III. Reich - nichttragbare Teilnehmerplakette - " 50 Jahre Bayer. Waldverein 1883-1933 Jubiläumskundgebung am Brennes 27.8.193 zum Segen der Heimat 5. Ostmarkfahrt ADAC Gau Südbayern "
Die vorliegende nichttragbare Teilnehmerplakette aus dem Jahr 1933 repräsentiert eine faszinierende Verschmelzung verschiedener Organisationen und Bewegungen im Deutschland der frühen 1930er Jahre. Hergestellt von C. Poellath in Schrobenhausen, einem der renommiertesten Hersteller von Abzeichen und Plaketten in Deutschland, vereint dieses Objekt das 50-jährige Jubiläum des Bayerischen Waldvereins mit der 5. Ostmarkfahrt des ADAC Gau Südbayern.
Der Bayerische Waldverein wurde 1883 gegründet und widmete sich der Pflege und Erschließung der bayerischen Waldgebiete sowie dem Schutz der heimischen Natur. Als einer der bedeutendsten Wandervereine im süddeutschen Raum organisierte der Verein regelmäßig Wanderungen, pflegte Wanderwege und setzte sich für den Erhalt der Kulturlandschaft ein. Das Jahr 1933 markierte nicht nur das 50-jährige Bestehen des Vereins, sondern fiel auch mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten zusammen, was die Verwendung des Begriffs “zum Segen der Heimat” im Kontext der damaligen Heimatideologie erklärt.
Die Jubiläumskundgebung am Brennes am 27. August 1933 war offenbar ein bedeutendes Ereignis, das mehrere Organisationen zusammenführte. Der Brennes, vermutlich der Brenner oder ein lokaler Berg in der Region, diente als Versammlungsort für diese Veranstaltung. Die Verbindung mit der 5. Ostmarkfahrt des ADAC zeigt die typische Praxis der 1930er Jahre, verschiedene Veranstaltungen zu koordinieren und zu kombinieren.
Der ADAC (Allgemeiner Deutscher Automobil-Club) war bereits in den 1930er Jahren eine wichtige Organisation für Automobilisten. Die Gliederung in Gaue wie den “Gau Südbayern” entsprach der damaligen regionalen Verwaltungsstruktur. Die Ostmarkfahrten waren beliebte motorisierte Veranstaltungen, die in die östlichen Regionen des deutschen Sprachraums führten, wobei “Ostmark” sich auf die österreichischen und östlichen Gebiete bezog.
Die Firma C. Poellath aus Schrobenhausen war und ist ein traditionsreicher Hersteller von Orden, Ehrenzeichen und Plaketten. Seit 1778 produzierte das Unternehmen hochwertige metallene Auszeichnungen und Abzeichen für verschiedenste Organisationen, Vereine und staatliche Institutionen. Die Qualität der Poellath-Erzeugnisse war legendär, was die Firma zum bevorzugten Lieferanten für viele bedeutende Organisationen machte.
Die technische Ausführung dieser Plakette zeigt die typischen Merkmale der Poellath-Produktion: Buntmetall versilbert und teilweise emailliert, was eine aufwendige Herstellungstechnik erforderte. Mit den Maßen von 75 x 81 mm handelt es sich um eine relativ große Plakette. Die vier Bohrungen kennzeichnen sie eindeutig als nichttragbare Plakette, die zur Befestigung an Wänden oder in Vitrinen gedacht war, im Gegensatz zu tragbaren Abzeichen.
Nichttragbare Plaketten dieser Art wurden im frühen 20. Jahrhundert häufig als Erinnerungsstücke für besondere Veranstaltungen produziert. Sie dienten als Souvenirs für Teilnehmer und Organisatoren und dokumentierten die Verbindung zwischen verschiedenen Organisationen bei gemeinsamen Veranstaltungen. Im Gegensatz zu tragbaren Abzeichen, die am Körper getragen wurden, waren diese Plaketten für die dauerhafte Aufbewahrung und Ausstellung bestimmt.
Der historische Kontext von 1933 ist von besonderer Bedeutung. Dies war das Jahr der nationalsozialistischen Machtergreifung, und viele traditionelle Vereine mussten sich der neuen politischen Realität anpassen. Die Verwendung von Begriffen wie “zum Segen der Heimat” reflektiert die zunehmende Durchdringung der Vereinskultur mit nationalsozialistischer Ideologie. Viele Wandervereine und Automobilclubs wurden in dieser Zeit gleichgeschaltet oder passten ihre Rhetorik den neuen politischen Gegebenheiten an.
Die Kombination von Wanderverein und Automobilclub auf einer Plakette mag zunächst ungewöhnlich erscheinen, war aber typisch für die Vernetzung verschiedener Heimat- und Freizeitorganisationen in dieser Epoche. Beide Organisationen teilten ein Interesse an der Erschließung und “Pflege” der Heimat, wenn auch mit unterschiedlichen Mitteln.
Sammlerstücke wie diese Plakette sind heute wichtige historische Dokumente, die Einblick in die Vereinskultur, die Freizeitgestaltung und die politische Atmosphäre der frühen 1930er Jahre in Deutschland geben. Sie dokumentieren die Übergangszeit zwischen der Weimarer Republik und dem NS-Regime und zeigen, wie traditionelle Organisationen in diese neue Ära eintraten.