Preussen Roter Adler Orden - Großkreuz mit Eichenlaub
Der Preußische Rote Adler-Orden im Großkreuz mit Eichenlaub verkörpert eine der höchsten Auszeichnungen der preußischen Monarchie und spiegelt die komplexe Hierarchie des deutschen Ordenswesens im langen 19. Jahrhundert wider. Diese prachtvolle Dekoration stammt aus den Anfangsjahren des Ersten Weltkrieges und repräsentiert die letzte Blütezeit des preußischen Auszeichnungssystems, bevor die Materialknappheit der Kriegsjahre und schließlich die Revolution von 1918 das Ende der monarchischen Ordenstradition herbeiführten.
Die Wurzeln des Roten Adler-Ordens reichen bis zum 17. November 1705 zurück, als Erbprinz Georg Wilhelm von Brandenburg-Bayreuth den Ordre de la Sincérité (Orden der Aufrichtigkeit) stiftete. Am 12. Juni 1792 übernahm König Friedrich Wilhelm II. diese Auszeichnung für Preußen, wo sie zum zweithöchsten Orden nach dem Schwarzen Adler-Orden aufstieg. Das Motto SINCERE ET CONSTANTER (Aufrichtig und Beständig) auf dem blauen Emailreif erinnert bis heute an diese Ursprünge.
Die Großkreuzstufe selbst wurde erst am 18. Oktober 1861 von König Wilhelm I. anlässlich seiner Krönung in Königsberg eingeführt. Diese Erweiterung erfolgte in einer Zeit preußischer Reformen und wachsenden Selbstbewusstseins. Das Datum DEN 18. OCTBR. 1861 erscheint auf der Rückseite jeder Großkreuz-Dekoration innerhalb eines Eichen- und Lorbeerkranzes. Das Eichenlaub als besondere Auszeichnung war bereits am 18. Januar 1811 für die 1. und 2. Klasse eingeführt worden und signalisierte den vorherigen Erhalt einer niedrigeren Ordensklasse.
Die hier vorliegende Ausführung verkörpert höchste handwerkliche Qualität. Das Großkreuz zeigt sich als goldener maltesischer Kreuz in achtspitziger Form mit weiß emaillierten Kreuzarmen und Goldbordüren. In den Kreuzwinkeln erscheinen rot emaillierte Adler. Das Obversmedaillon trägt das königliche Monogramm WR (Wilhelmus Rex), umgeben vom blauen Emailreif mit dem Ordensmotto. Der achtspitzige Bruststern in vergoldetem Silber zeigt im Zentrum den roten brandenburgischen Adler mit Krone, Schwert und Zepter in den Fängen sowie das Hohenzollernwappen, umgeben vom Motto auf blauem Email.
Das dreiflügelige Eichenlaub in vergoldeter Ausführung erhöht die Bedeutung dieser Verleihung erheblich. Die Dekoration ist komplett am originalen, 102 Millimeter breiten Schulterband konfektioniert, das die charakteristische Farbgebung zeigt: weiße Ränder von 6 Millimetern, orangegelbe Seitenstreifen von je 4 Millimetern, dann weiße Streifen von 8 Millimetern und ein orangegelber Mittelstreifen von 63 Millimetern Breite.
Die Verleihungspraxis des Großkreuzes mit Eichenlaub blieb äußerst restriktiv. Empfänger waren typischerweise hochrangige Generäle, Admirale, Staatsmänner und Mitglieder königlicher Familien. Ritter des Schwarzen Adler-Ordens erhielten automatisch das Großkreuz des Roten Adler-Ordens. Zu den bedeutenden Trägern zählten Paul von Hindenburg (mit Eichenlaub und Schwertern), Otto von Bismarck, Helmuth von Moltke der Ältere, Ferdinand Graf von Zeppelin, Prinz Heinrich von Preußen, Kaiserin Augusta Viktoria und Kronprinz Wilhelm von Preußen.
Der Orden würdigte sowohl militärisches als auch ziviles Verdienst: Tapferkeit im Kampf, herausragende militärische Führung, langjährigen treuen Dienst für das Königreich oder andere bedeutende Leistungen. Während des Ersten Weltkrieges wurde das Großkreuz mit Eichenlaub und Schwertern zwölfmal verliehen. Für militärische Verleihungen konnten seit dem 16. September 1848 Schwerter hinzugefügt werden; ab 1864 wurden Kampfauszeichnungen am schwarz-weißen Band getragen.
Die Materialausführung dieses Exemplars reflektiert eine bedeutsame historische Zäsur. Während die Beschreibung von einer Goldfertigung spricht, ordnete die preußische Ordensverwaltung 1916 aufgrund kriegsbedingter Materialknappheit an, dass goldbasierte Dekorationen fortan aus vergoldetem Silber mit der Gehaltsmarke 938 gefertigt werden mussten. Dies war bis 1916 noch erlaubt, danach erfolgte die Fertigung in vergoldetem Silber.
Nach der Novemberrevolution 1918 und dem Ende der deutschen Monarchie wurde der Rote Adler-Orden nicht mehr verliehen. Wie alle preußischen und kaiserlich-deutschen Orden wurde er mit dem Fall des Kaiserreichs offiziell abgeschafft. Alle Ordensdekorationen sollten an die preußische Ordenskanzlei zurückgegeben werden, was überlebende Exemplare im Vergleich zu den ursprünglichen Verleihungszahlen relativ selten macht. Diese Dekoration steht somit als eindrucksvolles Zeugnis einer untergegangenen Welt monarchischer Ehrenzeichen und preußischer Militärtradition.