Baden Schirmmütze für einen Offizier in einem Infanterie-Regiment

Um 1910. Hohe, tellerförmige Schirmmütze aus dunkelblauem Stoff mit rotem Bund und rotem Vorstoß, schwarz lackierter Vorderschirm, komplett mit beiden Kokarden. Innen mit braunem Lederschweißband und braunem Tuchfutter. Größe ca. 55. Am Schirm rechts eine alte unauffällig durchgeführte Reparatur. Wenige Kleine Mottenlöchlein. Zustand 2.



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420,00

Baden Schirmmütze für einen Offizier in einem Infanterie-Regiment

Die vorliegende badische Schirmmütze für Infanterieoffiziere aus der Zeit um 1910 repräsentiert einen wichtigen Bestandteil der militärischen Uniform des Großherzogtums Baden in den letzten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. Als Teil der deutschen Bundesstaaten innerhalb des Kaiserreichs unterhielt Baden seine eigenen Streitkräfte mit charakteristischen Uniformmerkmalen, die sich von denen anderer deutscher Kontingente unterschieden.

Das Großherzogtum Baden stellte im Deutschen Kaiserreich mehrere Infanterie-Regimente auf, die sich durch ihre spezifischen Uniformfarben auszeichneten. Die dunkelblaue Grundfarbe der Mütze mit rotem Band und rotem Vorstoss war charakteristisch für die badischen Infanterietruppen. Diese Farbkombination unterschied die badischen Einheiten deutlich von preußischen oder bayerischen Regimentern und unterstrich die föderale Struktur des deutschen Militärwesens vor 1914.

Die Schirmmütze entwickelte sich im 19. Jahrhundert zur bevorzugten Kopfbedeckung für Offiziere außerhalb des Gefechtsdienstes. Die charakteristische tellerförmige, hohe Form, wie sie bei diesem Exemplar zu sehen ist, entsprach der Mode und den militärischen Vorschriften der späten wilhelminischen Ära. Der schwarz lackierte Schirm diente nicht nur praktischen Zwecken als Sonnenschutz, sondern unterstreicht auch den formellen Charakter dieser Kopfbedeckung.

Besonders bemerkenswert sind die beiden Kokarden an der Mütze. Die Reichskokarde in Schwarz-Weiß-Rot symbolisierte die Zugehörigkeit zum Deutschen Kaiserreich, während die Landeskokarde in den badischen Farben Rot-Gelb die regionale Identität darstellte. Diese doppelte Kennzeichnung war für alle deutschen Bundesstaaten vorgeschrieben und verdeutlichte das Spannungsverhältnis zwischen nationaler Einheit und föderaler Vielfalt im Kaiserreich.

Die Qualität der Verarbeitung mit braunem Lederschweißband und braunem Tuchfutter spricht für die hohen Standards, die an Offiziersausrüstung gestellt wurden. Offiziere mussten ihre Uniformen selbst beschaffen und waren daher auf qualitativ hochwertige Anfertigung angewiesen, die den strengen militärischen Vorschriften entsprach. Die Uniformierung war in detaillierten Vorschriften geregelt, die Schnitt, Farbe und Ausführung genau festlegten.

Um 1910 befand sich das Deutsche Kaiserreich in einer Phase intensiver militärischer Aufrüstung. Die badischen Truppen waren integraler Bestandteil der deutschen Armee und wurden im Kriegsfall dem XIV. Armeekorps zugeteilt. Die Infanterie bildete das Rückgrat der Landstreitkräfte, und die korrekte Uniformierung war Ausdruck von Disziplin und militärischer Ordnung.

Die Erhaltung solcher Uniformstücke über mehr als ein Jahrhundert hinweg ist bemerkenswert. Die erwähnte Reparatur am Schirm und die geringen Mottenschäden zeugen von der Nutzung und dem Alter des Stücks, beeinträchtigen aber nicht seinen historischen Wert. Solche Objekte sind wichtige Zeugnisse der Militärgeschichte und ermöglichen es, die materielle Kultur der kaiserlichen Armee zu verstehen.

Der Zeitraum um 1910 war geprägt von zunehmenenden politischen Spannungen in Europa. Die deutschen Streitkräfte, einschließlich der badischen Kontingente, wurden modernisiert und vergrößert. Nur wenige Jahre später sollten diese Truppen in den Ersten Weltkrieg ziehen, der das Ende der alten Ordnung und damit auch das Ende der traditionellen Uniformierung bedeuten würde.

Diese Schirmmütze steht exemplarisch für die militärische Tradition des deutschen Kaiserreichs und die besondere Rolle der Bundesstaaten innerhalb des nationalen Militärsystems. Sie verbindet funktionale Aspekte mit symbolischer Bedeutung und repräsentiert eine Epoche, in der Uniform und Erscheinungsbild zentrale Elemente militärischer Identität darstellten.