Deutscher Kriegerbund - mit Kreuz " Kaiserin Augusta Victoria Militär-Kameradschaft Wandsbek und Umgebung "

an Nadel und patriotischer Bandschleife, Zustand 2.
484774
70,00

Deutscher Kriegerbund - mit Kreuz " Kaiserin Augusta Victoria Militär-Kameradschaft Wandsbek und Umgebung "

Das vorliegende Objekt ist eine Mitgliedsabzeichen des Deutschen Kriegerbundes, versehen mit einem Kreuz und der Aufschrift “Kaiserin Augusta Victoria Militär-Kameradschaft Wandsbek und Umgebung”. Dieses patriotische Abzeichen, montiert an einer Nadel mit charakteristischer Bandschleife, repräsentiert einen bedeutenden Aspekt der deutschen Veteranenkultur im späten Kaiserreich und der Weimarer Republik.

Der Deutsche Kriegerbund wurde im Jahre 1873 als Dachorganisation deutscher Militärvereine gegründet. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und der Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871 entstanden zahlreiche lokale Kriegervereine, die sich der Pflege kameradschaftlicher Verbindungen, der Ehrung gefallener Soldaten und der Aufrechterhaltung militärischer Traditionen widmeten. Der Kriegerbund vereinte diese verschiedenen Vereine unter einem gemeinsamen Dach und entwickelte sich zu einer der größten patriotischen Organisationen im Deutschen Reich.

Kaiserin Augusta Victoria (1858-1921), geboren als Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, war die Gemahlin von Kaiser Wilhelm II. und von 1888 bis 1918 Deutsche Kaiserin und Königin von Preußen. Die Namensgebung von Militärkameradschaften nach der Kaiserin war eine verbreitete Praxis, die die enge Verbindung zwischen dem Königshaus und den Veteranenorganisationen demonstrierte. Augusta Victoria genoss hohes Ansehen für ihre karitativen Tätigkeiten und ihre Unterstützung militärischer Einrichtungen und Veteranenverbände.

Wandsbek, heute ein Bezirk Hamburgs, war zur Zeit der Gründung solcher Kameradschaften eine selbständige Stadt in der preußischen Provinz Schleswig-Holstein. Die Stadt hatte eine bedeutende militärische Tradition und beherbergte mehrere Garnisonen. Die Bezeichnung “und Umgebung” deutet darauf hin, dass die Kameradschaft Mitglieder aus Wandsbek selbst sowie den umliegenden Gemeinden vereinte, was typisch für solche Organisationen war.

Die Mitgliedsabzeichen dieser Kameradschaften wurden in verschiedenen Ausführungen hergestellt und dienten als sichtbares Zeichen der Zugehörigkeit. Sie wurden üblicherweise aus Metall gefertigt, oft versilbert oder vergoldet, und zeigten charakteristische Elemente wie Kreuze, kaiserliche Symbole, Eichenlaub oder andere militärische Embleme. Die Befestigung erfolgte mittels einer Nadel auf der Rückseite, die das Tragen an der Kleidung ermöglichte. Die erwähnte patriotische Bandschleife war typischerweise in den deutschen Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot gehalten und unterstrich den nationalen Charakter der Organisation.

Das auf dem Abzeichen dargestellte Kreuz hatte mehrfache symbolische Bedeutung. Es konnte sich um ein Eisernes Kreuz handeln, die bekannteste deutsche Militärauszeichnung, oder um ein stilisiertes christliches Kreuz, das die religiöse Dimension der Kameradschaft betonte. Viele Kriegervereine verstanden sich nicht nur als militärische, sondern auch als christlich-patriotische Organisationen.

Die Blütezeit des Deutschen Kriegerbundes lag in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. Um 1914 zählte die Organisation über 30.000 Vereine mit mehr als 2,8 Millionen Mitgliedern. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Abdankung des Kaisers 1918 mussten sich diese Organisationen neu orientieren. Viele Kriegervereine bestanden in der Weimarer Republik weiter, wenn auch unter veränderten politischen Rahmenbedingungen. Der Name “Kaiserin Augusta Victoria” wurde trotz des Endes der Monarchie häufig beibehalten, als Ausdruck der Verbundenheit mit der kaiserlichen Tradition.

Die soziologische Bedeutung solcher Kameradschaften war beträchtlich. Sie dienten nicht nur der Veteranenbetreuung, sondern waren auch wichtige Orte der sozialen Integration und des gesellschaftlichen Lebens. Regelmäßige Zusammenkünfte, Schießübungen, Ausflüge und die Teilnahme an patriotischen Feiertagen prägten das Vereinsleben. Die Kameradschaften unterstützten bedürftige Mitglieder und deren Familien und pflegten die Kriegergräber.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden der Deutsche Kriegerbund und seine Mitgliedsorganisationen 1934/35 in den Nationalsozialistischen Reichskriegerbund (NSRKB) unter Führung von Wilhelm Reinhard überführt und gleichgeschaltet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wurden alle diese Organisationen durch die Alliierten aufgelöst.

Das vorliegende Abzeichen ist ein authentisches Zeugnis dieser historischen Epoche und dokumentiert die Vereinskultur des Deutschen Kaiserreiches sowie die Verehrung des Kaiserhauses in weiten Teilen der Bevölkerung. Solche Objekte sind heute wichtige Quellen für die Erforschung der deutschen Militär- und Sozialgeschichte sowie der politischen Kultur vor dem Hintergrund der beiden Weltkriege.

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