Hirt´s Berliner Fiebel,

Schreiblesefibel. 106 Seiten mit zahlreichen farbigen Illustrationen im Originalhalbleineneinband (etwas fleckig). Typische Fibel des beginnenden Nationalsozialismus. Recht selten. Zustand 2-
424173
250,00

Hirt´s Berliner Fiebel,

Hirt's Berliner Fibel - Ein Lehrmittel der frühen NS-Zeit Hirt's Berliner Fibel war eine der bedeutendsten Schreiblesefibeln, die während der Anfangsphase des Nationalsozialismus in Deutschland verwendet wurde. Diese Art von Schulbuch, bekannt als Fibel, diente der Vermittlung grundlegender Lese- und Schreibfähigkeiten an Grundschüler und spielte eine zentrale Rolle in der frühen Bildung. Der Ferdinand Hirt Verlag in Breslau war einer der führenden Verlage für pädagogische Literatur im deutschen Sprachraum. Die Berliner Fibel wurde speziell für den Unterricht in der Reichshauptstadt entwickelt und reflektierte die pädagogischen Prinzipien der Zeit. Mit 106 Seiten und zahlreichen farbigen Illustrationen war sie darauf ausgelegt, junge Schüler durch ansprechendes visuelles Material zum Lernen zu motivieren. Die Ausgabe im Originalhalbleineneinband war typisch für Schulbücher dieser Epoche. Der Halbleineneinband bot einen praktischen Kompromiss zwischen Haltbarkeit und Kosten - robust genug für den täglichen Schulgebrauch, aber nicht so teuer wie vollständige Ledereinbände. Diese Bauweise ermöglichte es, dass Schulbücher auch für Familien mit bescheidenem Einkommen erschwinglich blieben. Die Zeit des beginnenden Nationalsozialismus (1933-1935) war durch eine systematische Umgestaltung des deutschen Bildungswesens gekennzeichnet. Nach der Machtergreifung 1933 begannen die neuen Machthaber umgehend mit der Gleichschaltung des Schulwesens. Das Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung unter Bernhard Rust übernahm die zentrale Kontrolle über Lehrpläne und Lehrmaterialien. Fibeln aus dieser Übergangszeit sind historisch besonders interessant, da sie den Wandel von der Weimarer Republik zum NS-Staat dokumentieren. Während ältere Fibeln noch die demokratischen Werte der Weimarer Zeit vermittelten, wurden neue Ausgaben zunehmend mit nationalsozialistischer Ideologie durchsetzt. Die Illustrationen und Texte spiegelten die neuen politischen Prioritäten wider: Betonung von Volksgemeinschaft, germanischen Mythen und militärischen Tugenden. Die Seltenheit solcher Fibeln heute erklärt sich aus mehreren Faktoren. Zum einen wurden Schulbücher intensiv genutzt und unterlagen starkem Verschleiß. Viele Exemplare wurden nach dem Zweiten Weltkrieg bewusst vernichtet, da sie als belastetes Material galten. Die alliierten Besatzungsmächte führten umfassende Entnazifizierungsprogramme durch, die auch die Entfernung von NS-Propaganda aus Schulen einschloss. Zudem wollten viele Familien nach 1945 keine Erinnerungen an die NS-Zeit bewahren. Die farbigen Illustrationen in solchen Fibeln waren für die 1930er Jahre technisch bemerkenswert. Der Mehrfarbendruck war aufwendig und teuer, was zeigt, dass dem Staat die ideologische Prägung der Jugend erhebliche Investitionen wert war. Die Bilder zeigten typischerweise idyllische Szenen aus dem deutschen Alltag, oft mit blonden Kindern in traditioneller Kleidung, die die NS-Vorstellung von “arischer” Normalität vermittelten. Der Zustand 2- deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, wobei leichte Gebrauchsspuren wie Flecken auf dem Einband vorhanden sind. Dies ist für ein Schulbuch aus dieser Zeit bemerkenswert, da die meisten Exemplare deutlich stärker abgenutzt wurden. Aus militärhistorischer Perspektive sind solche Fibeln relevant, weil sie Teil der systematischen Vorbereitung der Jugend auf den Krieg waren. Die nationalsozialistische Erziehung zielte darauf ab, bereits bei den Jüngsten Wehrbereitschaft und militärische Tugenden zu fördern. Spätere Ausgaben enthielten zunehmend militärische Motive und Vokabular. Heute sind solche Fibeln wichtige Dokumente der Zeitgeschichte. Sie dienen Historikern, Pädagogen und Museen als Quellen zur Erforschung der nationalsozialistischen Indoktrination und Bildungspolitik. Sammler militärhistorischer und zeitgeschichtlicher Objekte schätzen sie als authentische Zeugnisse der Epoche. Der Umgang mit solchen Objekten erfordert historische Sensibilität und den Kontext der wissenschaftlichen oder pädagogischen Aufarbeitung.