Braunschweig 1. Weltkrieg Persönlicher Geschenk-Bilderahmen des Herzogs Ernst August (III.)

Braunschweig, um 1917. Im Rahmen das Porträtfoto des Herzogs Ernst August (III.) von Hannover in der Uniform eines Husaren des Braunschweigischen Husaren-Regiments Nr. 17, mit großer original Unterschrift des Herzogs vom "16. Mai 1917", unten rechts die Marke des Foto-Ateliers "Adele (Förster) Wien I Graben u. Ischl". Das Bildnis im Silberrahmen in feinster Friedensqualität, auf der Unterseite mit Silberstempel Halbmond und Krone sowie Silbergehalt "800" und Hersteller "F. Siebrecht" und Nummer "67010". Oben auf dem Rahmen aufgelegt die gekrönte Chiffre "EA", die Krone in Gold ausgeführt, die Chiffre mit Rubinen und Diamanten verziert. Die Rückenabdeckung in weinrotem Saffianleder bezogen, mit Aufsteller. Maße des Rahmens 20,2 x 29 cm. Im original Etui, innen mit violettem Samt und Seide ausgeschlagen, im Deckel in Gold aufgedruckt der Juwelier "F. Siebrecht Hof-Juwelier Braunschweig. Maße 25,5 x 34,5 cm. Zustand 2.

Es handelt sich bei dem hier vorliegendem Genschenkbilderrahmen um eine hochexquisite Arbeit, wahrscheinlih hergestellt vor Kriegsbeginn 1914. In dieser Qualität und Kostbarkeit kann der Empfänger des Stückes nur eine sehr hoch gestellte Persönlichkeit gewesen sein.

Ernst August (III.) war von 1913 bis zu seiner Abdankung 1918 der letzte regierende Herzog des Herzogtums Braunschweig und der letzte regierende Monarch des Hauses Hannover. Während des Ersten Weltkriegs wurde er zum Generalmajor befördert und diente im Generalkommando des X. Armee-Korps zu welchem auch das Braunschweigische Husaren-Regiment Nr. 17 gehörte.

Das Foto wurde von dem Fotoatelier "Adèle" in Wien angefertigt, welches für seine Porträtfotos berühmt war und auch für den kaiserlichen und königlichen Hof arbeitete.

Auch der Juwelier "F. Siebrecht" in Braunschweig ist bekannt und fertigte u.a. Orden für das Herzogtum Braunschweig. 



377374
6.500,00

Braunschweig 1. Weltkrieg Persönlicher Geschenk-Bilderahmen des Herzogs Ernst August (III.)

Der vorliegende prachtvolle Geschenkbilderrahmen mit dem Portrait Herzog Ernst Augusts III. von Braunschweig (1887-1953) stellt ein außergewöhnliches Zeugnis der höfischen Repräsentationskultur im Ersten Weltkrieg dar. Solche Geschenkrahmen mit persönlichen Portraitphotographien und Unterschriften wurden von europäischen Herrscherhäusern als besondere Auszeichnung an verdiente Offiziere, Diplomaten oder andere hochgestellte Persönlichkeiten verliehen.

Herzog Ernst August III. gehörte dem Haus Hannover an, einer Nebenlinie des Hauses Welfen, die von 1714 bis 1901 auch die britische Krone innehatte. Durch seine Heirat mit Prinzessin Viktoria Luise von Preußen im Jahr 1913 – der einzigen Tochter Kaiser Wilhelms II. – wurde Ernst August Herzog von Braunschweig, nachdem jahrzehntelange dynastische Konflikte beigelegt wurden. Diese Hochzeit, die letzte große Feierlichkeit der europäischen Monarchien vor dem Ersten Weltkrieg, vereinte symbolisch die Häuser Hohenzollern und Welfen.

