aufgabe, die deutsche Studentenschaft ideologisch auszurichten und zu kontrollieren. Unter der Führung von Baldur von Schirach und später anderen Funktionären erreichte der Bund bereits vor 1933 erheblichen Einfluss an deutschen Universitäten. Nach der Gleichschaltung wurde die Mitgliedschaft faktisch obligatorisch für Studenten, die eine akademische Karriere anstrebten.
Ernteeinsätze als Teil der NS-Arbeitspolitik
Die Organisation von Ernteeinsätzen war ein zentrales Element der nationalsozialistischen Arbeits- und Gemeinschaftsideologie. Das Konzept des "Ehrendienstes" sollte die traditionelle Trennung zwischen intellektueller und körperlicher Arbeit aufheben und entsprach der NS-Vorstellung einer "Volksgemeinschaft". Studenten wurden regelmäßig zu landwirtschaftlichen Arbeiten herangezogen, was als charakterbildend und der akademischen Überheblichkeit entgegenwirkend propagiert wurde.
Ostpreußen 1939 - Strategische Bedeutung
Das Jahr 1939 markiert eine besondere historische Zäsur. Ostpreußen war als vom restlichen Reichsgebiet durch den polnischen Korridor getrennte Provinz von besonderer symbolischer und strategischer Bedeutung. Der Ernteeinsatz im Sommer 1939 fand in einer Zeit statt, als Deutschland bereits konkrete Kriegsvorbereitungen traf. Der Überfall auf Polen begann am 1. September 1939, und die landwirtschaftliche Arbeitskraft wurde durch die beginnende Mobilmachung zusätzlich knapp.
Die Parole "Einsatz im Osten ist Ehrendienst" erhält vor diesem Hintergrund eine doppelte Bedeutung: Sie betonte einerseits die vermeintlich ehrenvolle Arbeit für die Gemeinschaft, kündigte aber andererseits bereits die spätere aggressive "Ostpolitik" des Regimes an. Der Begriff "Osten" war im NS-Sprachgebrauch ideologisch hochaufgeladen und verband sich mit Vorstellungen von "Lebensraum" und Expansion.
Herstellung und Material
Das Abzeichen wurde von der Firma Paulmann & Crone aus Lüdenscheid hergestellt, einem der zahlreichen Unternehmen, die während der NS-Zeit Orden, Ehrenzeichen und Abzeichen produzierten. Lüdenscheid hatte sich bereits im Kaiserreich als Zentrum der Metallwarenindustrie etabliert. Das Material Cupal (eine Kupfer-Aluminium-Legierung) war ein häufig verwendetes Material für Abzeichen, da es kostengünstig, leicht zu bearbeiten und relativ korrosionsbeständig war. Die Tönung verlieh dem Abzeichen ein bronzeartiges Aussehen.
Funktion und Bedeutung
Solche Abzeichen dienten mehreren Zwecken: Sie waren sichtbare Auszeichnungen für die Teilnahme an bestimmten Aktionen, stärkten das Zusammengehörigkeitsgefühl und dienten der Selbstdarstellung. Träger konnten damit ihre Systemloyalität und ihren "Einsatz für die Volksgemeinschaft" demonstrieren. Das Abzeichen wurde an der Nadel getragen, typischerweise an der Zivilkleidung.
Historische Einordnung
Die Ernteeinsätze 1939 waren die letzten vor Kriegsausbruch unter relativ friedlichen Bedingungen. In den Folgejahren wurden studentische Arbeitseinsätze zunehmend militarisiert und mit dem Kriegsgeschehen verknüpft. Viele Studenten wurden bald darauf eingezogen, und die Universitäten verloren drastisch an Studentenzahlen.
Nach 1945 wurden alle NS-Organisationen einschließlich des NSDStB aufgelöst. Solche Abzeichen besitzen heute ausschließlich historischen Dokumentationswert und unterliegen in Deutschland den Bestimmungen des Strafgesetzbuches §86a, der die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen regelt, wobei Ausnahmen für Kunst, Wissenschaft, Forschung und Lehre bestehen.
Das Abzeichen bleibt ein materielles Zeugnis der durchdringenden Ideologisierung des studentischen Lebens im Nationalsozialismus und der systematischen Einbindung der akademischen Jugend in die politischen und wirtschaftlichen Ziele des Regimes.