Kriegsmarine Säbel für Offiziere, Kammerstück.
Gesamtlänge etwa 960mm
Der vorliegende Kriegsmarine Säbel für Offiziere, gefertigt von der renommierten Solinger Firma E. & F. Hörster, stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der deutschen Marinetradition dar. Als sogenanntes Kammerstück handelt es sich um ein offiziell ausgegebenes Stück, das die charakteristischen Stempel und Abnahmezeichen der Kriegsmarine trägt und somit für Sammler und Historiker gleichermaßen von besonderem Interesse ist.
Die Geschichte des Marinesäbels der deutschen Kriegsmarine reicht bis in das Jahr 1848 zurück, als die Kaiserlich Preußische Marine gegründet wurde. Das Design des während des Dritten Reiches verwendeten Marinesäbels übernahm die Gestaltung der Säbel der Kaiserlichen Marine und blieb mit nur geringfügigen Abweichungen praktisch unverändert. Nach Hitlers Machtübernahme im Januar 1933 und der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht im März 1935 wurde eine Vielzahl neuer Degen- und Säbelmodelle eingeführt, um die rasch wachsende Wehrmacht auszustatten. Kurz nachdem Hitler Oberbefehlshaber der Wehrmacht (OKW) wurde, autorisierte er die Überarbeitung und Ergänzung der Uniformen- und Bekleidungsvorschriften für die Marine. Diese Bekleidungsvorschriften wurden 1935 und erneut 1937 überarbeitet und in der “Bekleidungs- und Anzugsbestimmungen für die Kriegsmarine M.Dv.Nr. 260 – Berlin, 1935” festgehalten.
Die Beschaffung der Säbel erfolgte auf zwei Wegen: Offiziere und bestimmte höhere Unteroffiziersränge waren für den Kauf ihrer eigenen Uniformen einschließlich der Seitenwaffen verantwortlich und erhielten dafür eine Bekleidungszulage über die Offizierkleiderkasse. Mannschaftsdienstgrade hingegen erhielten ihre Seitenwaffen aus staatlichen Beständen, hatten jedoch ebenfalls die Möglichkeit, privat gefertigte Seitenwaffen zu erwerben. Zu den bekannten Herstellern gehörten neben E. & F. Hörster auch Adolf Braun, Alcoso, Carl Eickhorn, Paul Weyersberg und WKC. Die Produktionsperiode erstreckte sich von etwa 1933 bis 1945.
Der Säbel war für Unteroffiziere ab dem Rang des Portepeeunteroffiziers und aufwärts zugelassen. Er wurde in Verbindung mit dem blauen Dienstanzug, dem Ausgehanzug, dem Meldeanzug, dem Paradeanzug und dem kleinen Gesellschaftsanzug getragen und selten auch zum feldgrauen Anzug. Das Tragen an Bord eines Schiffes oder in der Kaserne war ausdrücklich untersagt, sofern es nicht besonders befohlen wurde. Am 7. Mai 1943 wurde die weitere Herstellung von Portepees eingestellt, wobei bereits ausgegebene Exemplare weiterhin verwendet werden durften. Am 25. Februar 1944 wurde das Tragen des Dolches zugunsten der Pistole eingestellt, der Säbel war von diesem Befehl jedoch nicht betroffen und wurde vermutlich bis Kriegsende weiterhin getragen.
Der Marinesäbel zeichnet sich durch eine Klinge aus vernickeltem Stahl aus, deren Länge je nach Körpergröße des Trägers variierte. Das vorliegende Exemplar weist eine Gesamtlänge von etwa 960 mm auf. Das Gefäß ist vergoldet und aus Messing gefertigt, mit einem Löwenkopf als Knauf. Der Griff besteht aus weißem Zelluloid – als Alternative zu Elfenbein – mit intakter Drahtwicklung. Die charakteristische Klappmuschelstange (Parierstange) besteht aus zwei Teilen: Die große vordere Muschel zeigt florale Motive und einen Stockanker, während die kleinere hintere Muschel eine kleine Öffnung aufweist, durch die der Säbel an der Scheide befestigt werden konnte. Beide Muschelstangen sind in der Regel federnd schwenkbar und können zum leichteren Verstauen und Tragen heruntergeklappt werden. Die Scheide besteht aus schwarzem Leder und verfügt über drei Beschläge aus vergoldetem Messing, wobei die oberen beiden Beschläge fest angebrachte Tragringe aufweisen.
Das vorliegende Exemplar trägt die Herstellerbezeichnung “E & F Hörster Solingen” beidseitig auf der Fehlschärfe. Offiziell von der Kriegsmarine ausgegebene Säbel wurden mit einer Seriennummer versehen, der ein Buchstabe vorangestellt war, wobei “N” für die Nordsee und “O” für die Ostsee stand. Die Stempelung “O 835” auf dem vorliegenden Stück weist es der Marinestation der Ostsee zu, deren Hauptquartier sich in Kiel befand. Die Marinestation der Ostsee war ein Kommando sowohl der Kaiserlichen Marine als auch der Reichsmarine und diente als Küstenkommando für deutsche Marineeinheiten, die vorrangig in der Ostsee operierten. Am 1. Februar 1943 wurde das Stationskommando in Marineoberkommando umbenannt. Die Unterseite der Parierstange trägt den Marine-Waffenstempel – einen stilisierten Reichsadler im Kriegsmarine-Muster mit dem Buchstaben “M” für Marine darunter.
Die Firma E. & F. Hörster mit Sitz in Solingen wurde 1850 gegründet und gehörte zu den etablierten Herstellern von Blankwaffen in der traditionsreichen Klingenstadt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm Hans-Joachim Haug, Sohn von Hermann August, die Firmenleitung. Unter dem Namen “E. u. F. Hörster GmbH & Co. Präzisionwerk” stellte das Unternehmen weiterhin zeremonielle Schwerter für den Export sowie Dolche, Besteck und Nagel- sowie Haarschneider her. Die Firma bestand noch lange nach dem Zweiten Weltkrieg und wurde schließlich 1996 für insolvent erklärt.
Das vorliegende Exemplar verfügt über ein original gebundenes Portepee (Schwertquaste). Das Portepee wurde um den Bügelgriff gebunden im sogenannten Webeleinenstek (Seemannsknoten) getragen. Ursprünglich als funktionaler Gegenstand konzipiert, um die blanke Waffe am Handgelenk des Trägers zu sichern, entwickelte sich das Portepee im Laufe der Zeit zu einem rein dekorativen Accessoire.
Dieses Kammerstück der Kriegsmarine stellt mit seiner vollständigen Originalsubstanz – einschließlich des gebundenen Portepees und der behördlichen Stempelungen – ein bedeutendes Sammlerstück dar, das die Kontinuität deutscher Marinetradition von der Kaiserlichen Marine über die Reichsmarine bis zur Kriegsmarine eindrucksvoll dokumentiert.