Deutsche Reichspost - Schmucktelegramm Blumenschmuck von Hanns Bastanier
Das Schmucktelegramm der Deutschen Reichspost mit Blumenschmuck von Hanns Bastanier aus dem Jahr 1931 repräsentiert eine faszinierende Facette der deutschen Post- und Kommunikationsgeschichte während der Weimarer Republik. Obwohl dieses Objekt nicht streng militärischer Natur ist, spiegelt es die zivile Infrastruktur wider, die auch für militärische Kommunikation von Bedeutung war.
Die Deutsche Reichspost war seit ihrer Gründung 1871 die staatliche Post- und Telekommunikationsbehörde des Deutschen Reiches. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Novemberrevolution 1918 setzte die Reichspost ihre Tätigkeit in der neu gegründeten Weimarer Republik fort. In den 1920er und frühen 1930er Jahren erlebte die Telegrafie in Deutschland eine Blütezeit, da sie das schnellste verfügbare Kommunikationsmittel für dringende Nachrichten darstellte.
Schmucktelegramme waren eine besondere Form des Telegramms, die nicht nur der reinen Nachrichtenübermittlung diente, sondern auch ästhetischen und repräsentativen Zwecken. Die Reichspost führte verschiedene künstlerisch gestaltete Vordrucke ein, die für besondere Anlässe wie Geburtstage, Hochzeiten, Jubiläen oder Glückwünsche verwendet wurden. Diese Telegramme wurden auf hochwertigem Papier gedruckt und mit aufwendigen Illustrationen, Ornamenten und künstlerischen Motiven verziert.
Hanns Bastanier (1890-1973) war ein bedeutender deutscher Grafiker und Illustrator, der in der Zwischenkriegszeit durch seine floralen und dekorativen Arbeiten bekannt wurde. Seine Entwürfe für die Reichspost zeichneten sich durch elegante Blumenmotive und Jugendstil-beeinflusste Ornamentik aus. Bastanier arbeitete für verschiedene Verlage und staatliche Institutionen und trug wesentlich zur visuellen Kultur der Weimarer Republik bei.
Das vorliegende Exemplar datiert auf den 13. September 1931, eine Zeit großer politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit in Deutschland. Die Weltwirtschaftskrise hatte das Land mit voller Wucht getroffen, die Arbeitslosigkeit war dramatisch gestiegen, und die politische Radikalisierung nahm zu. Dennoch funktionierte die Reichspost als staatliche Institution weiterhin zuverlässig und bot ihre Dienstleistungen an, einschließlich der luxuriöseren Schmucktelegramme für jene, die sie sich noch leisten konnten.
Das DIN A4-Doppelblatt-Format war für Schmucktelegramme üblich. Die Nachricht wurde auf der Innenseite des gefalteten Blattes angebracht, während die Außenseite die künstlerische Gestaltung zeigte. Dies ermöglichte eine würdige Präsentation der übermittelten Botschaft und machte das Telegramm zu einem Erinnerungsstück, das oft aufbewahrt wurde.
Aus militärhistorischer Perspektive ist die Reichspost von besonderem Interesse, da sie eng mit der militärischen Kommunikationsinfrastruktur verbunden war. Während des Ersten Weltkriegs hatte die Post eine zentrale Rolle bei der Nachrichtenübermittlung gespielt, sowohl an der Front als auch in der Heimat. Die Feldpost war ein eigenes System innerhalb der Reichspost gewesen, das speziell für militärische Zwecke organisiert wurde.
In der Weimarer Republik blieb die Verbindung zwischen Post- und Militärwesen bestehen, wenn auch in reduzierter Form. Die durch den Versailler Vertrag auf 100.000 Mann beschränkte Reichswehr nutzte die zivile Kommunikationsinfrastruktur, einschließlich des Telegrafennetzes. Die Reichspost unterstand dem Reichspostministerium, das auch für strategische Kommunikationsplanung zuständig war.
Die technische Entwicklung der Telegrafie in dieser Zeit war beachtlich. Die Reichspost betrieb ein umfangreiches Netz von Telegrafenämtern, die durch Überlandleitungen und Kabel miteinander verbunden waren. Die Übermittlung erfolgte anfangs noch mechanisch über Morseapparate, zunehmend aber auch über modernere Fernschreiber. Ein Schmucktelegramm musste zunächst telegrafisch übermittelt und dann im Empfangsamt auf das vorgedruckte Formular übertragen werden.
Der Zustand 2 des vorliegenden Exemplars deutet auf eine gute Erhaltung hin. In der Sammlerwelt wird der Zustand von Dokumenten üblicherweise auf einer Skala bewertet, wobei Zustand 1 neuwertig und höhere Zahlen zunehmende Gebrauchsspuren bedeuten. Ein Zustand 2 zeigt also leichte Alterungs- oder Handhabungsspuren, aber keine wesentlichen Beschädigungen.
Schmucktelegramme sind heute gesuchte Sammlerstücke, die sowohl postal- als auch kunstgeschichtlich von Interesse sind. Sie dokumentieren nicht nur die Geschichte der Telekommunikation, sondern auch die angewandte Kunst und das Alltagsleben ihrer Epoche. Die Arbeiten von Künstlern wie Hanns Bastanier geben Einblick in die ästhetischen Vorstellungen der Zeit zwischen den Weltkriegen.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 änderte sich auch die visuelle Gestaltung der Reichspost-Produkte. Die Schmucktelegramme aus der Weimarer Zeit wie dieses Exemplar von 1931 repräsentieren damit eine spezifische, zeitlich begrenzte Phase deutscher Postgeschichte, bevor ideologische Vereinnahmung und später der Zweite Weltkrieg die gesamte Kommunikationsinfrastruktur erneut militarisierten.