Bayern Artillerie Extra-Säbel für Mannschaften .

Ausführung in der Art des "Husarensäbel M1813", das heißt, mit einfachem aber breitem Parierbügel, dieser innen mit graviertem Trägernamen "G.Rauh", unbeschädigter Kunststoffgriff, leicht gekrümmte Klinge mit beidseitigem Treuebandeau, dieses nur sehr schwach geätzt, auf der Fehlschärfe gemarkt "W.K. & C.", schwarz lackierte Stahlscheide mit einem Tragering, gebraucht, mit normalen Altersspuren, sonst aber in guter Erhaltung. Zustand 2-
484173
450,00

Bayern Artillerie Extra-Säbel für Mannschaften .

Der bayerische Artillerie-Extra-Säbel für Mannschaften repräsentiert einen faszinierenden Aspekt der militärischen Ausrüstung des Königreichs Bayern im 19. Jahrhundert. Dieses Exemplar folgt der Konstruktion des Husarensäbels M1813, eines Designs, das während der Befreiungskriege gegen Napoleon entwickelt wurde und sich durch seine Praktikabilität und Robustheit auszeichnete.

Die bayerische Armee reorganisierte sich nach den napoleonischen Kriegen grundlegend. Das Königreich Bayern, das 1806 von Napoleons Gnaden zum Königreich erhoben worden war, musste nach 1813 seine militärischen Strukturen neu ausrichten. Die Artillerie spielte dabei eine zunehmend wichtige Rolle, und die Bewaffnung der Artilleriemannschaften wurde entsprechend angepasst. Während Artilleristen primär für den Betrieb der Geschütze zuständig waren, benötigten sie dennoch Seitenwaffen zur Selbstverteidigung, insbesondere wenn feindliche Kavallerie oder Infanterie die Geschützstellungen bedrohte.

Der einfache aber breite Parierbügel dieses Säbels ist charakteristisch für die praktische Ausrichtung der Mannschaftswaffen. Im Gegensatz zu den aufwendig gestalteten Offiziersäbeln mit ihren komplexen Stichblättern und Dekorationen waren die Mannschaftssäbel funktional gestaltet. Der Parierbügel bot ausreichenden Schutz für die Hand, ohne unnötigen Aufwand in der Herstellung zu erfordern.

Die Gravur "G. Rauh" im Inneren des Parierbügels ist ein typisches Merkmal dieser Epoche. Soldaten wurden häufig verpflichtet oder ermutigt, ihre Ausrüstung zu kennzeichnen, um Verwechslungen in der Kaserne oder im Feld zu vermeiden. Diese persönliche Gravur macht den Säbel zu einem individuellen Zeugnis eines bayerischen Artilleristen, dessen Name über die Jahrhunderte hinweg erhalten geblieben ist.

Der Kunststoffgriff ist bemerkenswert und deutet auf eine spätere Produktion oder Restaurierung hin. Während traditionelle Säbel des frühen 19. Jahrhunderts üblicherweise Griffe aus Holz, Horn oder Leder aufwiesen, wurden gegen Ende des Jahrhunderts und im frühen 20. Jahrhundert zunehmend frühe Kunststoffe wie Galalith oder Bakelit verwendet. Dies könnte darauf hindeuten, dass dieser Säbel entweder in der späteren Phase seiner Verwendung modernisiert wurde oder dass es sich um eine spätere Produktionsvariante handelt.

Die leicht gekrümmte Klinge mit beidseitigem Treuebandeau ist ein klassisches Merkmal bayerischer Militärsäbel. Das Treuebandeau, auch wenn nur schwach geätzt, trug typischerweise patriotische Inschriften oder Symbole der bayerischen Monarchie. Diese Ätzungen dienten nicht nur dekorativen Zwecken, sondern sollten auch die Loyalität der Truppen zum Herrscherhaus der Wittelsbacher stärken.

Die Markierung "W.K. & C." auf der Fehlschärfe identifiziert den Hersteller. Solche Herstellermarkierungen sind für die historische Forschung von großem Wert, da sie Rückschlüsse auf Produktionsstätten, Zeiträume und Qualitätsstandards ermöglichen. Zahlreiche Waffenschmieden und Manufakturen in Süddeutschland, insbesondere in Solingen und anderen traditionellen Zentren der Klingenherstellung, belieferten die bayerische Armee.

Die schwarze lackierte Stahlscheide mit einem Tragering entspricht der standardisierten Ausrüstung für Artilleriemannschaften. Die schwarze Lackierung diente dem Korrosionsschutz und war zudem praktisch, da sie Schmutz und Abnutzung weniger sichtbar machte. Der einzelne Tragering deutet auf eine spezifische Trageweise hin, die für Artilleristen typisch war, die ihre Säbel während der Arbeit an den Geschützen nicht ständig am Gürtel tragen konnten.

Die Bezeichnung "Extra-Säbel" weist darauf hin, dass es sich möglicherweise um eine spezielle Ausgabe oder eine zusätzliche Bewaffnung handelte. In der bayerischen Militärterminologie konnte dies verschiedene Bedeutungen haben, etwa eine besondere Qualitätsstufe, eine Auszeichnung für verdiente Mannschaften oder eine zusätzliche Ausrüstung für bestimmte Verwendungen.

Die bayerische Artillerie entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einer der modernsten und effektivsten in Europa. Die Ausbildung der Mannschaften war umfassend und schloss neben der Bedienung der Geschütze auch den Nahkampf ein. Der Säbel war dabei mehr als nur ein symbolisches Attribut; er war eine notwendige Waffe für den Ernstfall.

Der Erhaltungszustand dieses Exemplars mit "normalen Altersspuren" zeugt von seiner authentischen Verwendung. Die Gebrauchsspuren erzählen die Geschichte eines Objekts, das tatsächlich im militärischen Dienst stand und nicht nur zu repräsentativen Zwecken hergestellt wurde. Solche Originale sind heute wichtige Quellen für die militärhistorische Forschung und gefragte Sammlerstücke.