Deutsches Kaiserreich Schutzgebiet ( Kolonie ) - Postkarte " Hererogrossleute "

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Deutsches Kaiserreich Schutzgebiet ( Kolonie ) - Postkarte " Hererogrossleute "

Diese Postkarte mit dem Titel „Hererogrossleute" stammt aus der deutschen Kolonialzeit und zeigt Häuptlinge oder Anführer der Herero, eines der indigenen Völker in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia. Der Begriff „Grossleute" war die deutsche Kolonialbezeichnung für indigene Führer und Häuptlinge in der Kolonie. Die Karte wurde verwendet, also durch die Post befördert, und trägt entsprechende Postmarkierungen auf der Rückseite.

Von 1884 bis 1915 war Deutsch-Südwestafrika ein deutsches Schutzgebiet. Das Gebiet war Heimat mehrerer indigener Gruppen, darunter die Herero, Nama, Damara, Ovambo und San. Die Herero-Häuptlinge hielten traditionelle Autoritätspositionen inne, wobei Samuel Maharero eine besonders bedeutende Rolle spielte. Er führte ab dem 12. Januar 1904 den Herero-Aufstand gegen die deutsche Kolonialherrschaft an, eine Reaktion auf systematische deutsche Landenteignungen, Misshandlungen und die Schändung von Gräbern.

Der Aufstand und die darauffolgende deutsche Reaktion führten zwischen 1904 und 1908 zum Völkermord an den Herero und Nama, der als erster Genozid des 20. Jahrhunderts anerkannt wird. Die Verluste waren verheerend: Schätzungen gehen von 40.000 bis 80.000 getöteten Herero aus, was etwa 80 Prozent der Vorkriegsbevölkerung entsprach, sowie etwa 10.000 Nama, die Hälfte ihrer Bevölkerung.

Kolonialpostkarten aus Deutsch-Südwestafrika wurden von verschiedenen Stellen produziert, darunter Kolonialverwaltungen, Missionsgesellschaften, militärische Einrichtungen und kommerzielle Verleger. Zu den bedeutenden Verlegern gehörte die Neue Photographische Gesellschaft Berlin neben anderen deutschen Postkartenunternehmen. Der Produktionszeitraum erstreckte sich von den 1890er Jahren bis 1915, mit einer besonders intensiven Verbreitung während und nach dem Herero-Aufstand von 1904 bis 1908.

Die Deutsche Kolonialgesellschaft, gegründet 1887, sammelte und nutzte solche Materialien für Propagandazwecke. Die Gesellschaft trug bis zum frühen 20. Jahrhundert über 50.000 Fotografien zusammen, hauptsächlich Lichtbilder für Diavorträge. Diese Postkarten erfüllten mehrere Zwecke: Sie dienten als Souvenirs für deutsche Kolonisten und Militärangehörige, als Propagandamaterial zur Rechtfertigung kolonialer Aktivitäten und zur Förderung der sogenannten Zivilisierungsmission, als Bildungsmaterial in öffentlichen Vorträgen der Deutschen Kolonialgesellschaft in ganz Deutschland und als kommerzielle Produkte für ein europäisches Publikum mit Interesse an kolonialen Motiven. Deutsche Militärangehörige der Schutztruppe, Kolonialverwalter, Missionare und Siedler verschickten diese Karten von der Kolonie zurück nach Deutschland.

Diese Postkarte gehört zu einem größeren Genre deutscher Kolonialpostkarten, die indigene Völker der deutschen Schutzgebiete darstellten. Solche Karten umfassten verschiedene Kategorien: ethnographische Typen, Häuptlinge und Anführer in zeremonieller Kleidung, Szenen des täglichen Lebens, militärische Propaganda im Zusammenhang mit den Herero-Nama-Konflikten und koloniale Infrastrukturprojekte. Postkarten, die lokale Häuptlinge oder Könige in zeremonieller Gewandung zeigten, waren besonders verbreitet. Bereits in den 1890er Jahren waren Postkarten in ganz Kontinentaleuropa weit verbreitet und sprachen Touristen sowie an kolonialen Motiven Interessierte an. Koloniale Postkarten aus dieser Ära verstärkten Stereotype von Afrika als dem „dunklen Kontinent" und rechtfertigten den europäischen Kolonialismus.

Nach der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg wurde Deutsch-Südwestafrika 1915 von südafrikanischen Truppen erobert und ab 1919 als Völkerbundsmandat verwaltet. Das Gebiet erlangte am 21. März 1990 als Namibia seine Unabhängigkeit. Kolonialzeitliche Postkarten, die Herero darstellen, sind zu bedeutenden historischen Dokumenten in Diskussionen über deutsche Kolonialverbrechen und den Völkermord geworden. Seit 2004 gibt es verstärkte Anerkennung des Herero- und Nama-Völkermords. Im Jahr 2004 erkannte Deutschland seine Verantwortung an, ohne jedoch finanzielle Entschädigung anzubieten. 2018 begann Deutschland, menschliche Überreste nach Namibia zurückzugeben. Kolonialpostkarten werden heute in Archiven aufbewahrt, darunter das Kolonialbildarchiv der Universitätsbibliothek Frankfurt (seit 2004 online zugänglich), die Sam-Cohen-Bibliothek in Swakopmund, Namibia, das Deutsche Historische Museum und verschiedene internationale Sammlungen. Sie werden als Beweise kolonialer visueller Kultur, Propaganda und Dokumentation des Völkermords erforscht. Moderne Ausstellungen zum deutschen Kolonialismus zeigen diese Postkarten, um die koloniale Denkweise und begangene Gräueltaten zu veranschaulichen.