WHW - Gau 41 : Wien - 5. KWHW 1942/43 - 23./24.01.1943

" Wiener Operetten ", komplette Serie von 7 farbig glasierten Keramikabzeichen, Zustand 2.
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45,00

WHW - Gau 41 : Wien - 5. KWHW 1942/43 - 23./24.01.1943

Das vorliegende Objekt ist eine komplette Serie von sieben farbig glasierten Keramikabzeichen aus dem Winterhilfswerk (WHW), die während des 5. Kriegswinterhilfwerks 1942/43 im Gau Wien (Gau 41) am 23./24. Januar 1943 ausgegeben wurden. Die Serie trägt das Thema “Wiener Operetten” und repräsentiert ein bedeutendes Beispiel für die nationalsozialistische Propagandastrategie und Spendenwerbung während des Zweiten Weltkriegs.

Das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes wurde im September 1933 gegründet und entwickelte sich zu einer der größten Wohlfahrtsorganisationen im nationalsozialistischen Deutschland. Offiziell sollte das WHW bedürftige “Volksgenossen” während der Wintermonate mit Lebensmitteln, Kohle, Kleidung und anderen lebensnotwendigen Gütern versorgen. In der Praxis diente es jedoch primär als Propagandainstrument und zur Mobilisierung der Bevölkerung im Sinne der nationalsozialistischen Volksgemeinschaftsideologie.

Die Spendenabzeichen spielten eine zentrale Rolle in der WHW-Kampagne. Gegen eine Spende erhielten die Bürger kleine Anstecknadeln, Abzeichen oder andere Erinnerungsstücke, die sie sichtbar tragen sollten. Dies diente nicht nur der Spendenakquise, sondern auch der sozialen Kontrolle – wer kein Abzeichen trug, machte sich verdächtig, nicht zur “Volksgemeinschaft” beizutragen. Die Abzeichen wurden in verschiedenen Materialien hergestellt: Metall, Holz, Glas, Pappe und – wie im vorliegenden Fall – Keramik.

Der Gau Wien (Gau 41) war nach dem “Anschluss” Österreichs im März 1938 einer der NSDAP-Verwaltungsbezirke. Wien hatte als ehemalige Reichshauptstadt und kulturelles Zentrum eine besondere Bedeutung. Die Wahl des Themas “Wiener Operetten” für diese WHW-Serie war daher programmatisch: Sie sollte die kulturelle Identität Wiens betonen und gleichzeitig die Integration Österreichs in das “Großdeutsche Reich” symbolisieren.

Das 5. Kriegswinterhilfwerk 1942/43 fand in einer kritischen Phase des Zweiten Weltkriegs statt. Der Krieg hatte sich nach der Schlacht von Stalingrad, die nahezu zeitgleich mit dieser WHW-Sammlung stattfand, dramatisch gegen Deutschland gewendet. Die Propaganda bemühte sich umso mehr, die Moral der Heimatfront aufrechtzuerhalten. Kulturelle Themen wie die Wiener Operette sollten Normalität suggerieren und von den militärischen Rückschlägen ablenken.

Die Wiener Operette hatte im 19. und frühen 20. Jahrhundert ihre Blütezeit erlebt. Komponisten wie Johann Strauß (Sohn), Franz Lehár, Emmerich Kálmán und Oscar Straus schufen weltberühmte Werke. Die Nationalsozialisten standen der Operette ambivalent gegenüber: Einerseits galt sie als zu seicht und “undeutsch”, andererseits war sie beim Publikum äußerst beliebt. Viele Operettenkomponisten waren jüdischer Herkunft, was zu Aufführungsverboten führte. Dennoch wurden bestimmte Werke weiterhin gespielt, da sie für die Unterhaltung und Ablenkung der Bevölkerung als nützlich erachtet wurden.

Die keramischen Abzeichen wurden in spezialisierten Manufakturen hergestellt. Die farbige Glasur erforderte handwerkliches Können und mehrere Brennvorgänge. Die Verwendung von Keramik während des Krieges war bemerkenswert, da viele Rohstoffe knapp waren und für die Rüstungsindustrie benötigt wurden. Dies unterstreicht die propagandistische Bedeutung, die dem WHW beigemessen wurde – selbst in Zeiten größter materieller Not wurden Ressourcen für diese Sammelaktionen bereitgestellt.

Die Ausgabe am 23./24. Januar 1943 fiel in die Zeit der intensivsten Straßensammlungen. An diesen Wochenenden wurden die Bürger systematisch zur Spende aufgefordert. Sammler mit Büchsen gingen von Tür zu Tür, standen an öffentlichen Plätzen und in Verkehrsmitteln. Die soziale Erwartung zu spenden war enorm, und Verweigerung konnte durchaus Konsequenzen nach sich ziehen.

Heute sind diese WHW-Abzeichen bedeutende zeithistorische Dokumente. Sie illustrieren die Durchdringung des Alltags durch nationalsozialistische Propaganda und die Instrumentalisierung von Kultur und Wohltätigkeit für politische Zwecke. Sammler und Museen bewahren diese Objekte als Zeugnisse einer dunklen Epoche deutscher Geschichte. Die vorliegende Serie im Zustand 2 (sehr gut erhalten) ist von besonderem sammlerischen und wissenschaftlichen Wert, da komplette Serien seltener sind als Einzelstücke.

Die Beschäftigung mit solchen Objekten erfordert historische Sensibilität. Sie sind keine harmlosen Sammlerstücke, sondern Relikte eines totalitären Systems. Ihre Erforschung und Dokumentation dient dem Verständnis der Mechanismen von Propaganda und gesellschaftlicher Kontrolle im Nationalsozialismus.

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