Das Datum der Unterschrift – 16. Mai 1917 – fällt in eine kritische Phase des Ersten Weltkriegs. Ernst August diente als Generalmajor im Generalkommando des X. Armee-Korps, zu dem auch das traditionsreiche Braunschweigische Husaren-Regiment Nr. 17 gehörte. Auf dem Portrait trägt der Herzog die Uniform eben dieses Husarenregiments, was die enge Verbindung zwischen dem Landesherrn und seinen Truppen unterstreicht. Das Jahr 1917 war geprägt von der zunehmenden Kriegsmüdigkeit, den schweren Kämpfen an der Westfront und den politischen Umwälzungen in Russland.

Die Anfertigung des Portraits durch das Fotoatelier Adèle (Förster) in Wien verdient besondere Beachtung. Dieses renommierte Atelier mit Standorten am Graben und in Bad Ischl war bekannt für seine qualitätsvollen Portraitaufnahmen und arbeitete für den kaiserlich-königlichen Hof in Wien. Die Wahl eines Wiener Ateliers unterstreicht die engen dynastischen und kulturellen Verbindungen zwischen den deutschen Fürstenhäusern und dem österreichisch-ungarischen Kaiserhaus während des Kriegsbündnisses.

Der Rahmen selbst ist ein Meisterwerk der Goldschmiedekunst. Gefertigt vom Hofjuwelier F. Siebrecht in Braunschweig, der auch für die Herstellung von Orden und Ehrenzeichen des Herzogtums bekannt war, zeigt er die feinste Friedensqualität – ein Hinweis darauf, dass das Stück wahrscheinlich vor Kriegsbeginn oder in den frühen Kriegsjahren hergestellt wurde, als noch keine kriegsbedingten Materialengpässe herrschten. Der Silberstempel mit Halbmond und Krone sowie die Angabe “800” belegen die hochwertige Verarbeitung aus 800er Silber.

Besonders bemerkenswert ist die aufgelegte gekrönte Chiffre “EA” auf dem Rahmen. Die Krone ist in Gold ausgeführt, während die Initialen mit Rubinen und Diamanten verziert sind. Diese kostbare Ausführung war nur bei Geschenken von höchstem Rang üblich und zeigt, dass der Empfänger eine Person von außerordentlicher Bedeutung gewesen sein muss – möglicherweise ein Mitglied einer anderen regierenden Dynastie, ein hoher Militärkommandeur oder ein besonders verdienter Staatsmann.

Die Rückenabdeckung aus weinrotem Saffianleder und das originale Etui, innen mit violettem Samt und Seide ausgeschlagen, entsprechen den höfischen Standards der Zeit. Die goldene Aufschrift des Juweliers im Deckel unterstreicht die Provenienz und Authentizität des Stücks.

Solche persönlichen Geschenkbilderrahmen waren Teil einer jahrhundertealten Tradition europäischer Höfe. Sie dienten als sichtbares Zeichen der persönlichen Verbundenheit zwischen Herrscher und Empfänger und wurden oft bei besonderen Anlässen – militärischen Erfolgen, Jubiläen oder diplomatischen Missionen – überreicht. Im Kontext des Ersten Weltkriegs gewannen sie zusätzliche Bedeutung als Ausdruck von Loyalität und Durchhaltewillen in einer zunehmend verzweifelten militärischen Lage.

Herzog Ernst August III. musste im November 1918 abdanken, als die Revolution das Ende aller deutschen Monarchien besiegelte. Er zog sich ins Privatleben zurück, blieb aber als Chef des Hauses Hannover eine respektierte Figur. Sein Schicksal teilte er mit allen anderen deutschen Fürsten, deren jahrhundertealte Dynastien innerhalb weniger Tage hinweggefegt wurden.

Heute sind solche persönlichen Geschenkstücke aus dem Ersten Weltkrieg seltene Zeugnisse einer untergegangenen Welt. Sie dokumentieren nicht nur die kunsthandwerkliche Meisterschaft der Zeit, sondern auch die komplexen persönlichen und dynastischen Beziehungen, die die europäische Politik bis 1918 prägten. Der vorliegende Rahmen vereint in sich die Elemente höfischer Repräsentation, militärischer Tradition und persönlicher Ehrung – ein einzigartiges Zeitdokument der letzten Tage der deutschen Monarchien.

r